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Strafrecht aus schottischer Perspektive

Edinburgh, Altstadt, Gebäude, Brücke [Quelle: pexels.com, Autor: saifullah hafeel]

Quelle: pexels.com, saifullah hafeel

Der Wunsch nach Auszeit und die Sehnsucht nach Auslandserfahrung führten Nicole für den LL.M. an die Edinburgh Law School.

Meinen Entschluss, einen LL.M. zu absolvieren, fasste ich recht kurzfristig nach dem Ersten Staatsexamen. Ich brauchte dringend eine Pause vom eintönigen (Lern-)Alltag und wollte deshalb nicht sofort mit dem Referendariat beginnen. Außerdem wollte ich schon immer ins Ausland, hatte bis dahin jedoch keine Gelegenheit (bzw. immer eine Ausrede) gefunden. Da zu diesem Zeitpunkt die Bewerbungsfristen für das folgende Semester schon längst abgelaufen waren, suchte ich mir für die Übergangszeit einen Job als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Kanzlei.

Von den Schotten Englisch lernen

Für mich kam von vornherein nur das englischsprachige Ausland infrage. Meine Englischkenntnisse stammten noch aus meiner Schulzeit und benötigten dringend eine Auffrischung. Zunächst hatte ich Großbritannien, Irland, die USA und Australien im Blick. Aufgrund der hohen Studiengebühren fielen die beiden letzteren Länder wie der weg, sodass ich mich ausschließlich auf Großbritannien und Irland fokussierte. Bei der Suche nach dem passenden LL.M. legte ich besonderen Wert auf das angebotene Studienprogramm. Als Orientierungspunkt habe ich das Kursangebot des laufenden Jahres herangezogen. Allerdings ist zu beachten, dass Themen und Dozenten wechseln können. Daher empfiehlt sich in jedem Fall eine Nachfrage bei der jeweiligen Universität. Aufgrund meines fachlichen Interesses wählte ich nur strafrechtliche Programme aus. Dadurch reduzierte sich die Anzahl der infrage kommenden Universitäten erheblich, denn nur wenige LL.M.-Programme bieten eine strafrechtliche Ausrichtung an.

Für meine Entscheidung, an die University of Edinburgh zu gehen, waren – neben den Programminhalten – vor allem der gute Ruf der Universität sowie die Attraktivität der Stadt und der Umgebung ausschlaggebend. Auch die Finanzierungskosten spielten eine nicht unwesentliche Rolle.

Vorbereitungszeit

Die Vorbereitungen für den LL.M. begannen bereits ca. zehn Monate vor Programmbeginn. Zuerst bemühte ich mich um die akademischen Referenzschreiben, da diese erfahrungsgemäß etwas Zeit in Anspruch nehmen. Hierzu nahm ich per E-Mail Kontakt zu zwei Professoren auf, bei denen ich im Schwerpunkt Seminare belegt hatte. Nach vier bis sechs Wochen bekam ich die Referenzschreiben ausgehändigt. Als nächstes fertigte ich die Motivationsschreiben an, wofür ich mir viel Zeit nahm. Schließlich eröffnet der kurze Essay die Möglichkeit, bei der Auswahlkommission einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Die weiteren Bewerbungsunterlagen wie Lebenslauf, Abiturzeugnis (in deutscher Sprache), Übersetzung des Zeugnisses des Ersten Staatsexamens und die englischsprachige Studienverlaufsübersicht ("transcript of records") waren schnell herbeigeschafft. 

Länger dauerte hingegen die Vorbereitung auf den Englisch-Test, was sicherlich auch daran lag, dass mein letzter Englisch-Kurs schon Jahre zurücklag. Für den TOEFL-Sprachtest – der damals noch zulässig war – nahm ich an einem Vorbereitungskurs teil, der von meiner Heimatuniversität angeboten wurde. Zusätzlich nutzte ich das offizielle Lehrbuch, das sich als sehr hilfreich erwies. Insbesondere das Erlernen der Prüfungsmethoden ist für das Bestehen der Prüfung und das Erreichen der notwendigen Punktzahl ausschlaggebend.

Im März 2014 ergab sich eine unerwartete Planänderung: Ich stellte mit Erschrecken fest, dass bei einer für mich interessanten Universität die Bewerbung bereits geschlossen war. Aus Angst, dass die Zeit knapp wird, schickte ich meine Bewerbungsunterlagen noch vor Ablegen des Englisch-Tests ab, was meine Chancen aber glücklicher weise nicht schmälerte. Innerhalb eines Monats erhielt ich von allen Universitäten eine positive Rückmeldung in der Form eines sogenannten "conditional offer", das heißt einer Zusage unter Vorbehalt der nachgewiesenen Sprachqualifikation. Den Englisch Test (TOEFL) reichte ich im Mai 2014 nach, woraufhin ich rasch ein "unconditional offer" der University of Edinburgh erhielt. Bis Ende Juni hatte ich Zeit, das Angebot anzunehmen.

Die letzte Hürde bestand in der Wohnungssuche. Von Deutschland aus konnte ich kein WG-Zimmer finden. Über die Website SpareRoom habe ich mich vor Ort mit anderen Master-Studenten zusammengeschlossen, um gemeinsam nach einer passenden Wohnung zu suchen. Zu beachten ist, dass Schottland an Mietswohnungen besondere Anforderungen stellt (insbesondere eine spezielle Lizenz für WGs), was die Zahl der infrage kommenden Wohnungen erheblich einschränkt.

Finanzierung

Die Kosten eines Studiums sind in Schottland im Vergleich zu Deutschland zwar sehr hoch, jedoch zu bewältigen. Die Studiengebühren lagen bei 9.300 Pfund, und auch die Lebenshaltungskosten sind mit monatlich etwa 650 Pfund nicht zu unterschätzen. Die frühe Auseinandersetzung mit finanziellen Fragen lohnt sich, da viele Bewerbungsfristen für Stipendien bereits im Frühjahr, also gut ein halbes Jahr vor Programmbeginn, ablaufen. Neben bekannten deutschen Geldgebern (DAAD, Studienstiftung des deutschen Volkes etc.) bieten auch die Universitäten im Gastland vielfältige Stipendienprogramme an. Glücklicherweise wurde ich für ein Teilstipendium der University of Edinburgh ausgewählt. Den Rest bestritt ich aus eigenen Mitteln und mit einem Bildungskredit der KfW (das maximale Kreditvolumen lag bei 7.200 Euro).

Fazit

Der LL.M. war die ideale Gelegenheit, einen Auslandsaufenthalt mit meinem fachlichen Interesse zu verbinden. Besonders gut hat mir der interdisziplinäre Ansatz der Edinburgh Law School gefallen. Kursteilnehmer und Dozenten kamen aus verschiedenen Fachrichtungen und Kontinenten zusammen, was einen Blick über den juristischen Tellerrand hinaus ermöglichte und die interkulturelle Kompetenz stärkte. Entsprechend waren die Kursinhalte nicht rein juristisch, sondern eine gute Mischung aus Politik, Rechtswissenschaften, Kriminologie und Philosophie.

Wünschenswert wäre zwar gewesen, dass neben dem Verfassen von Essays auch andere Prüfungsformen angeboten werden. Auch der teils starke Fokus auf Gruppenarbeit war aus deutscher Sicht etwas gewöhnungsbedürftig. Insgesamt war ich mit der Wahl des LL.M. aber sehr zufrieden, nicht zuletzt auch wegen des reichhaltigen außeruniversitären Angebots (z.B. Studentenclubs, Sport, Exkursionen, Empfänge und Get-togethers). In persönlicher Hinsicht bin ich reich an Erfahrungen nach Hause gekommen und habe Freundschaften geschlossen, die mich hoffentlich noch sehr lange begleiten werden.

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