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Kein Land für Vegetarier: Studieren in Brasilien

Ein Exot in Brasilien
 Als deutscher Student an einer brasilianischen Uni ist man ein echter Exot. Brasilianer sind in der Regel ausgesprochen freundlich, offen und an Ausländern interessiert. Diese Tendenz verstärkt sich in einer kaum von Touristen besuchten Stadt wie Belo Horizonte (Bundesstaat Minas Gerais). In den Pausen zwischen Vorlesungen oder abends in Kneipen sprechen einen die Brasilianer neugierig an. Freundschaften kann man sehr schnell schließen. Was die Menschen dieses spannenden südamerikanischen Landes angeht, habe ich in den vergangenen acht Monaten ausschließlich positive Erfahrungen gemacht.
 

Land der krassen Gegensätze
 Jedoch darf man sich das Leben in einer brasilianischen Großstadt nicht nur exotisch vorstellen. Die Studentinnen laufen hier weder im knappen Bikini herum, noch wird auf den Avenidas täglich bis spät in die Nacht Samba getanzt. Brasilien ist das Land der krassen Gegensätze: In den Großstadtmetropolen konzentriert sich auf engstem Raum himmelschreiende Armut neben spiegelverglasten Bürotürmen.
 Das Leben in der Mittelklasse ist sehr komfortabel: Es spielt sich in einer von der Misere der Favelas und Straßenkinder abgeschotteten Welt ab. Die Strecken zwischen diesen Orten legen viele Brasilianer bei Klimaanlage, hochgekurbeltem Fenster und Zentralverriegelung zurück. Wer die Augen also nicht offen hält, bekommt von den sozialen Problemen und der Exotik dieses Landes gar nicht viel mit.
 

Nichts für Vegetarier
 Die Küche Brasiliens ist einfach köstlich und bunt gemischt. Die einzelnen Beilagen sind alte Bekannte aus der europäischen Küche. Aber die Mischung macht's! Oder hat jemand schon einmal in Deutschland gleichzeitig Reis, Bohnen, Pommes, Blumenkohl, Kürbis, Spiegelei, Tomaten und in Zwiebeln gebratenes Rindfleisch gegessen? Unter die Bohnen mischt man dann noch Zitronensaft und Chilisoße, manchmal sogar Bananen.
 Wirklich unglaublich gut ist das brasilianische Rindfleisch. Auf keinen Fall darf man sich die häufigen Einladungen von Freunden zum "Churrasco" entgehen lassen. Ein solches Grillfest beginnt entspannt mittags gegen elf Uhr im Garten oder auf der Terrasse. Mit Essen, Plaudern, Singen, Tanzen und Biertrinken zieht es sich dann bis spät in die Nacht hin. Und wenn auch anstandshalber irgendwo Teller, Besteck, Gläser und Beilagen angeboten werden, so will man hier doch eigentlich nur eines: Fleisch, Fleisch und Fleisch. Direkt aus dem Feuer genommen und in kleine Stücke geschnitten, schmeckt es am besten direkt aus der Hand. Und das Bier ist aus der eiskalten Dose oder Flasche auch viel erfrischender...
 

Schwierige Forschungsbedingungen
 Forschen in Brasilien ist keine einfache Sache. Die Bibliotheken sind miserabel ausgestattet und es gibt viel weniger Fachliteratur als in Europa oder den USA. Bei Forschungen in Deutschland kann man fast immer auf Veröffentlichungen zu seinem Thema zurückgreifen. In Brasilien dagegen hat man das Gefühl, immer der Erste zu sein, der sich jemals eine bestimmte Frage gestellt hat. Und existiert ausnahmsweise doch Fachliteratur zum Thema, dann ist sie in Bibliotheken oft nicht zu finden. Zum Glück gibt es das Internet. Ich schreibe in Brasilien zurzeit meine politikwissenschaftliche Magisterarbeit und habe etwa 80 Prozent der brasilianischen Literatur aus dem Netz.
 

Die Arbeitswelt sieht anders aus
 Soziale Kontakte sind in Brasilien sehr leicht aufzubauen. Anders ist es im beruflichen Bereich. Bewirbt man sich um ein Praktikum, wartet man oft vergeblich auf eine Antwort. In Bezug auf die Karriere läuft hier viel mehr über persönliche Beziehungen als über die fachliche Qualifikation. Dies gilt auch in bekannten Großkanzleien, wo wirkliche Aufstiegschancen wohl nur für Familienmitglieder bestehen. Außerdem investieren brasilianische Unternehmen traditionell wenig in Forschung und Innovation. Die Zusammenarbeit zwischen Studenten und Unternehmen bei der Anfertigung der Abschlussarbeit oder Promotion ist in Brasilien unbekannt. Wirklich gute Chancen auf ein Praktikum oder einen Job hat man eher bei Industrieunternehmen und als Student der Ingenieurwissenschaften.
 

Auslandsstudium in Brasilien: sehr zu empfehlen
 Trotz dieser kritischen Anmerkungen zu Forschungs- und Praktikumsmöglichkeiten ist Brasilien aber für ein Auslandsstudium sehr zu empfehlen. Die Studiengänge sind in der Regel ausgesprochen gut organisiert. Die Professoren an meiner Universität (PUC-MG) waren immer vorbereitet und haben zum Stoff brauchbare Begleitliteratur zusammengestellt. Empfehlen kann ich auch die von mir gewählte Option, am Ende des Hauptstudiums nach Brasilien zu gehen und dort die Abschlussarbeit zu schreiben.
 

Unter gloger@hotmail.com kannst du Christian eine Mail schreiben.

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Warum Vegeartier? Ganz einfach ein Glaubensbekenntnis

    Mich hat es bei meiner Recherche hierher verschlagen bei der Gelegenheit hinterlasse ich hier noch ein Statment zum vegetariersein auch eben unter schwierigen Umständen lässt sich diese Geisteshaltung einhalten: Mit der Zeit – je länger man Vegetarier ist, desto weniger will man akzeptieren, dass die meisten Fleischkonsumenten oft weniger feinfühlig und tolerant sind als man sich wünschen würde. Es ist am Anfang zunächst der Widerwille Fleisch zu essen, weil wir die Haltung der Tiere einfach nicht “menschenwürdig” haben und die Haltung immer mehr pervertiert. Dazu kommt natürlich der Prozess des Schlachtens ansich. Mit der Zeit wandelt sich die Auffassung immer mehr zu einer echten und tief empfundenen Geisteshaltung. Ich habe das mal versucht in Worte zu fassen und da ein Bild mehr als 1000 Worte sagt, habe ich als Künstlerin versucht das bildlich darzustellen. Die Form des Comcics macht das ganze vielleicht zugänglicher siehe: ++++++++++++ http://www.mausebaeren.com/veggie.html +++++++++++++ Falls man eine Erklärung braucht – und das ist immer wieder nötig, kann man das wohl genauso weitergeben. Also nutzt diesen Link, wenn Euch selbst die Worte fehlen. Viele Grüße, Christine