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Studieren in der chilenischen Provinz

das

das "gefährliche" Mosaik

Viele Studenten träumen schon im ersten Semester von einem Auslandsstudium in Australien oder den USA. Ich entschied mich allerdings für Concepción in Chiles Provinz. "Wieso ausgerechnet dorthin? Wieso gehst denn du in die Provinz, wenn du auch in eine Großstadt könntest?", fragten mich meine Kommilitonen vor meiner Abreise im März 2003. Ich konnte die Frage damals nicht wirklich beantworten. Nach mehreren Praktika im europäischen Ausland, wollte ich einfach einmal für längere Zeit in einem Land eines anderen Kontinents leben. Es war der Reiz nach etwas Weitem, nach etwas - bis auf Pinochet, Allende, hohe Berge und guten Wein - eher Unbekanntem. Nach acht Monaten in Concepción, das circa sieben Busstunden südlich von der Hauptstadt Santiago liegt, kann ich sagen, dass ich eine unvergessliche Zeit verbracht habe. Ich hatte die Möglichkeit, an einer guten Universität zu studieren und habe viele nette und interessante Menschen kennen gelernt.
 

Bürokratische Hürden
Die Vorbereitungen für das Studium in Chile waren nicht so einfach, wie ich mir das anfangs erhofft hatte. Zwischen der Universidad de Concepción und der Universität Passau, an der ich studiere, gibt es eine Hochschulpartnerschaft. Somit war der Bewerbungsablauf recht unbürokratisch. Für den Aufenthalt benötigt man jedoch ein Visum, wenn man nicht mit einem Touristenvisum alle 90 Tage das Land verlassen und dann umgehend wieder einreisen möchte. Bei der Antragstellung muss man dann mehrere Dokumente - unter anderem ein polizeiliches Führungszeugnis und ein amtlich beglaubigtes Gesundheitszeugnis - einreichen. Nach einer Bearbeitungsdauer von ungefähr sechs Wochen kann man das Studentenvisum bei der Botschaft in München oder Berlin abholen. Es ist sehr empfehlenswert, rechtzeitig - also mindestens vier Monate vor geplanter Abreise - die Antragsformulare bei der Botschaft anzufordern, um nicht unnötigerweise in Zeitdruck zu geraten.
 

Chilenischer Personalausweis
 Doch die Bürokratie nahm erst in Chile ihren Lauf. Ich musste mich bei der örtlich zuständigen internationalen Polizei registrieren lassen, um dann anschließend bei der Einwohnerbehörde erneut einen Antrag für einen chilenischen Personalausweis für Ausländer zu stellen. Die Behördengänge sind meist von Notarbesuchen begleitet, denn ein unbeglaubigtes Dokument hat in Chile wenig Aussagekraft. Von diesem bürokratischen Dschungel sollte man sich aber nicht abschrecken lassen: Ich kam dabei mit vielen netten und vor allem hilfsbereiten Leuten in Kontakt. Darüber hinaus ist der chilenische Personalausweis auf Reisen und im täglichen Leben von Vorteil, da so der deutsche Reisepass überflüssig wird. Wem das alles jedoch zu stressig erscheint, kann auch problemlos mit einem Touristenvisum einreisen und in Neunzig-Tages-Abschnitten aus- und erneut einreisen. Somit kann man sich dann weitere neunzig Tage im Land aufhalten. Aufgrund Chiles Geographie ist das auch selten mit langen Reisen verbunden, man sollte jedoch auf keinen Fall diese Frist verpassen.
 

Das Studium in Concepción
 Von Jura, Wirtschaftswissenschaften, Naturwissenschaften über alle erdenklichen Magister bis hin zu Meeresbiologie sind an der Universität in Concepción eine Vielzahl von Studiengänge vertreten. Ganz neu für mich war die geringe Studentenanzahl in den Vorlesungen: Mit 15 bis 25 Studierenden schuf das eine perfekte Lernatmosphäre. So fand ich ohne Probleme fachlichen und sozialen Anschluss. Die Organisation des Studiums in Chile unterscheidet sich erheblich vom deutschen System: Es gibt keine langen Semesterferien, sondern nur eine vorlesungsfreie Zeit zwischen Weihnachten und Mitte Februar. Außerdem sind chilenischen Studierenden ausgedehnte klausurenfreie Phasen absolut unbekannt. In jedem Fach werden in Abständen von zwei bis drei Wochen Tests geschrieben, die in die Semesterabschlussnote mit einfließen. Am Semesterende werden die weitaus wichtigeren Abschlussklausuren geschrieben. Die Vorbereitung ist dann aber nicht mehr so aufwendig, da durch die ständigen Tests kein Fach vernachlässigt werden kann.
 

Ewiges Studentendasein durch "Fehltritt"
 Trotz der vielen Prüfungen habe ich selten die Erfahrung gemacht, dass das Studium verkrampft oder verbissen angegangen wird. Somit bleibt genügend Zeit für Sport und um sich auf dem weitläufigen und grünen Campus bei schönem Wetter mit Kommilitonen zu treffen. Man verabredet sich spontan zum Joggen, zu Fußball oder Grillen in der idyllischen Umgebung der Universität. Ein absolutes Tabu ist es, auf das riesige Uni-Mosaik zu treten: Wer drauftritt, so heißt es, wird ewig studieren und niemals einen Abschluss an der Universität machen.
 

Tiefgekühlt im April
 Eigentlich bin ich sehr flexibel und anpassungsfähig, doch das Klima ist für einen Mitteleuropäer, der gerade aus dem hiesigen Winter im Februar nach Concepción reist, äußerst gewöhnungsbedürftig. Bis Ende März war es noch schön warm. Dann aber begann im Süden des Landes die Regenzeit mit Temperaturen zwischen null und fünf Grad. Das hört sich ja eigentlich gar nicht so schlimm an, dachte ich mir, als man mir nach meiner Ankunft die Wetteraussichten mitteilte. Doch aufgrund grundsätzlich mangelnder Heizungen sind die Wohnungen durchweg unangenehm feucht und kühl. Daher dauerte es einige Wochen, bis sich mein biologischer Rhythmus auf einen weiteren Winter eingestellt hatte.
 

Chile – ein Traum für Rucksacktouristen
Chile ist ein tolles Reiseland, besonders wenn man Rucksackreisen mag. Das Bussystem ist perfekt ausgebaut und alle Städte werden meist mehrmals täglich und mit pedantischer Pünktlichkeit angefahren. Das Bahnnetz ist schlecht ausgebaut, denn das Hauptreisemittel ist der Bus. Von der trockenen Atacama-Wüste im Norden über das grüne, landwirtschaftlich nutzbare Mittelchile - zwischen La Serena und Puerto Montt – und die Gletscherregionen bis nach Punta Arenas gibt es in dem 4300 km langem Land viel zu sehen. Fast immer traf ich freundliche und hilfsbereite Menschen, die auch großes Interesse an unserer Kultur zeigten. So entstanden auch auf Reisen Bekanntschaften und Freundschaften, die ich jetzt per E-Mail pflege.
 
 Noch Fragen? Dann schreib eine Mail an Marvin.

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