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Ein Jahr im Herzen von Legal London

London, Big Ben, Themse, Brücke [Quelle: pexels.com, Autor: Pixabay]

Quelle: pexels.com, Pixabay

Der Master of Laws – am Ende doch nur eine weitere Station im Lebenslauf? Wenn man mit angehenden Juristen über die weitere Ausbildungsplanung spricht, stellt sich für viele die Frage: Doktor oder LL.M.? Was ist förderlicher für die Karriere?

Ich verbrachte im Rahmen meines LL.M.-Programms ab September 2016 ein Jahr am King’s College in London. Dieses Jahr ist mehr als nur ein Absatz im Lebenslauf. Es ist eine unvergessliche Erfahrung, die in vielen Bereichen prägt: persönlich, sprachlich, fachlich, freundschaftlich und interkulturell. Hauptmotivation für ein LL.M.-Studium sollte meiner Meinung nach nicht die Karriereaussicht, sondern vielmehr der Hunger nach etwas Neuem sein. Nur dann kann man den LL.M. in vollen Zügen genießen und voll ausschöpfen.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen – oder anders herum?

Der LL.M. fordert einem viele Entscheidungen ab. Die erste, die ich treffen musste, betraf den Zeitpunkt für den LL.M. Ist es sinnvoll, ihn nach dem Ersten oder nach dem Zweiten Staatsexamen zu machen? In meinem Kopf kreisten immer die gleichen Argumente: Nach dem Ersten Examen ist das Wissen noch frisch, und man hat es ohne Unterbrechung zwischen Erstem und Zweitem Examen im Referendariat leichter; nach dem Zweiten Examen hat man zudem den Kopf frei und sich ein Jahr im Ausland richtig verdient.

Auf der anderen Seite ist eine Pause nach dem Stress des Ersten Examens nicht weniger verdient, und es wird Zeit, aus der Bibliothek herauszukommen und Lebenserfahrung zu sammeln. Ich entschied mich letzten Endes für einen LL.M. direkt im Anschluss an das Erste Examen. Die LL.M.-Programme in Großbritannien beginnen (bis auf wenige Ausnahmen) nur einmal jährlich im September. Daher plante ich meine Examensvorbereitung so, dass ich direkt im Anschluss an meine mündliche Prüfung den LL.M. beginnen konnte.

Bei britischen Universitäten kann man sich bereits mit Schwerpunktnoten oder Teilnoten des Examens (falls man abgeschichtet hat) bewerben. Man muss also das Examenszeugnis bei der Bewerbung noch nicht in der Tasche haben. Ich bewarb mich im April 2016 und erhielt ein "Conditional Offer" für September 2016. Nach meiner mündlichen Examensprüfung Ende Juni geriet ich zwar etwas in Zeitnot, da das Zeugnis beantragt und bis Mitte August übersetzt werden musste, aber es klappte alles "in time".

Im Nachhinein war ich sehr froh über meine Planung. Der LL.M. hat mich keine Wartezeiten gekostet, da er direkt im Anschluss an mein Erstes Examen begann. Außer dem konnte ich mich schon von London aus für einen Referendarplatz in Köln bewerben und dadurch die in NRW mitunter etwas längeren Wartezeiten der Referendare umgehen.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Meine LL.M.-Stadt stand von Anfang an fest: London. Jetzt musste nur noch die passende Uni gefunden werden. Auch diese Entscheidung fiel mir relativ leicht, da das King’s College mit dem Somerset House direkt an der Themse und der Maughan Library im Harry-Potter-Stil den größten Charme versprühte. Als LL.M.-Programm suchte ich mir zuerst zielstrebig International Business Law aus, was Vorlesungen zum internationalem Handelsrecht und zur Schiedsgerichtbarkeit umfasst hätte. Dies schien das richtige Programm für mich zu sein. Dank einer organisatorischen Besondersheit des King’s College wurde ich jedoch eines Besseren belehrt: In der "Shopping Period" können LL.M.-Studenten zwei Wochen lang alle angebotenen Vorlesungen besuchen und sich am Ende bei der Programmwahl nochmals umentscheiden.

Ich schaute mir in der "Shopping Period" Vorlesungen zum internationalen Finanzrecht an und war sofort begeistert. Zwar hatte ich keinerlei Vorwissen über Konsortialkredite, Anleihen oder Derivative, war jedoch fasziniert von der Art und Weise, wie uns der Stoff beigebracht wurde. Dem zuständigen Professor Ravi Tennekoon lag es am Herzen, uns in die praktische Arbeit von Finanzrechtsanwälten einzuführen – eine nette Abwechslung zum eher theorielastigen Ersten Staatsexamen. Dafür wurde uns zunächst das nötige Wissen vermittelt. Dann lernten wir in kleinen Gruppen von 10 bis 20 Studierenden, juristische Gutachten für unsere fiktiven Mandanten zu schreiben. Dies waren Banken, Staaten oder Unternehmen.

Anstelle der wissenschaftlich geprägten Masterarbeit durften wir ein Practice Modul absolvieren, das das Erstellen eines umfassenden Gutachtens beinhaltete. Hier war praxistaugliches, klares und strukturiertes Arbeiten gefordert, was unglaublich viel Spaß machte und zugleich auf den Arbeitsalltag eines Anwaltes vorbereitete. Diese praktischen Erfahrungen wurden durch Gastvorträge von Anwälten großer Londoner Kanzleien perfekt ergänzt, die über den Brexit und dessen Auswirkungen auf den Finanzmarkt referierten. Man war quasi mitten im Geschehen.

Es öffnen sich weitere Türen

Der eigene Horizont erweitert sich im LL.M.-Studium aber nicht nur in akademischer Hinsicht. Ich habe Freunde aus Europa, Asien und Südamerika gefunden. Drei von ihnen, zwei Belgierinnen und einen Kolumbianer, führte ich in die feuchtfröhlichen Tage des Kölner Karnevals ein. Die Karnevalslieder konnten sie zwar nicht mitsingen, dafür erlebten sie aber ein paar unvergessliche Tage als Piraten.

In London sind einige Kanzleien ansässig, die auch in Deutschland Standorte haben, sodass die Möglichkeit besteht, einer Nebentätigkeit nachzugehen. Ich hatte die Gelegenheit, in einer internationalen Wirtschaftskanzlei zu arbeiten und den Londoner Arbeitsalltag hautnah mitzuerleben – inklusive Sandwich am Schreibtisch zum Lunch. Meine Verwaltungsstation habe ich später bei der Europäischen Kommission in Brüssel bei der Generaldirektion FISMA absolviert. Ohne meine Englischkenntnisse, die ich durch den LL.M. erworben habe, hätte ich diese Möglichkeit gewiss nicht bekommen. Hilfreich sind auch die interkulturellen Erfahrungen, die man in einem Studienprogramm mit Studenten aus aller Welt sammelt. Am schönsten ist es jedoch, weltweit Freunde und Bekannte zu haben, die es einem leichter machen, in einer fremden Stadt Fuß zu fassen. Das habe ich in Brüssel bereits erfahren.

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