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Praktikum bei Clifford Chance – Spannend wie ein gutes Buch

Was genau ist eigentlich Corporate Finance? War es sinnvoll sich bei einer Sozietät zu bewerben, die laut dem Juve-Handbuch für Wirtschaftskanzleien "ein Maß an Branchen- spezialisierung aufgebaut hat, an das die Konkurrenz nicht heranreicht?" Mir blieb nicht viel Zeit für sorgenschwere Gedanken, ob ich im Kanzleialltag wohl mit meinem Univer- sitätswissen würde mithalten können. Am ersten Praktikumstag fand ich mich schnell mit einem dicken Umschlag in einem kleinen, gemütlichen Büro wieder, das für die nächsten vier Wochen mein sein würde. Der Umschlag enthielt detaillierte Informationen zu allen eventuellen Fragen, die mir zu meinem Praktikum hätten einfallen können.
 

Eine gute Bibliothek hilft beim Sprung ins kalte Wasser
 Die detaillierte Organisation war sehr erfreulich, doch blieb mir nichts anderes übrig, als bei meinem Praktikum inhaltlich ins kalte Wasser zu springen: "Existenzvernichtender Eingriff beim mittelbar faktischen Konzern." Solche Themen wurden im Studium definitiv nicht behandelt. Aber dafür gab es im Düsseldorfer Clifford Chance-Büro eine Bibliothek, von der man als Student nur träumen konnte: kein Gedränge, beste Ausstattung in allen Rechtsgebieten und eine wunderbare Ruhe. Da war es leicht, sich durch die Aufsätze und Urteile zu wühlen, bis sich die Dunkelheit im Kopf schließlich lichtete und draußen die Sonne unterging.
 

Motivation und Betreuung - und Praktika fallen leicht
 Nur äußerst selten hatte ich in den folgenden vier Wochen Zeit, um mich zu langweilen. Bald saß ich an meinem ersten Verschmelzungsvertragsentwurf und lernte die Hintergründe einer Due Diligence kennen. Kein Thema - und war es noch so fremd - schien mir schwer. Lag dies an meiner Begeisterung oder an der umfassenden Betreuung und dem großen Engagement der Associates und Partner, mir die Materie nahe zu bringen? Wahrscheinlich an beidem.
 

Lockerer Umgangston und traumhafter Ausblick
 Etwaige Fragen zur Arbeit, aber auch zur Organisation meines Jura-Studiums, konnte ich jederzeit mit den Anwälten besprechen. Der lockere Umgangston ließ mich anfängliche Hemmungen schnell vergessen und nur äußerst selten stand ich mal vor einer verschlossenen Tür. Immer fand sich Zeit für eine Tasse Kaffee und ein interessantes Gespräch. Zudem schlängelte sich vor dem Fenster meines Büros langsam der Rhein durch die Landschaft, zwischen Büro und Fluss nur die Auen mit einigen wenigen Bäumen. Ein traumhafter Ausblick.
 Vor einigen Jahren bezog die Sozietät Pünder, Volhard, Weber & Axster hier Quartier, bevor sie schließlich gemeinsam mit der britischen Sozietät Clifford Chance und der amerikanischen Kanzlei Rogers & Wells die zu diesem Zeitpunkt größte "law firm" der Welt mit 2.700 Juristen in 29 Büros in 19 Ländern formte. Mittlerweile hat sich die Zahl der Rechtsberater weltweit auf 3.600 erhöht.
 

Wie übersetzt man Juristen-Deutsch ins Englische?
 Etwa zur Halbzeit meines Praktikums nahm ich an der monatlich stattfindenden ReferendarAcademy teil und lernte in einem Crashkurs zwei weitere Abteilungen von Clifford Chance kennen: in meinem Fall "Litigation & Dispute Resolution" sowie "Corporate Commercial". Jeweils ein Partner und ein Associate erklärten mir und den anwesenden Referendaren gut verständlich die Arbeitsfelder und Hauptaufgaben der Abteilungen. Ausgewählte Fälle aus der Praxis rundeten den ersten Teil der Academy ab, bevor es im zweiten Teil in einen "Legal English"-Kurs ging. Dabei lernten wir, wie man die komplizierten deutschen juristischen Fachwörter einem Amerikaner verständlich macht. Anschließend wurde besonders das Reden trainiert - aber alles spielerisch und viel spannender als in der Schule.
 

Ein praxisnahes Gegenmodell zur Uni-Vorlesung
 "Man lernt ein ganzes Leben" - wo einem diese uralte Weisheit nicht überall begegnet. Bei Clifford Chance stand sie etwa ein Mal pro Woche (abgesehen vom normalen Kanzleialltag) auf dem Terminkalender. In einem einstündigen Vortrag mit anschließender Diskussion stellte ein Anwalt eine neue Literaturmeinung oder die jüngste Auffassung des BGH dar. Einige konkrete Fälle dazu - und schon war die Konkurrenz- veranstaltung zur typischen Uni-Vorlesung geboren. Keine theoretischen Grundlagen, dafür umso mehr faszinierende Einblicke in die Praxis.
 

Spannender Lesetipp zum Wirtschaftsrecht
 Für meine morgendlichen Fahrten ins Büro wurde mir "Liar’s Poker", eine der Bibeln des Private Equity und Investment Banking empfohlen. Michael Lewis - selbst lange Jahre Journalist beim Wall Street Journal - beschreibt hier das Leben eines "Junior" Bond und Mortgage Traders, der sich bei Salomon Brothers durch die Repressalien seiner Kollegen kämpft. Besonders interessant an "Liar's Poker" ist, dass es das Leben an der Wall Street in den achtziger Jahren wiedergibt, einer Zeit, in der das Investment Banking eher unterentwickelt war und "Trader" die Könige der Wall Street waren. Wer sich für die (Un-)Tiefen des Wirtschaftsrechts auch nur halbwegs interessiert, dürfte Spaß bei der Lektüre haben.
 

Mein Fazit
 Mit einem angenehmen Essen beim "Italiener um die Ecke" endete mein Praktikum. Mein Mentor, ein Junior Associate, gab mir bei Antipasti und Pizza noch ein paar interessante Ratschläge auf den Weg. Wer weiß, vielleicht gibt es ja in absehbarer Zeit ein Wiedersehen im Rheinpark-Haus mit der "world's premier law firm"?
 

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