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"Definitiv die richtige Wahl"

Die Picadilly Road in London [Quelle: Unsplash.com, Autor: Lachlan Gowen]

Quelle: Unsplash.com, Lachlan Gowen

Das Mutterland des Common Law ist der ideale Ort für einen LL.M., dachte sich Sebastian von Thunen. Wegen des riesigen Kursangebots und des guten Rufs entschied er sich für das King's College.

Wann hast du den LL.M. absolviert?

Nach dem ersten Staatsexamen, vor dem Referendariat.

War der LL.M. für dich die Alternative zur Promotion oder machst du beides?

Ursprünglich war er als Alternative geplant. Kurz vor Beginn des LL.M. habe ich mich entschieden, auch ein Promotionsvorhaben in Angriff zu nehmen. Es kann sinnvoll sein, zum Beispiel eine rechtsvergleichend angelegte Promotion mit dem LL.M. zu kombinieren, da sich vor Ort vielfältige Forschungsmöglichkeiten ergeben. Sowohl der LL.M. als auch die Promotion sind aber – abhängig von der Hochschul-, Fächer- und Themenwahl – regelmäßig sehr zeit- und arbeitsintensiv. Es ist nicht leicht, beidem gleichzeitig gerecht zu werden. Der LL.M. hat gegenüber der Promotion neben dem Sprach- und Erfahrungserwerb definitiv den Vorteil, dass er in einem festen, überschaubaren Zeitraum bei kontinuierlicher Mitarbeit relativ sicher zu erwerben ist. Bei der Promotion ist man viel stärker auf sich gestellt und es hängt vieles von verschiedensten Umständen ab, die nicht vorgegeben sind, die man aber auch nur bedingt selbst beeinflussen kann, wie etwa Rechtsprechungsänderungen oder der Terminkalender des Betreuers.

Was waren die ausschlaggebenden Gründe für deine Entscheidung für das LL.M.-Studium?

Ich hatte schon vor dem ersten Staatsexamen vor, im Ausland zu studieren, das dann aber auf die Zeit nach dem Examen verlegt, weil das Auslandsstudium meiner Meinung nach fachlich gewinnbringender ist, wenn man die eigene Rechtsordnung wenigstens in Grundzügen komplett überblickt und sich damit auch besser im ausländischen Recht zurechtfindet. Abgesehen davon ist der LL.M. eine bei international orientierten Arbeitgebern hoch geschätzte Zusatzqualifikation, deren Erlangen in der Regel ein ernsthaft betriebenes Studium voraussetzt, während dem Erasmus-Jahr, ob berechtigterweise, sei dahingestellt, eher das Urlaubs-Image anhaftet. Für ein Auslandsstudium im angelsächsischen Raum sprach für mich neben dem Wunsch, meinen persönlichen Horizont zu erweitern, in fachlicher Hinsicht die Überlegung, dass es in einer immer näher zusammenrückenden Welt, in der die Rechtsordnungen sich vielfach gegenseitig beeinflussen, zunehmend wichtiger wird, ein grundsätzliches Verständnis fremder Rechtsordnungen zu entwickeln; die Common Law-Rechtsordnungen sind dabei sehr einflussreich und gleichzeitig sehr verschieden von den kontinentaleuropäischen Rechtssystemen. Das macht die Beschäftigung mit dem angelsächsischen Common Law so reizvoll.

Nach welchen Kriterien hast du dir das Studienland ausgesucht?

Großbritannien war meine erste Wahl, zum einen als Mutterland des Common Law-Rechtskreises, zum anderen aufgrund der positiven Erfahrungen mit Land und Leuten, die ich während eines Studienpraktikums in London sammeln durfte. Ich hatte ursprünglich noch die USA als Studienland erwogen, hielt aber die Höhe der Studiengebühren dort für überzogen. Es wird in der Regel sogar eine Gebühr für die bloße Bewerbung an sich verlangt. Abgesehen davon hätte mir dort auch die Historie gefehlt, die in England überall im Alltag und in skurrilen Traditionen spürbar ist. Spanien hätte mich vor allem kulturell ebenfalls gereizt, allerdings sind LL.M.-Programme dort nicht so verbreitet und es gehört ebenfalls dem kontinentalen Rechtskreis an, unterscheidet sich also hinsichtlich seiner Rechtsordnung nicht so grundlegend von Deutschland wie die angelsächsischen Länder.

Nach welchen Kriterien hast du dir die Uni ausgesucht? Gab es Alternativen?

Ich habe mir die LL.M.-Kataloge mehrerer Unis angesehen. Da mehrere Londoner Colleges unter dem Dach der University of London das LL.M.-Programm gemeinsam anbieten, hat man dort die sagenhafte Auswahl unter ca. 140 Kursen. Für das Londoner Programm sprach neben dem guten Ruf diese Vielfalt und für mich persönlich die Möglichkeit, die mich interessierenden Fächer auch belegen zu können. Außerdem reizte es mich, in der Metropole London zu leben. King's hat für Jura einen sehr guten Ruf und ist sowohl räumlich als auch personell eingebettet in den Londoner Legal District, so dass sich leicht ein unmittelbarer Bezug zur englischen Rechtspraxis gewinnen lässt.

Wie zufrieden warst du anschließend mit deiner Wahl?

Sehr zufrieden, mit kleineren Abstrichen. Die englischen Unis können sich gut verkaufen, und King's bildet da keine Ausnahme. Miniseminare mit fünf Teilnehmern, wie in den üblichen Wunderberichten aus dem angelsächsischen Ausland, gab es, aber genauso auch Veranstaltungen mit 80 und mehr Teilnehmern. Die Dozenten waren stets diskussionsfreudig, auch nach und außerhalb der Veranstaltungen. Mit dem Institute of Advanced Legal Studies steht den Londoner LL.M.-Studenten eine sehr gute, wenn auch ästhetisch gewöhnungsbedürftige Bibliothek zur Verfügung. King's war insgesamt definitiv die richtige Wahl, von der sehr guten Qualität der Lehre über die Lage im "Legal District" direkt in der Verlängerung der Fleet Street hin zu dem tollen social life mit sehr netten Kommilitonen aus aller Welt, wöchentlichen Pub-Abenden.

Welche besonderen Herausforderungen hat dein Studienland mit sich gebracht?

Zunächst das völlig andere Rechtssystem. Man muss sich in den Common Law-Fächern darauf einstellen, dass man ins kalte Wasser geworfen wird, sich den Umgang mit dem case law und notwendige Grundprinzipien der englischen Rechtsordnung selbst aneignen muss. Dann London als Großstadt mit erhöhter Geschwindigkeit. Aber das waren wirklich Herausforderungen im positivsten Sinne, die es sich anzunehmen lohnte.

Wie hast du das LL.M.-Studium finanziert?

Teils durch ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes, den anderen Teil haben dankenswerterweise meine Eltern getragen. Einige wenige Kommilitonen hatten auch vor Ort Gelegenheitsjobs, das war aber keine sehr gängige Finanzierungsform und ist jedenfalls kurz vor der Abschlussprüfung überhaupt nicht zu empfehlen. Gelegentlich werden Hilfskraftstellen an der Uni oder an verbundenen Institutionen angeboten.

Wie hoch waren die Lebenshaltungskosten?

Sehr hoch, insbesondere die Miete (ca. 100 GBP pro Woche) und die Kosten für Bus und Bahn. Auch Fast Food bzw. Fertiggerichte im Supermarkt sind teuer. Es lohnt sich deshalb einzukaufen und selbst zu kochen, dann sind die Kosten nur etwas höher als in Deutschland. Das Mensaessen ist nicht zu empfehlen. Essen im Pub kann zum Teil verhältnismäßig günstig sein, es gibt auch kleinere Lokale, in denen das Preisniveau nicht so gravierend vom deutschen abweicht. Das Nachtleben in den einschlägigen Clubs und Bars ist extrem teuer, das begrenzt die Gefahr, die von dem reichhaltigen Angebot für den Studienerfolg potentiell ausgeht, auf natürliche Weise. Fachbücher sind relativ teuer. Andererseits sind die Studiengebühren, jedenfalls für EU-Ausländer, auch niedriger als zum Beispiel in den USA.

Waren der MBA oder andere Postgraduiertenprogramme eine Alternative für dich?

Nein, es gab für mich keine Alternative. Mir kam es in erster Linie auf die Beschäftigung mit der fremden Rechtskultur an, es geht ja auch nicht nur um Titel. Dementsprechend kamen die mittlerweile zahlreichen "deutschen" LL.M.-Programme nicht in Frage. Ansonsten finde ich den MBA auch interessant, nur im Vergleich zum englischen LL.M. völlig überteuert. Auch halte ich einen MBA im Ausland eher für Leute mit wirtschaftswissenschaftlicher Vorbildung für geeignet. Um erstmals WiWi-Kenntnisse zu erwerben, erscheinen mir die zahlreichen deutschen berufsbegleitenden MBA-Angebote passender, allerdings auch eher für Leute, die nicht in klassischen juristischen Berufen arbeiten möchten.

Wie bist du mit der Landessprache und den kulturellen Besonderheiten des Landes klar gekommen?

Problemlos, ich konnte aufbauen auf eine sogenannte fachspezifische Fremdsprachenausbildung an der Uni Bielefeld und meine Erfahrungen während eines Studienpraktikums in London. Ansonsten ist London zwar einerseits sehr englisch, andererseits aber sehr multikulturell, so dass man sich als Ausländer sehr gut integrieren kann. Die pragmatische und unaufdringlich freundliche Art der meisten Engländer finde ich sehr angenehm. An den verhältnismäßig geringeren Lebensstandard, gelegentlich überbordende Bürokratie, endlos verspätete Züge und die Engelsgeduld der Engländer beim Schlangestehen muss man sich etwas gewöhnen. Ich habe versucht, mir ein wenig von der Gelassenheit der Bewohner meines Gastlandes abzuschauen. Die Gewöhnung an das Case Law war anfangs relativ schwer, stellte sich aber mit der Zeit ein. Auch die in England als Prüfungsteil beliebten Essay-questions, eine Aufforderung zum Verfassen von Besinnungsaufsätzen, waren anfangs ungewohnt, haben aber durchaus ihre Berechtigung.

Wie ging es für dich nach dem LL.M. weiter?

Mit Arbeit an der Promotion und dem Referendariat.

Hat sich das LL.M.-Studium in Sachen Karriere gelohnt?

Ja, es ist ja kein Geheimnis, dass die international tätigen großen Kanzleien den angelsächsischen LL.M. überaus schätzen. Ich denke, das gleiche gilt in etwas abgeschwächter Form auch für mittlere Kanzleien oder Organisationen mit internationalem Bezug wie die EU, die UN, das Auswärtiges Amt etc. Auch in sonstigen Positionen, zum Beispiel im Staatsdienst, ist es wohl angesichts der fortschreitenden internationalen Verflechtung und auch im Hinblick auf die Persönlichkeitsbildung jedenfalls nicht von Nachteil, einmal über den Tellerrand geschaut zu haben.

Würdest du dich für dasselbe LL.M.-Studium noch einmal entscheiden?

Ja, definitiv. Das LL.M.-Programm war sehr gut und London ist eine unvergessliche Stadt.

Welche Tipps gibst du zukünftigen LL.M.-Studenten?

Frühzeitig organisieren (ein Jahr Vorlauf) und bei drei bis sechs Unis Bewerbungen streuen. Die englischen Unis kennen die deutschen Notenabstufungen überraschend genau und machen davon ihre Entscheidung abhängig. Man sollte wirklich das ausländische Recht studieren und nicht etwa ausschließlich Europarecht. Bei der Arbeit mit dem Case Law nicht unbedingt alle Originalfälle lesen, sondern in der Vorlesung zuhören und im Lehrbuch und ergänzend im Case Book lesen, was die Fakten und die Kernaussage des jeweiligen Falles sind und sich daran halten. Besser das Wesentliche aus vielen Fällen wissen, als wenige Fälle ganz genau kennen. Sehr gut sind Bücher, die "cases and materials" bieten, also die "lead cases" aufbereitet darstellen und mit Kommentar versehen in eine Ordnung bringen. Von gelegentlicher Weitschweifigkeit, fehlender Definitionswilligkeit, begrifflicher Unschärfe und scheinbar fehlender Systematik keinesfalls abschrecken lassen, sondern die dadurch mögliche Denkfreiheit annehmen. Neben dem Studium vor allem auch Land und Leute näher kennenlernen und die Internationalität des Londoner Programms genießen!

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