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Long-Island-Flaschenpost

Teil 4: Brendas Aufenthalt in New York geht mit großen Schritten dem Ende zu. Aber auch in Deutschland wird sie sich an die vielen New Yorker Eigenarten erinnern, von N wie Naschkatzenoase bis Z wie Zahnpasta- sortiment. Als Souvenir nimmt sie 'Treibgut' von Long Island mit.

Wie bereits in meinem letztem Monatsbericht eingeleitet, möchte ich heute meine A-bis-Z-Liste der für mich spannendsten kulturellen Erlebnisse hier in New York fortsetzen - diesmal von N bis Z.
 

N wie Naschkatzenoase. Wen ein kleines Törtchen zu beflügeln vermag, dem sei hier das Paradies verraten: Magnolia Bakery. In diesem Schlaraffenland fernab von Kaloriengedanken stellen sich Mini-Cheesecakes und Cupcakes zur Schau wie kleine Kunstwerke. Ich habe alle Varianten schon getestet. Mein absoluter Liebling: Key Lime Cheesecake (mit einem bemerkenswerten Schlagsahne-Häubchen)!
 

O wie Oper. Die erste Opernerfahrung meines Lebens hatte ich in der Metropolitan Opera: Vor einer traumhaften Szenerie drei Akte dramatischer Gesänge und positive Beseelung meines Abends. Im kleinen Schwarzen, mit geborgtem Opernglas, dem Pausen-Champagner und meiner charmanten Begleitung fühlte ich mich ein wenig wie im Film "Pretty Woman".
 

P wie Parkanlagen. New York bietet auch Rückzugsmöglichkeiten. Im Highline Park oder im Prospekt Park in Brooklyn dominiert grüne Idylle zum "In-Bücher-Versinken". Neben dem Central Park, wo sich herrliche Picknicks anbieten oder eine romantische Kahnfahrt den Sonnenuntergang versüßt, darf der Hudson River Park nicht vergessen werden. Er weckt jedes Mal Erinnerungen an den Pier in San Francisco und ist so komplett anders als der Kern von Manhattan.
 

Q wie Quelle weiblicher Naivität oder weiblichen Wohlbefindens. Alles dreht sich um Beauty. Offen gestanden hatte ich schon oft damit geliebäugelt, einmal einen Spa-und-Beauty-Tag ganz nach Manier der New Yorker Sex-and-the-City-Stilikonen zu erleben. Das gehört irgendwie zu New York. Vor zwei Wochen wurde ich am Union Square auf der Straße von jemandem angesprochen, der Flyer verteilte. Er meinte, dass er "nur" mir für einen Schnäppchenpreis von 40 Dollar ein "mega-exquisites" Beauty-Angebot machen wolle.
 
 Meine Grundhaltung gegenüber solchen Straßenangeboten ist ignorant bis ablehnend. Doch dieser Mann hatte es tatsächlich geschafft, mich zum Kauf zu überreden. Naiv, was? Ja, total! Doch es stellte sich heraus, dass das Glück an diesem Tag auf meiner Seite war: Das komplette zweitägige Angebot in einem superschicken Salon auf der 5th Avenue war kein Fake und das Ergebnis ist ein reservierter Termin für das kommende Wochenende. Jetzt muss ich mich nur noch für eine Frisur und den Massageduft entscheiden!
 

R wie Roof Tops. Der deutsche Vorgarten liegt hier in New York auf wunderschönen, leicht versteckten Dachterrassen. Ich träume oft im Hochblicken, wie schön es da oben wohl sein muss. Bars machen sich diese atemberaubende Atmosphäre zunutze. So wurde mittlerweile die "Roof Top Bar 230" in der 5th Avenue mein Inbegriff für New York. Und ein Gefühl des Traumzuhauses macht sich breit, wenn ich auf "C.K.'s" Upper-East-Side-Dachterassen-Sofas zu einem Glas Weißwein vorbeischauen darf.
 

S wie Steakhouse. New York hat mich meine Liebe für Steaks entdecken lassen. Ein Filet Mignon, "medium rare", begleitet von einer Kartoffelpüree-Sinfonie: Das Essen ist ein Gedicht.
 

T wie Tracy Chapman. Live in New York: Ein (weiterer) Traum geht mit diesem Konzert für mich in Erfüllung. "She's got her ticket. I think she's gonna use it. I think she's going to fly away. [...] Some folks call her a runaway [...] But she knows where her ticket takes her. She will find her place in this world. [...] And she'll fly, fly, fly."
 

U wie United Nations (UN). Da der Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York ist, wollte ich mir die Gelegenheit eines Besuches nicht nehmen lassen. Während der Führung erfuhren wir, dass Deutsch weder zu den Arbeitssprachen noch zu den offiziellen Sprachen gehört - dafür aber zum Beispiel Chinesisch und Arabisch. Entlang langer Flure, an deren Wänden unzählige Plakate und Zeitungsartikel hingen, wurden uns die Ziele der UN nahe gebracht. Mir schnürte es die Kehle zu, als wir Vitrinen passierten, die Landminen ausstellten - im Hintergrund an der Wand: Kinder ohne Beine. Ein paar Meter weiter sahen wir verschmolzene Porzellantassen als Mahnmal für die wohl gigantische, unvorstellbare Kraft der Atombombe in Hiroshima. Es war ein kurzer Rundgang, doch er hat Spuren hinterlassen.
 

V wie Volunteering. Was ich sehr bemerkenswert finde, ist das Engagement der Amerikaner für Freiwilligendienste. Um diese Mentalität ein Stück mitzutragen, meldeten wir Praktikanten uns für "Operation Splash" an. Die Aufgabe bestand darin, angeschwemmten Müll auf kleinen Sumpfinseln von Long Island aufzulesen. Dies war nicht sonderlich anstrengend und auch nicht zeitaufwändig - doch nach vollbrachter Tat fühlt man sich stolz. Stolz auf sich, stolz auf das Team und stolz auf den gigantischen Müllberg, den wir an Land gezogen haben.
 
 Eine kleine Erinnerung wollte ich jedoch nicht recyceln lassen: Ich hatte eine Flaschenpost gefunden. Sie war von einem achtjährigen Mädchen im April 2009 abgeschickt worden, und sie bittet den Finder, ihr Freund zu werden. Es rührt mich sehr, insbesondere wenn ich daran denke, dass es diese Flasche ja irgendwie über Long Island bis nach Deutschland geschafft hat.
 

W wie Worship Service (Gottesdienst). Um einmal in den Genuss eines Gospel-Chors beim Gottesdienst zu kommen,, entschlossen ein paar Freunde und ich uns, unseren Sonntagmorgen in der Canaan Baptist Church of Christ zu beginnen. Diese Kirche ist laut Reiseführer dafür bekannt, ihren Gottesdienst besonders lebendig und voller Dynamik zu gestalten - vor allem durch die Einbindung von Gospelmusik und energiegeladenen Predigten.
 
 Zuerst war ich überwältigt, wie herzlich wir Gäste aufgenommen wurden. Wir sollten aufstehen und wurden freundlich begrüßt. Anschließend standen alle Menschen auf, um aufeinander zuzugehen und sich gegenseitig die Hände zu geben, begleitet von lächelnden "Nice to meet you". Alle waren weiß gekleidet, sodass mir diese heilige Stätte beinahe wie ein Zusammentreffen von einer Schar tanzender, schreiender, singender, stampfender und strahlender Engelwesen erschien.
 

X wie X-Change-Rate. Wie schwach der US-Dollar momentan im Vergleich zum Euro ist, erlebe ich jedes Mal mit Erhalt meiner deutschen Kreditkartenabrechung. Ich bin entzückt davon, als wie günstig sich meine jüngsten Shopping-Touren wieder einmal entpuppten!
 

Y wie Yippie: Fast schon bei Z!
 

Z wie Zahnpasta und Zeit. Wenn ich mein Gefühl vom amerikanischen Lifestyle beschreiben sollte, würde ich wahrscheinlich genau diese zwei Worte wählen: Zahnpasta und Zeit. Zahnpasta versinnbildlicht für mich das Überangebot, dem man hier beim Einkaufen ausgesetzt ist: Mit dem Kauf einer Zahnpasta in einem einfachen Drogeriemarkt habe ich zwei Stunden verbracht. Hunderte Varianten durch verschiedenste Kombinationen von Geschmack, Konsistenz, Aussehen (mit Lametta drin oder Bläschen) und Größe. Keine Spaßlandschaft für Entscheidungsneurotiker!
 
 Zeit steht wohl primär für Zeit ist Geld. Getrieben von der Hektik der Stadt, isst man "To-Go", erhält man die Rechnung im Restaurant, sobald man die Dessertkarte ablehnt, meckert man über den Weg blockierende Touristen. Zeit ist für mich hier aber auch kostbar geworden. Zu schnell verfliegt der Tag, zu kurz war das Wochenende und, zu schnell werde ich wieder im Flieger nach Deutschland sitzen. Dieser Gedanke versetzt einen Stich ins Herz - zu schön ist die Zeit hier!

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