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Jenseits von Oxbridge

Wenn man über ein Studium in England nachdenkt, kommen die meisten zuerst auf die zwei englischen Universitäten Oxford und Cambridge. Das ist sicher gerechtfertigt, schließlich gehören diese britischen Eliteuniversitäten auch weltweit zur Spitzengruppe. Doch sie sind nicht die einzigen, die sich in der Bildungslandschaft auf der Insel einen hervorragenden Ruf verschafft haben.

Der Aufwand um ein DAAD Stipendium
 Im Rahmen des Europäischen Exzellenzprogramms fördert der DAAD für den Fachbereich Wirtschaft und Politik Auslandsaufenthalte an der University of Warwick. Nach einer erfolgreichen Bewerbung habe ich die Gelegenheit, im akademischen Jahr 2005/2006 das Studium an dieser jungen Universität kennen zu lernen. Das Bewerbungsverfahren ist recht langwierig. Am besten man informiert sich frühzeitig auf der DAAD Internetseite über die Modalitäten. Es dauert eine Weile bis man alle Unterlagen zusammengestellt hat. Der Aufwand lohnt sich allemal! Der DAAD unterstützt einen nicht nur finanziell, sondern man trifft auch die anderen Stipendiaten und wird auf den Aufenthalt vorbereitet.
 

Die Entstehung der neuen Universität
 Die Idee zur Gründung der University of Warwick entstand kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Das von den Deutschen großflächig bombardierte Coventry sollte eine neue Hochschule bekommen. 1965 kam es zur feierlichen Eröffnung. Dadurch haben viele Gebäude der Universität den typischen Charme der 60er Jahre-Architektur. Es gibt aber auch einige neuere, wie das University House. Neben der Verwaltung kann man dort das Learning Grid finden. Eine permanent geöffnete Einrichtung mit einer Sammlung der wichtigsten Lehrbücher, ausreichend Tischen und Sofas zum gemütlichen Lernen und einer top-aktuellen medialen Ausstattung. Entweder man surft über WLAN mit seinem eigenen Laptop oder nutzt die dortigen PCs. Zudem gibt es zahlreiche Flachbildschirme und Beamer zur Vorbereitung von Präsentation. An deutschen Universitäten nahezu undenkbar.
 

Sport und Kultur auf dem Campus
 Warwick kann als eigener Mikrokosmos betrachteten werden. Als typische Campus-Uni mit 15.000 Studenten verfügt sie neben Studentenwohnheimen und Sporteinrichtungen verschiedenster Disziplinen auch über einen Supermarkt und eine kleine Postfiliale. Fast täglich finden Parties in den Gebäuden der Student’s Union statt. Diese ist insgesamt sehr aktiv. Es gibt unzählige Societies mit akademischer oder freizeitlicher Ausrichtung. Egal ob Kochen, Diskutieren oder Sprachen Lernen, man kann das Angebot kaum überblicken. Dazu kommen noch die Sports Clubs. Hier trifft man sich regelmäßig um körperlich in Form zu bleiben. Ich bin Mitglied im Tischtennisclub. Dabei stelle ich öfters fest, dass Chinesen anscheinend ein Tischtennis-Gen haben. Sie sind kaum zu schlagen. Man kann sich aber auch im Segeln, Klettern oder im Fitnessstudio betätigen. Die Schwimmhalle scheint auch sehr beliebt zu sein und die Laufbahn ist für mich als Leichtathleten sowieso die beste Einrichtung. Kulturell ist das Arts Center der Uni immer auf der Höhe. Es gibt ständig wechselnde Theater und Filmaufführungen. Diese ziehen nicht nur Studenten, sondern auch die Bevölkerung aus Coventry und Umgebung an.
 

Unkomplizierte Kommunikationswege an der Uni
 Akademisch ist die Uni vor allem wegen ihres Personals hervorzuheben. Besonders die Business School verfügt über eine sehr gute Reputation. Das kommt sicherlich auch durch die intensive Forschung an dieser Fakultät. Die Seminare sind angenehm klein und die Dozenten gut erreichbar. So kommt man schnell mit Engländern in Kontakt. Dies ist am Anfang etwas schwierig, da man in der Einführungswoche nur mit internationalen Studenten zusammen ist. Diese perfekt durchorganisierte Einführungsveranstaltung hilft enorm bei ersten Startschwierigkeiten. Verwaltungsangelegenheiten werden geklärt und auf den Feiern lernt man eine Menge Leute kennen. Alle wohnen in diesen vier Tagen gemeinsam auf dem Campus.
 

Wohnen außerhalb des Campus
 Nach der Einführungswoche kommt jeder in seine Unterkunft. In meinem Fall ein typisch englisches Reihenhaus unweit der Uni. Am Anfang besteht die Gefahr, dass man sich verliert, da alle Häuser extrem ähnlich aussehen. Man muss sich im Prinzip um nichts kümmern, wenn man bei der Bewerbung für den Studienplatz angibt, dass man eine Unterkunft organisiert bekommen möchte. Das Haus ist ganz gut ausgestattet und wenn man Glück hat, bekommt man nette Mitbewohner. Bei uns ist die Stimmung sehr gelassen und manchmal gibt es spontane Zusammenkünfte oder auch mal eine Party. Jeder kommt aus einem anderen Land mit dem Vorteil, dass immer Englisch gesprochen wird. Oder man nutzt die Gelegenheit, um eine neue Sprache zu lernen. Studenten, die nur ein halbes Jahr bleiben, wohnen meist auf dem Campus. Dadurch sind natürlich die Wege sehr kurz, man ist aber auch recht isoliert.
 

Sehenswertes: Shakespeare's Geburtsstadt
 In der Region Warwickshire gibt es einiges Sehenswertes. Die Stadt Warwick ist einige Kilometer von Coventry entfernt, diesbezüglich wirkt der Name der Uni etwas irritierend. Für Liebhaber von Burgen und Schlössern ist England sowieso die reinste Fundgrube. Hervorzuheben ist hier die Ruine in Kenilworth und Warwick Castle. Die Umgebung bietet aber nicht nur etwas zum Besichtigen. William Shakespeare’s Geburtsstadt Stratford-Upon-Avon ist auch immer eine Reise wert. Vor allem wenn man in der Royal Shakespeare Company eine der gut inszenierten Theateraufführungen mitverfolgen will.
 

Auf achter Position im Gesamtranking
 Coventry selber ist für Deutsche aus Gründen der Geschichtsauseinandersetzung interessant. Neben der Ruine der alten Kathedrale ist eine neue aufgebaut worden, die man sich sicher einmal ansehen sollte. Trotzdem habe ich bei Engländern bisher keine Ressentiments gegenüber Deutschen feststellen können. Jedoch hat Coventry ein generelles Kriminalitätsproblem. Das sollte man bei der heilen Uni-Welt nicht vergessen. Dies ist ein Nachteil gegenüber den traditionellen Uni-Städten Oxford und Cambridge. Akademisch holt die University of Warwick deutlich auf und ist in manchen Fachbereichen wie Accountancy&Finance oder Economics im Ranking sogar schon vorne.

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