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Hoher Preis, unbezahlbare Erfahrungen

Das Weiße Haus ist die Machzentrale der USA [Quelle: Quelle: Pixabay.com, Autor: Olichel]

Quelle: Pixabay.com, Olichel

Trotz leerem Konto hat sich Julia Hornung ihren Traum von einem LL.M.-Studium an der Georgetown University in Washington D.C. erfüllt. Wie sie das mit viel Geduld, Kommunikation und zwei Stipendien geschafft hat, erzählt sie hier.

Nach dem Ersten Examen hieß es für mich: "Ab ins Ausland und endlich wieder mit selbstgewählten Inhalten beschäftigen!" Ohne mir vorab große Gedanken über die Finanzierung zu machen, bewarb ich mich während der Examensvorbereitung an der Georgetown University in Washington D.C. für das LL.M.-Programm "Global Health Law". Es thematisiert die Herausforderungen, die das 21. Jahrhundert und die globalisierte Welt an die nationale und grenzübergreifende Gesundheitsversorgung stellt, die Auswirkungen von Handel, Wirtschaft und technischem Fortschritt auf die medizinische Versorgung und auf die Gesundheit sowie die Rolle der unterschiedlichen staatlichen und privaten Akteure u. a. bei der Bewältigung von Krankheiten und Epidemien.

Nach einem aufwändigen Bewerbungsprozess stand ich schließlich mit Studienplatz, aber auch mit leerem Konto da. Die Fristen der bekannten Stipendiengeber waren seit Langem abgelaufen. Einen Kredit aufzunehmen, kam für mich nicht infrage. So blieb mir nichts anderes übrig, als meinen Studienplatz um ein Jahr zurückzustellen, was sich im Nachhinein als die beste Entscheidung herausstellte. Während der so gewonnenen Monate konnte ich nicht nur arbeiten und Geld für meinen Master sparen, sondern auch Bewerbungen für alle in Betracht kommenden LL.M.-Stipendien abschicken. Ebenfalls begann ich mit meiner Promotion und lotete die Möglichkeiten einer rechtsvergleichenden Betrachtung aus.

Die leidige Frage der Finanzierung

Um in den USA – und insbesondere in der Hauptstadt Washington – studieren und leben zu können, muss man tief in die Tasche greifen. Die Studiengebühren beliefen sich für das akademische Jahr 2013/2014 auf knapp 48.000 Dollar (damals ca. 37.000 Euro), die Lebenshaltungskosten auf gut 2.000 Euro pro Monat, die Reisekosten auf 1.200 Euro und die Kosten für Studienmaterialien auf 400 Euro. Noch nicht eingerechnet sind Anschaffungen für den Alltag wie beispielsweise ein Fahrrad, Möbel für das eigene Zimmer oder andere (Einrichtungs-) Gegenstände (z. B. für die Küche). Bei den Lebenshaltungskosten summieren sich u. a. die Miete (ein Zimmer in der Stadt für unter 1.000 Euro pro Monat zu finden, ist nahezu aussichtslos) und Ausgaben wie für eine vom Vermieter geforderte Hausratsversicherung, den Internet- und Handyvertrag, den öffentlichen Transport, Lebensmittel, die teurer sind als in Deutschland, sowie natürlich Ausgaben für kulturelle oder sportliche Aktivitäten und das Nachtleben.

Ich hatte Glück und bekam ein LL.M.-Stipendium des DAAD zugesprochen (Leistungen: 18.000 Euro Studiengebührenzuschuss, 1.000 Euro monatlicher Lebenshaltungskostenzuschuss, 850 Euro Reisekostenzuschuss sowie die Auslandskrankenversicherung). Zudem bekam ich von der Georgetown University nach Einsendung eines Essays zu einem gesundheitsrechtlichen Thema das sogenannte Global Health Law Scholarship in Höhe von 10.000 Dollar verliehen, das in Form eines Studiengebührenerlasses ausgezahlt wurde. Die restlichen Studiengebühren und die nicht von den Stipendien gedeckten Lebenshaltungskosten bestritt ich mit meinem Ersparten (ca. 10.000 Euro) und Zuschüssen meiner Eltern, meinem großzügigen Stipendiengeber Nummer drei.

Ich würde jedem raten, mit der Fertigstellung der Bewerbung für einen LL.M.-Studienplatz unbedingt gleichzeitig die Bewerbungen für die in Betracht kommenden Stipendiengeber abzuschicken, auch wenn dies sehr zeitaufwändig ist. Zwar verlangen Stiftungen für die Bewerbung den Nachweis der Zulassung zum Studium an der Zieluniversität, jedoch muss dieser noch nicht bei Ablauf der (meist bereits Anfang des Jahres und damit ungünstig liegenden) Bewerbungsfrist vorliegen, sondern kann nachgereicht werden.

Man sollte darauf eingestellt sein, bis zur Abreise in die USA, d. h. also über Monate, eine scheinbar nie kürzer werdende To-do-Liste abarbeiten und auf verschiedensten Kanälen kommunizieren zu müssen (DAAD, Universität, Vermieter hier und in den USA, Auslandskrankenversicherung usw.). Immer wieder gilt es, Fristen einzuhalten. Bei der Georgetown University musste ich mehrmals um Fristverlängerungen bitten, da ich noch auf Dokumente und Stipendienmittel des DAAD wartete.

Wert des LL.M.

Für den ganzen Aufwand und Stress entlohnt das vor einem liegende Jahr großzügig! Das Leben und Studieren in Washington D.C. war für mich eine einmalige und durchweg bereichernde Erfahrung. Ob allerdings das Studium an einer amerikanischen Uni den hohen Preis wert ist, lässt sich nicht leicht beantworten. Für deutsche Jurastudenten ist die amerikanische Lehrmethode (u. a. wegen der wöchentlichen textlastigen Kursvorbereitung) zu Beginn gewöhnungsbedürftig. Lässt man sich allerdings hierauf wie auch auf das Leben und die Menschen in der anderen Stadt ein, fliegt man mit neuem Wissen und neuen Perspektiven zurück. Der spezialisierte LL.M.-Titel hat mir bereits die eine oder andere Tür geöffnet (z. B. Nebentätigkeit in der Kanzlei, Promotionsstipendium, Gutachtenauftrag, Verwaltungsstation im Bundesministerium für Gesundheit).

Ich bin mir allerdings sicher, dass man die wertvollen und vor allem unbezahlbaren persönlichen und akademischen Erfahrungen, die ein LL.M.-Studium mit sich bringt, auch an jedem anderen Ort – ohne oder mit geringeren Studiengebühren und Lebenshaltungskosten – machen kann, denn sie sind keinesfalls ortsgebunden. Wenn das bevorzugte LL.M.-Programm jedoch, wie bei mir, die Wahl des Studienorts vorgibt, sollte man sich nicht scheuen, alle Energie und Mühe aufzuwenden, um sein Vorhaben zu realisieren.

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