Partner von:

Im Land der beheizten Gehwege

Trondheim

Trondheim

Für die Universität Oslo habe ich mich entschieden, weil sie mir in meiner Studienrichtung Völkerrecht die meisten Möglichkeiten bietet. Zudem wollte ich noch vor meinem Staatsexamen einen Master of Laws machen – auf Englisch und möglichst kostenlos.
In Norwegen gibt es keine Studiengebühren, lediglich Verwaltungsgebühren. Zudem sind alle Masterprogramme auf Englisch und ein Bachelor genügt für die Aufnahme eines LL.M.-Studiums. Einen TOEFL-Test braucht man auch nicht. Deutsche müssen lediglich sieben Jahre Englisch als erste Fremdsprache vorweisen.

Eigene Arbeitsräume und Kopierer für Studenten

Da die juristische Fakultät der Uni Oslo einen sehr guten Ruf hat und viele Professoren Berater bei den Vereinten Nationen sind, bewerben sich viele Studenten. Aber nur wenige werden zugelassen: So wurden von rund 200 Bewerbern dieses Jahr gerade 13 angenommen.
Man kann sich also vorstellen, dass es geradezu ein Traum ist, in solch einer Runde zu studieren: Wir haben unsere eigenen Arbeitsräume, Computer, Kopierer, Kontaktpersonen und sogar eine vorzügliche Völkerrechtsbibliothek.

Das Wintersemester endet Anfang Dezember

Das Jura-Studium ist generell sehr arbeitsaufwändig und auf sehr hohem Niveau. Selbst wenn von "Einführung" die Rede ist, wird davon ausgegangen, dass man bereits viel weiß. Neben den normalen Vorlesungen müssen regelmäßig Essays geschrieben werden, zudem gibt es Zwischenexamen. Und die richtigen Examen beginnen schon Ende November und dauern sechs Stunden pro Fach. So ist das Semester aufgrund der Dunkelheit und Kälte für die meisten Studenten schon Anfang Dezember zu Ende.
Im Vergleich zu Deutschland ist das Verhältnis zwischen Studenten und Professoren sehr locker, man spricht sich mit dem Vornamen an. Und für deutsche Studenten fast verwirrend ist, dass die Professoren auf einen zukommen und ihre Hilfe anbieten.

Norwegen ist (fast) nur Oslo

In Norwegen leben rund viereinhalb Millionen Menschen. Auch Oslo ist mit einer halben Million Einwohnern für unsere Verhältnisse überschaubar. Dennoch ist so gut wie alles auf Oslo ausgerichtet. Selbst die Medien und die Tageszeitungen sind auf die Hauptstadt fixiert. Das stört manchen Norweger, die dann über die "Snobs" aus der Hauptstadt lästern.

Ein reiches Land mit bescheidenen Einwohnern

Norwegen gehört zu den reichsten Ländern der Erde. Der Grund: Öl. Das Land liegt auf Platz drei der weltweiten Öllieferanten. Offenbar erwirtschaftet Norwegen so viel, dass man kaum noch weiß, wohin mit dem Geld. Denn als bescheidener Deutscher findet man sich in einer Welt wieder, die ihresgleichen sucht: Eine Studentenbude mit Fußboden- heizung, beheizte Gehwege, Ganztagesschulen mit Freizeitprogramm und auf drei Kindergartenkinder kommt eine Betreuungsperson. Auch Kleidungsstücke für 20.000 Euro finden hier ihre Käufer, Wochenendtrips nach London sind die Regel und alle Eingänge sind mit Chipkarten gesichert. Zudem lieben die Norweger ihr Handy und ihren MP3-Player. Ohne sie geht niemand aus dem Haus.
Da die Norweger ein bescheidenes Völkchen sind, wird aber über Geld nicht geredet und man versucht diesbezüglich nicht aufzufallen.

Hohe Preise und norwegische "Luxushühner"

Der extrem hohe Lebensstandard hat für Gaststudenten aber auch unangenehme Folgen: Die Preise für Lebensmittel sind bestimmt drei- bis viermal höher als in Deutschland, besonders Fleisch. Studenten aus dem Ausland sprechen daher von norwegischen "Luxuskühen" und "Luxushühnern".

Kulinarische Spezialität: verfaulter Fisch

Man darf übrigens nicht glauben, dass in Norwegen sonst nur Fisch gegessen wird. Die Norweger sind weltweit Spitzenreiter im Pizzaverzehr. Zudem wird hier schrecklich gern gegrillt, vor allem "pølser", das sind Würstchen. Wenn man Fisch haben will, gibt es ihn aber in allen erdenklichen Variationen: Fischkuchen, Fischpudding, Fischklöpse, Fisch in der Dose oder Tube, Käse mit Fisch, Trockenfisch. Selbst verfaulter Fisch wird gegessen und gilt sogar als Spezialität. Man kann seinen Fisch übrigens auch selbst fangen.
Abgesehen davon trinken die Norweger enorm viel Bier. Dafür dürften die strikten Alkoholregeln verantwortlich sein. Denn Wein und Spirituosen bekommt man in Norwegen nur in von Behörden betriebenen Ausgabestellen.

Norwegen – Land des launenhaften Wetters

Landschaftlich ist Norwegen geprägt von Bergen, die steil aus dem Meer herausragen, Fjorde die tief in das Land einschneiden und von Gletschern, auf denen man auch im Sommer Ski fahren kann. Norwegen hat sage und schreibe 22.000 Kilometer Küste und dank des Golfstroms ist das Meer eisfrei. Der höchste Berg ist der Galdhopiggen mit fast 2.500 Metern – ein Traum für Wanderer und Skifahrer. Doch das Wetter hier scheint unberechenbar. Innerhalb von Minuten kann so dichter Nebel aufkommen, dass man nur noch drei Meter weit sieht. Regen kommt irgendwie immer, wenn man nicht damit rechnet.
Der Sommer ist dafür mit rund 20 Grad recht mild. Selbst oberhalb des Polarkreises: Am Nordkap hatte ich sogar 25 Grad im August. Der Herbst beginnt im September, die Temperatur bewegt sich dann kontinuierlich zwischen zwei und zehn Grad. Der Winter zeigt das Thermometer zwischen null und minus zwanzig Grad. Zwischen Dezember und April herrscht hier eine geschlossene Schneedecke und man kann sich voll und ganz dem Skisport widmen.

Bei Tageslicht zu schlafen ist eine Kunst

Wer Probleme hat, bei Tageslicht schlafen zu müssen, sollte Oslo oder Bergen als Studienort wählen. Im Sommer geht die Sonne in Norwegen bekanntlich nur für ein paar Stunden unter. Und je höher man sich befindet, umso weniger wird es dunkel: In Trondheim gab es im Juli nur eine Stunde Dämmerung – um ein Uhr nachts. Dafür ist es im Winter fast nur dunkel. Dann heißt es, mit Lämpchen von IKEA für zu Stimmung sorgen.

Norwegisch – für Deutsche relativ leicht zu lernen

Norwegisch gilt als eine eher exotische Sprache. Dennoch hatte ich bereits in Deutschland angefangen, Norwegisch zu lernen. Denn dann versteht man auch Schwedisch und Dänisch recht gut – und schlägt drei Fliegen mit einer Klappe. Insgesamt braucht man sich aber wegen der Verständigung keine Sorgen zu machen: Viele Vorlesungen sind auf Englisch und die Norweger sprechen perfektes Englisch. Ich kann aber jedem nur raten, sich an der Uni für einen Norwegischsprachkurs einzuschreiben. Insgesamt ist es für deutsche Studenten nämlich relativ einfach Norwegisch zu lernen, da die Sprache zum germanischen Sprachstamm gehört.
 
Ich hoffe also, ich konnte euch einen kleinen Eindruck vermitteln und Norwegen ein wenig schmackhaft machen. Falls ihr Fragen habt, könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

nach oben

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.