Partner von:

Gut zitiert ist halb studiert

Lesebrille (Quelle: freeimages.com, mihow)

Quelle: freeimages.com, mihow

Studieren ist Fleißarbeit. Mit den richtigen Hilfsmitteln kannst du dir trotzdem eine Menge Aufwand ersparen. Für Haus- oder Diplomarbeiten und Dissertationen musst du oft eine Unmenge an Fachliteratur studieren. Literaturverwaltungsprogramme wie Citavi, EndNote oder JabRef helfen, dabei nicht den Überblick zu verlieren. Wenn dir diese Namen noch nichts sagen, dann solltest du dringend dazulernen.

EndNote

EndNote wird vor allem für naturwissenschaftliche Arbeiten gern genutzt. Es eignet sich aber auch für Geistes-, Rechts- oder Ingenieurwissenschaften. Das Programm ermöglicht die Recherche in Online-Datenbanken, Bibliothekskatalogen und wissenschaftlichen Fachpublikationen. Viele nationale und internationale Kataloge sind bereits voreingestellt. Die Liste lässt sich erweitern und beispielsweise mit dem Verzeichnis der eigenen Hochschulbibliothek ergänzen. Für die Arbeit in Dokumenten stehen dir mehr als 2.000 Zitierstile (Output Styles) zur Verfügung. Damit kannst du zum Beispiel deinen Artikel für die Veröffentlichung in einer juristischen Fachzeitschrift vorbereiten.

Die Formate können außerdem beliebig verändert werden. EndNote arbeitet sehr gut mit Microsoft Word zusammen. Über eine Leiste in Word integriert, lassen sich die wichtigsten Funktionen von EndNote jederzeit aufrufen. Beim Schreiben kannst du die Quellennachweise der angelegten Datenbank so problemlos in den Text integrieren. Die große Stärke von EndNote ist einfache Handhabung durch viele Voreinstellungen. Die erleichtert dir den Einstieg. Allerdings wird die Benutzeroberfläche bisher nur Englisch angeboten.

Mit seiner Web-Version versucht EndNote, sich der gemeinsamen Projektarbeit zu öffnen. Das Programm ermöglicht den Austausch und die Nutzung der Quellendatenbanken mehrerer Nutzer über das Internet. Allerdings ist sein Funktionsumfang eingeschränkt. Du darfst nur noch 10.000 Einzelnachweise verwalten.

Citavi

Citavi (lateinisch für "Ich habe zitiert.") ist mindestens so leistungsstark wie EndNote. Auch mit Citavi kannst du einfach und schnell Literaturverzeichnisse erstellen. Zusätzlich bietet es dir vielfältige Hilfe bei der Planung und Umsetzung deiner Projekte. Du kannst Aufgaben und Ideen im Programm strukturieren und mit Terminen versehen. Um Zitate in deiner Datenbank aufzuspüren, gibt es eine Stichwort- oder Volltextsuche.

Auch online stehen dir über 3.600 Datenbanken zum Stöbern zur Verfügung. Für die Nutzung von einigen ist Citavi bereits eingerichtet. Die Möglichkeit, in verschiedenen Katalogen parallel zu suchen, ist eine gute Idee, die in der Praxis aber noch Schwierigkeiten hat. Resultate lassen sich schwer filtern. Deshalb gibt es leicht viele unbrauchbare Treffer. Der Hersteller aktualisiert die Verbindungsdaten zu den Katalogen automatisch, während du im Netz bist. In der Trefferliste kannst du über Links Bestellungen in Fachbuchhandlungen aufgeben. Dabei lassen sich Bücher auch bei Händlern bestellen, die keinen Online-Shop betreiben.

Der "Citavi Picker" bietet dir die Möglichkeit, Webseiten in deinen Katalog aufzunehmen. Für die Suche werden sie mit dem aktuellen Datum und dem Titel versehen. Das Programm arbeitet schnell. EndNote-Dateien lassen sich problemlos importieren, was die Zusammenarbeit mit anderen Nutzern erleichtert. Die Bibliografie-Erstellung ist kompatibel zu Word und Open Office.

Allerdings siehst du Veränderungen im Dokument nicht direkt. Citavis arbeitet mit Platzhaltern. Um das Dokument fertigzustellen, fügst du mit der Option "Publikation formatieren" deine Zitate, das Literaturverzeichnis und die Fußnoten nachträglich ein. Dafür erstellt Citavi eine Kopie deines Textes. Wie EndNote ist Citavi leicht bedienbar und gut für die Arbeit im Studium geeignet. Es genügt auch wissenschaftlichen Ansprüchen und bietet einen großen Funktionsumfang. Die Anzahl vorgegebener Zitierstile ist kleiner, die Formate lassen sich jedoch einfach editieren. Ein Manko ist die fehlende Rechtschreibprüfung, und auch der Picker arbeitet noch nicht problemlos.

JabRef und CiteULike

JabRef

Das Programm JabRef basiert auf der BibTeX-Syntax (siehe oben). Das erklärt die komplizierte Handhabung im Vergleich zu EndNote. Dafür hast du die volle gestalterische Freiheit des TeX-Codes. Die Funktionen der Literaturverwaltung gleichen weitgehend der Konkurrenz. Die Organisation der eigenen Datenbank und die optische Gestaltung der Resultate unterscheidet sich jedoch. Für die Arbeit mit der eigenen Datenbank musst du so genannte BibTeX-Keys anlegen. Sie funktionieren ähnlich wie die Stichwörter bei Citavi. Bei der Recherche verwendest du logische Operatoren. Eine typische Suche im Verzeichnis sieht ungefähr so aus:

(author = mann OR title|keywords = "Der Untertan") AND NOT -
 author = thomas

Das Programm ist sehr flexibel konfigurierbar. Einträge werden dynamisch mit bestimmten Gruppen verbunden. Entspricht ein Datensatz bestimmten Kriterien, kann er automatisch weiteren Daten zugeordnet werden. Um dir Arbeit zu ersparen, kannst du mit "Strings" arbeiten. Das entspricht einer Art Autotextfunktion. Längere Eingaben können so durch Kurzzeichen ersetzt werden. Statt des vollen Namens einer Fachzeitschrift, zum Beispiel "Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht", kannst du ein Buchstabenkürzel wie ZaöRV verwenden. Obwohl das Programm auf LaTeX basiert, ist es im Prinzip kompatibel zu EndNote oder Citavi. Allerdings gestalten sich Im- und Export von Dateien etwas komplizierter.

Die lange Einarbeitungszeit und die kompliziertere Handhabung sind zunächst eine Hürde für den Einsatz von JabRef. Die Stärken liegen jedoch auf der Hand: Die freie Gestaltung des Layouts ermöglicht auch die Darstellung aufwändiger Formeln. Das ist vor allem für technische Studiengänge interessant. Außerdem lässt sich das Erscheinungsbild der eigenen Arbeit jeder Anforderung seitens der Medien anpassen. Viele Verlage nutzen beispielsweise TeX zur Gestaltung ihrer Publikationen.

CiteULike

Bei CiteULike können Literaturnachweise manuell oder per importierten Daten ergänzt werden. Dabei kannst du ihnen PDF-Dateien, Internetadressen und Artikelidentifikatoren (DOI) für Webseiten beifügen. Den Einträgen ordnest du Stichworte zu, sogenannte "Tags". Die Tags kannst du selbst festlegen oder sie aus den generierten Vorschlägen auswählen. Auf diesen Tags basiert auch die Suche nach abgelegten Zitaten. Tag-Wolken, wie man sie von Suchmaschinen wie quintura kennt, sollen dabei helfen, effektiver auf relevante Ergebnisse zu stoßen.

CitULike hat Optionen, die EndNote und Kollegen nicht bieten. Du kannst gefundene Nachweise mit anderen Nutzern teilen. Dafür organisieren sich die Anwender in Gruppen. Um eine zu große Zahl an Gruppen zu vermeiden, müssen Neugründungen von Webmastern bestätigt werden. Eine "Watch"-Funktion, ähnlich wie die "Live"-Option der Suchmaschine Fireball, zeigt dir nach welchen Tags andere Nutzer gerade suchen. Wenn du über bestimmte Projekte auf dem Laufenden gehalten werden willst, kannst du RSS-Feeds abonnieren. CiteULike eignet sich gut für wissenschaftliche Arbeiten und bietet Zugriff auf über 11.000 Fachzeitschriften. Allerdings orientiert sich das Programm sehr am englischsprachigen Raum. Der Im- und Export von BibTeX- und EndNote-Formaten ist möglich.

BibSonomy und Zotero

BibSonomy

BibSonomy ist ein Social-Bookmarking-Dienst, ähnlich wie "Mr. Wong" oder "Del.icio.us", der auf Projektarbeit von Akademikern ausgerichtet ist. Der Name des in Kassel entwickelten Portals leitet sich von den Worten "Bibliography" und "Folksonomy", dem gemeinsamen Kategorisieren von Inhalten, ab. Die Begriffe ordnen die Nutzer manuell bestimmten Kategorien zu. Dabei werden die Daten im BibTeX-Format gespeichert. Dadurch sind Ex- und Import von Quellendaten aus anderen Programmen und von anderen Anwendern möglich. Bibsonomy ist auch zu JabRef und Del.icio.us kompatibel.

Um die Früchte deiner Recherche-Arbeit zu schützen, kannst du zwischen öffentlichen und privaten Einträgen unterscheiden. Ähnlich wie bei CiteULike weist du deine Funde verschiedenen Gruppen zu. BibSonomy nutzt für die Suche die bekannten Tags. Außerdem lassen sich Firefox-Lesezeichen in die eigene Quellensammlung importieren. Besonders gelungen ist die Unterstützung der Nutzer mittels eines eigenen Blogs.

Zotero

Zotero ist eine Erweiterung des Firefox-Browsers und beherrscht ebenfalls die Erstellung von Bibliografien. Wie alle webbasierten Literaturverwaltungen nutzt das Programm Tags zum Ablegen und Suchen. Sammeln kannst du bibliografische Angaben, aber auch vollständige Textdokumente. Die Quellenangaben lassen sich durch Vorschläge der "intelligenten" Suchfunktion ergänzen.

Mittels eines von vielen Websites verwendeten "Seitenübersetzers" kann Zotero Inhalte erkennen und bestimmte Informationen automatisch filtern. Zum Beispiel lassen sich die bibliografischen Angaben zu einem Buch, das du gerade in einem Bibliothekskatalog gefunden hast, direkt importieren. Schlagwörter, die von einem solchen Open Public Access Catalog (OPAC) genutzt werden, kannst du ebenfalls in die eigene Sammlung übertragen. Zotero-Zitate lassen sich problemlos in Word und ähnlichen Editoren verwenden.

Für die Zukunft ist Großes geplant. Um die Zusammenarbeit der Nutzer zu ermöglichen, soll bald ein eigener Server eingerichtet werden. Über ihn kannst du dann mit anderen Anwendern Sammlungen austauschen und gemeinsam an Projekten arbeiten. RSS-Feeds werden ebenfalls angeboten. Die Fähigkeiten des Archivs scheinen unbegrenzt: Neben Textdokumenten lassen sich Bilder und ganze Websites ablegen.

Hier findest du Zotero & Co. im Internet

CiteULike: www.citeulike.org
 
 BibSonomy: www.bibsonomy.org
 
 Zotero: www.zotero.org

ResearchGate

ResearchGate

Wie gut die Kooperation von Wissenschaftlern im Internet funktionieren kann, zeigt ResearchGate. Die 2007 gegründete Plattform ist bereits ordentlich in Schwung gekommen. Derzeit arbeiten rund 50.000 registrierte Nutzer aus 196 Ländern mit dem Netzwerk. Der Harvard-Absolvent Ijad Madisch ist promovierter Mediziner und Informatiker und entwickelte die Idee zu ResearchGate während seines Studiums in den USA.

ResearchGate präsentiert sich auf den ersten Blick als eine Art Facebook für Nerds. Du kannst dir ein Profil einrichten, auf dem du deine Ausbildung, Arbeitserfahrung und Spezialthemen angibst. So finden sich schnell und einfach Menschen, die sich mit demselben Fachgebiet beschäftigen. Einige Wissenschaftsorganisationen nutzen die Plattform bereits als Kollegen-Netzwerk. ResearchGate will sie dabei mit neuen Funktionen unterstützen: Für die Zukunft sind die Einbettung von "Virtual Conferencing" und eine internationale Jobbörse geplant.

Voll funktionstüchtig sind dagegen bereits die wichtigsten Werkzeuge: Mit Hilfe von "ReStory" schreibst du gemeinsam mit Kollegen an neuen Arbeiten. Statistische Erhebungen und Umfragen kannst du mit "ReVote" erstellen und "ReMeet" hilft dir beim Planen von Konferenzen mit deinen Partnern. Besonders praktisch ist die semantische Suchmaschine. Sie stöbert in über 40.000 bei Researchgate veröffentlichten Dokumenten und rund 30 Millionen Einträgen großer Datenbanken, wie Pubmed oder Citeseer. Dabei vergleicht ein spezieller Algorithmus den eingegeben Text mit den Artikeln der Fachzeitschriften und schlägt dir Texte mit ähnlichen Schwerpunkten vor. Auf diese Weise erhältst du schnell einen Überblick zu bisherigen Arbeiten über dein Thema.

Fazit

Das Angebot an Recherche-Programmen ist vielfältig. Grundsätzlich findet sich für jeden Anspruch eine passende Lösung. Programme wie EndNote und Citavi erleichtern mit ihrer zugänglichen Benutzeroberfläche auch unerfahrenen Anwendern die Arbeit mit einer Literaturverwaltungssoftware. Wer mehr Freiheit in der formalen Gestaltung der Ergebnisse sucht, ist mit Programmen wie JabRef gut bedient. Die längere Einarbeitungszeit wird mit professionellen Layout-Möglichkeiten belohnt. Webbasierte Lösungen wie CiteULike oder Zotero erweitern die eigene Datenbank um das gesammelte Wissen zahlreicher anderer Nutzer. Dafür teilt man allerdings auch die eigenen Ergebnisse mit der Welt.

Die "Neue Welt"

Projekte wie ResearchGate wagen sich weiter hinaus. Sie wollen zugleich Literaturverwaltung, Datenbank, Recherchewerkzeug und Organisationsforum für die heutige Forschung sein. Die Menge an Informationen ist enorm, die damit immer mehr Menschen schneller und einfacher denn je zur Verfügung steht. Auch wenn die global vernetzte Projektarbeit noch sehr jung ist. Im Internet suchen Wissenschaftler damit ihren modernen "Weg nach Indien" - vielleicht entdecken sie ja am Ende wieder eine "Neue Welt".

nach oben

Im e-fellows.net wiki kannst du dein Wissen teilen und von den Erfahrungen anderer Stipendiaten profitieren.

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren