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Lohnt sich der Doktortitel noch?

© Jasmine Coro – unsplash.com

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Plagiatsaffären, Ärzte ohne Titel, kaum Gehaltsvorteile: das Image des Doktors hat gelitten. Für wen er noch sinnvoll ist.

Nirgends wird der Doktortitel so verehrt wie in Österreich. Die Österreicher sind dabei durchaus konsequent: Nach der Revolution haben sie im Jahr 1919 – anders als die Deutschen – sämtliche Adelstitel abgeschafft, auch im Namen wurden geerbte Standesbezeichnungen wie "Graf" und "Freiherr" und "von" gestrichen. Nur selbsterworbene Titel wie der Doktor, den sich die Träger selbst mühsam erarbeiten mussten, haben dort noch ihre Legitimität.

Auch die Deutschen haben den Doktortitel traditionell hoch geschätzt: "Die Doktoritis ist sehr deutsch", spöttelt der Headhunter Jürgen van Zwoll von der Personalberatung Odgers Berndtson. Im Ausland machten sich die wenigsten etwas daraus. Amerikaner kämen überhaupt nicht auf die Idee, das englischsprachige Pendant zum deutschen Doktortitel, den PhD, auf ihre Visitenkarte zu drucken. Tatsächlich ist die Promotionsquote in den meisten anderen Ländern niedriger als in Deutschland. Hierzulande stehe der Titel aber nicht nur als Nachweis dafür, selbständig forschen zu können, sondern auch als ein "Signal für Durchhaltevermögen und Leidensfähigkeit", sagt der Bildungsforscher Kolja Briedies vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Vielen gilt der Doktor noch immer als kleines bildungsbürgerliches Statussymbol. Wobei die Liebe in den vergangenen Jahren gelitten hat: Zu viele prominente Titelträger wurden beim Abschreiben erwischt.

Mit den Plagiatsaffären hat der Doktorhut an Renommee verloren. Manche sagen, zu Unrecht. Denn niemand solle glauben, in den weniger hohen Abschlüssen wie den Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten werde weniger betrogen. Von allen akademischen Abschlüssen ist die Promotion noch immer diejenige, die am meisten der öffentlichen Kontrolle unterliegt. Anders als Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten, die nach der Abgabe meist schnell in den Schränken der Prüfer verschwinden, müssen Doktorarbeiten veröffentlicht werden und unterliegen somit nicht nur der Kontrolle der Prüfer an der Uni, sondern im Nachhinein auf Jahrzehnte noch der Überwachung durch die Schwarmintelligenz der Öffentlichkeit – der mit Abstand wirksamsten Form der Plagiatskontrolle.

Erstaunlich ist: Trotz der zahlreichen Plagiatsaffären ist der Abschluss in Deutschland bei Absolventen noch immer sehr beliebt. Die Zahl der Promotionen ging nach den Plagiatsaffären nicht zurück, sie nahm sogar zu. Im Jahr 2011, dem Jahr in dem der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erwischt wurde, haben laut dem Statistischen Bundesamt in Deutschland knapp 27.000 Menschen einen Doktortitel erworben, fünf Jahre später waren es mehr als 29.000. Dass die Plagiatsaffären dem Titel geschadet haben könnten, lässt sich allenfalls daran ablesen, dass die Zahl der anderen Abschlüsse im selben Zeitraum noch stärker gestiegen ist.

Zunächst ein paar Fakten: Verbreitet ist die Promotion in verschiedenen Fächern sehr unterschiedlich. Besonders häufig promovieren Naturwissenschaftler. Im Jahr 2017 entfielen mit 8.600 bestandenen Prüfungen auf sie die meisten neu erworbenen Doktortitel, unter den frischgebackenen Titelträgern waren rund 2.700 Biologen, 2.300 Chemiker und 1.800 Physiker. Unter Chemikern gilt die Promotion sogar als der normale Abschluss, rund 90 Prozent aller Absolventen promovieren. Auch in der Medizin ist der Doktortitel weit verbreitet, wobei er längst nicht so aufwendig ist wie in anderen Fächern. Rund 7.100 Mediziner erwarben 2017 einen Doktortitel, obwohl ihn heute selbst Oberärzte nicht mehr zwingend brauchen. Es folgen die Ingenieure mit 4.700 Promotionen. Deutlich weniger verbreitet ist der Doktor in den Geisteswissenschaften, die nur rund 2.000 Promotionen im Jahr zählen, noch seltener promovierten Wirtschaftswissenschaftler (1.300) und Juristen (1.200).

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Viele Stipendiaten und Alumni von e-fellows.net promovieren. Du möchtest auch deine Doktorarbeit vorstellen? Schreib eine E-Mail an Magdalena Schneider.

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