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Ein YouTube-Star beim Big Techday

TNG [Quelle: TNG]

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Einmal im Jahr findet bei TNG der Big Techday (BTD) statt, eine eintägige Konferenz über Themen aus Wissenschaft und Technik, speziell aus der IT. Dieses Jahr entstand dort mit dem über YouTube bekannten Unterhaltungsmathematiker Matt Parker ein spannendes Projekt. Sebastian Stamminger und Daniel Pape von TNG berichten, wie die Zusammenarbeit zustande kam.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Matt Parker?

Sebastian: Christoph, einer unserer Partner, stellte den Kontakt zu Matt Parker her und fragte rum, über was Matt Parker sprechen könnte. Mein Vorschlag war ein Vortrag über die ABC-Vermutung. Ich kritzelte dazu handschriftlich ein Story Book, das per E-Mail an Matt Parker ging, der sich einen Vortrag über die ABC-Vermutung gut vorstellen konnte. Daniel hatte außerdem angeboten, an den Animationen mitzuarbeiten. Also überlegten Daniel und ich, wie wir die Grafiken dazu bauen könnten.

Daniel: Von uns kam die Idee, die Animationssoftware Manim von Matts YouTube-Kollegen Grant Sanderson von 3Blue1Brown zu benutzen. Zuerst haben wir im Hintergrund ein paar Iterationen von Animationen gemacht, um zu sehen, wie man die Inhalte der ABC-Vermutung am besten visuell darstellen kann. Matt war sofort begeistert und hat direkt begonnen, ein Video dazu aufzunehmen. Das war sehr cool.

Könnt ihr uns einen kurzen Überblick geben, was die ABC-Vermutung besagt?

Sebastian: Die ABC-Vermutung bezieht sich auf die einfachste Gleichung, die man sich in der Mathematik überhaupt vorstellen kann, nämlich: a + b = c. Dabei sind a, b und c natürliche Zahlen. Schwierig wird es dann, wenn man sich ansieht, welche Primzahlen in a, b und c vorkommen. Hier vermischt man plötzlich Addition und Multiplikation. Denn Primzahlen gehören zur Multiplikation, während die Gleichung insgesamt eine Summe ist. Und plötzlich stellt sich heraus, dass die Mathematik, beziehungsweise die mathematische Forschung, noch nicht verstanden hat, wie der Zusammenhang zwischen Addition und Multiplikation tatsächlich funktioniert.

Denn wenn man sich die Primzahlen in dieser simplen Gleichung ansieht, erkennt man ein gewisses Muster, allerdings erst am Grenzübergang gegen unendlich. Um zu zeigen, wie dieses Muster aussieht, haben wir unsere Grafiken entwickelt. Matt machte daraus einen Vortrag und ein Video. Die Storyline, die wir uns überlegt hatten, drehte er auf witzige Art und Weise um: Er überraschte seine Zuhörer:innen erst mal mit einer total komplexen Beschreibung der ABC-Vermutung, um dann zu sagen, dass man das Ganze auch einfacher durch schöne Visualisierungen erklären könne, die er dann aus der Tasche zog.

Matt ist im echten Leben genauso charmant und witzig wie in seinen Videos.

Daniel

Die Zusammenarbeit klingt nett und sehr unkompliziert. Wie habt ihr die Arbeit mit Matt Parker empfunden?

Sebastian: Wirklich als sehr unkompliziert. Als seine Zusage kam, unterhielten wir uns eine Stunde lang mit ihm über Zoom. Wir zeigten ihm ein Bild nach dem anderen und Matt rief "Oh, that’s beautiful". Da wussten wir, er findet es gut. Und als Daniel erwähnte, dass er mit einer Werkstudentin an einer Website arbeitet, bei der die User sich an der ABC-Vermutung beteiligen können, war Matt hellauf begeistert und fragte, wie wir uns die Zusammenarbeit mit ihm vorstellten. Wir sagten, wir wären froh über alles, was er daraus machen wolle. Die ursprüngliche Idee war der Vortrag beim Big Techday. Er fand es eine witzige Idee, die ABC-Vermutung dort mit einfließen zu lassen. Aber auch ein Video konnte er sich gut vorstellen. Da dachten wir sofort: Stimmt, ein Video wäre auch total cool! Das war im Grunde die Geburtsstunde des YouTube-Videos, für das Daniel die Animationen machte.

Daniel: Und ich muss sagen, dass Matt ein unglaublich umgänglicher Typ ist. Ich war schon etwas nervös vor der Zoom-Session. Aber ich merkte schnell, dass das nicht notwendig war. Matt ist im echten Leben genauso charmant und witzig wie in seinen Videos.

Sebastian: Und total bescheiden, obwohl er ein YouTube-Star ist. Auch die Kommunikation mit ihm war sehr angenehm. Die Zusammenarbeit war echt eine Freude.

Könnt ihr uns sagen, was der Zweck des Videos war?

Sebastian: Wir wollen die ABC-Vermutung einem breiteren Publikum zugänglich machen.

Daniel: Die Zielgruppe des Projekts ist genau dieselbe wie die von Matt Parker: Menschen, die sich gerne mit Mathematik beschäftigen und die unterhaltsame Art und Weise von Matt schätzen. Und genau da haben wir auch mit unserer Webseite angesetzt. Jetzt können alle, die das Video gesehen haben, auf der Website vorbeischauen und sich an der Suche nach Ausnahmen zur ABC-Vermutung beteiligen.

Was hatte TNG dabei Matt Parker zu bieten?

Daniel: Zum einen Expertise in der Softwareentwicklung. Wir haben diese Website gebaut. Zum anderen natürlich das mathematische Hintergrundwissen. Da kommt Sebastian ins Spiel, der genau in diesem Teilbereich der Mathematik promoviert hat. Dadurch, dass TNG außerdem ein Unternehmen ist, in dem die Mitarbeiter:innen verschiedene wissenschaftliche Hintergründe mitbringen, können wir auch ein komplexes Problem so verständlich erklären, dass jemand anderes das in einem Video lustig rüberbringen kann.

Wird es Folgeprojekte mit Matt Parker geben?

Sebastian: Am Abend vor dem Big Techday saßen wir mit Matt am Tisch und ich erzählte ihm von weiteren Ideen zu elliptischen Kurven aus meiner Doktorarbeitszeit. Anfangs hatte er Bedenken, weil elliptische Kurven zu viel Vorwissen erforderten, aber ich hatte ein paar Videos auf meinem Handy, die ihm sofort gefielen. Eine erneute Zusammenarbeit wäre auf jeden Fall eine schöne Sache.

Gibt es noch etwas, das ihr zur Zusammenarbeit oder dem Projekt noch erzählen möchtet?

Sebastian: Gerne würde ich noch kurz berichten, wie es dazu kam, dass ich beim Big Techday ungeplant auf der Bühne stand: Beim Speaker-Dinner am Abend zuvor fragte mich Matt, ob ich mit ihm auf die Bühne kommen wolle. Wir vereinbarten, dass ich den Teil übernehme, bei dem die Visualisierung vorgestellt wird. Die Folien dazu wollte er mir beim Technik-Check am nächsten Morgen zeigen. Da der Adapter für den Beamer aber nicht funktionierte, hatten wir dafür keine Zeit mehr. Zum Glück war ein anderer Vortrag vor uns dran und er konnte mir zumindest noch beschreiben, welche Folien er zeigen wird. Gesehen hatte ich sie allerdings noch nie. Ich stand also auf der Bühne und sah, ebenso wie das Publikum, die Folien zum ersten Mal und erzählte freestyle dazu. Aber es war sehr lustig.

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