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Deutsche Bank hofft auf mehr Geschäft

Frau am Bürotisch [Quelle: pexels.com, Autor: Andrea Piacquadio]

Quelle: pexels.com, Andrea Piacquadio

Das günstigere Moody’s-Rating bietet Chancen für das Investmentbanking und andere Banksparten, sagt Finanzvorstand James von Moltke im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Lange entwickelten sich Bonitätsnoten der Deutschen Bank nur in eine Richtung: nach unten. Nun hat Moody’s als erste internationale Ratingagentur die Fortschritte des Instituts bei seinem Sanierungskurs honoriert: Sie hob das Rating der Bank am Mittwoch von "A3" auf "A2" an. Da Moody’s den Ausblick für das Rating weiterhin als positiv einstuft, kann das Institut außerdem auf weitere Verbesserungen hoffen.

Für Finanzvorstand James von Moltke zeigt die Entscheidung von Moody’s, "dass die Strategie richtig, vor allem aber deren Umsetzung entscheidend ist". "Wir versprechen uns von der Heraufstufung aber auch konkrete positive Effekte", sagte der Deutsche-Bank-Manager im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Für die Deutsche Bank ist das Rating mehr als nur eine Imagefrage: Die Bonitätsnoten großer Ratingagenturen wie Moody’s, Standard & Poor’s (S&P) oder Fitch spielen vor allem im Kapitalmarktgeschäft eine wichtige Rolle für Banken: Von ihnen hängt ab, ob und wie viel Geschäft große Unternehmen und institutionelle Investoren mit einem Geldhaus abschließen dürfen. Sie beeinflussen auch die Refinanzierungskonditionen einer Bank und damit die Frage, wie wettbewerbsfähig die Angebote eines Instituts sein können.

"Natürlich können wir uns dank der Hochstufung der langfristigen und der kurzfristigen Ratings zu wettbewerbsfähigeren Konditionen refinanzieren", bestätigte von Moltke. Auch für die Ertragschancen sieht er positive Effekte: "Wir rechnen damit, dass sich bestehende Kunden wohler mit dem Rating fühlen und deshalb künftig mehr Geschäft mit uns machen können und dass potenziellen Kunden jetzt der Wechsel leichter fällt", sagte er.

Erste Verbesserung seit Langem

Rückenwind für die Erträge erhofft er sich nicht allein im Investmentbanking. Es gebe eine Reihe von Geschäftsbereichen, in denen die Kunden stark auf die Ratings achten würden: "Unser Kapitalmarktgeschäft wird davon profitieren, aber auch im Cash Management, im Unternehmensgeschäft und im Wealth Management erhoffen wir uns positive Auswirkungen", sagte der Finanzvorstand.

Im Kapitalmarktgeschäft könnten die Kunden ihr Geschäftsvolumen mit der Bank am schnellsten anpassen, mittelfristig helfe das bessere Rating aber auch in den beiden anderen Bereichen. Der Manager wollte sich nicht festlegen, ob der Ratingeffekt stark genug ist, um den Ausblick des Instituts für das Gesamtjahr anzuheben.

"So genau kann ich das nicht quantifizieren", sagte er. Bereits in den vergangenen Quartalen hätten viele Kunden mehr Geschäft mit der Bank gemacht. "Die Hochstufung ist hilfreich, weil sie diesen Trend nun verstärkt – und uns damit hilft, unsere Ziele zu erreichen", zeigte sich von Moltke überzeugt. Das größte ökonomische Risiko bleibt aus seiner Sicht die Coronakrise. "Die wirtschaftliche Lage ist noch immer durch die Pandemie geprägt, die in dieser Form historisch einzigartig ist", sagte er.

Entsprechend schwer sei es, die ökonomische Entwicklung vorherzusagen. "Diese Ungewissheit ist für uns und andere Banken weiter das größte Risiko, und wir müssen nach wie vor sehr vorsichtig navigieren." Die bessere Moody’s-Note ist die erste positive Ratingveränderung für die Bank seit langer Zeit: Zuletzt hatte Standard & Poor’s (S&P) das Rating der Bank im März 2017 um eine Stufe verbessert, nur um es ein knappes Jahr später wieder abzusenken. Die letzte Hochstufung durch Moody’s liegt sogar noch länger zurück: Sie stammt aus dem Jahr 2007. Moody’s beurteilt die Deutsche Bank nun um zwei bis drei Ratingstufen positiver, als es seine Wettbewerber tun.

"Wir arbeiten natürlich daran, unsere Bonitätsbewertungen weiter zu verbessern", versprach von Moltke. Er freue sich aber, dass Moody’s den Ausblick für das Rating auch nach der gerade erfolgten Heraufstufung auf "positiv" belassen hatte. "Das spricht dafür, dass die Hochstufung ein erster Schritt war und nicht der letzte", sagte er. Ein gnädigeres Urteil durch weitere Ratingagenturen würden der Bank aus seiner Sicht "auf jeden Fall helfen". "Natürlich schauen einige unserer Kunden und wir selbst auch darauf, ob jetzt Standard & Poor’s nachzieht", räumte der Finanzvorstand ein.

Bislang haben S&P oder Fitch Ratings nur einen positiven Ausblick für die Ratings vergeben, prüfen aber noch nicht konkret eine Heraufstufung. Moody’s hatte seine für die Bank positive Entscheidung unter anderem damit begründet, dass das Institut "substanzielle Fortschritte" dabei gemacht habe, "die Kosten zu senken, die Ertragsbasis zu verfestigen und das unterliegende Gewinnpotenzial zu steigern". "Die Deutsche Bank wird ihre Renditen aller Voraussicht nach substanziell und nachhaltig verbessern", schreibt die Ratingagentur in ihrer Analyse.

Moody’s sieht positive Entwicklung

Die Profitabilität des Instituts bezeichnete Moody’s allerdings als "im Vergleich zu anderen globalen Investmentbanken nach wie vor bescheiden". In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hatte die Bank eine Nachsteuerrendite von 6,5 Prozent erzielt. Doch Moody’s blickt nach vorn: Die Ertragsschwierigkeiten im Privat- und Firmenkundengeschäft der Bank würden abklingen, da der Margendruck, der aus den ultraniedrigen Zinsen resultiere, allmählich nachlasse.

Im Investmentbanking würden die Erträge von wiedergewonnenen Marktanteilen profitieren. Damit folgt Moody’s der Argumentation der Deutschen Bank: So hatte das Institut zuletzt immer wieder hervorgehoben, dass der Gegenwind durch das Zinsumfeld im Firmenkundengeschäft bis nächstes Jahr fast vollständig abflauen und sich in der Privatkundensparte bis dahin um die Hälfte abschwächen wird. Beide Geschäftsbereiche belasten Kundeneinlagen zunehmend mit Negativzinsen, indem sie die Freigrenzen mehr und mehr absenken.

Wir rechnen damit, dass sich bestehende Kunden wohler mit dem Rating fühlen und deshalb künftig mehr Geschäft mit uns machen können.

James von Moltke Finanzvorstand Deutsche Bank

Bislang dominieren aber die Gewinne der Investmentbank und der Vermögensverwaltungssparte das Zahlenwerk des Instituts. Im ersten Halbjahr fiel der Vorsteuergewinn der Kapitalmarktsparte mehr als doppelt so hoch aus wie das, was das Firmen- und Privatkundengeschäft sowie die Vermögensverwaltungssparte dazu beitrugen. Von Moltke betonte gleichwohl, dass für die Erfolge der Transformation "längst nicht nur das gute Abschneiden unserer Investmentbank verantwortlich" sei. Alle vier Kerngeschäftsbereiche hätten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ihre Profitabilität steigern können und lägen im Plan. Das gelte auch für die Abbaubank Capital Release Unit.

Kostenziel? Kein Thema

Dass sich die Bank von ihrem absoluten Kostenziel von 16,7 Milliarden Euro bis Ende 2022 mit Vorlage des Halbjahresergebnisses verabschiedet hat, irritierte dem Manager zufolge weder Ratingagenturen noch große Investoren: "Sowohl die Ratingagenturen als auch viele Investoren hatten mit dieser Anpassung gerechnet – als einen natürlichen und richtigen Schritt in dieser Phase der Transformation", sagte er. Die Bank hatte ihr absolutes Kostenziel aufgegeben, weil die Beiträge zur Einlagensicherung wegen der Pleite der Greensill Bank steigen.

Außerdem hatte die Bank darauf gesetzt, dass die Beiträge zum EU-Abwicklungsfonds sinken werden – was sie nicht tun. Am Effizienzziel, die Aufwands-Ertrags-Relation bis Ende 2022 auf 70 Prozent zu senken, hält das Institut fest. Der Finanzvorstand verteidigte diesen Schritt der Bank: "Wir sind einfach an einem Punkt, an dem es falsch wäre, unsere Wachstumsmöglichkeiten durch das strikte Festhalten an einem absoluten Kostenziel zu beschränken – zumal dann, wenn wir es mit externen Kostenfaktoren wie höheren Bankenabgaben zu tun haben."

Wichtiger als die Kostenziele scheint Moody’s das Thema Nachhaltigkeit gewesen zu sein. Die Ratingagentur hob den "geschärften Fokus" der Bank auf diesem Gebiet hervor. Für das Rating sei das positiv, weil es organisatorische Veränderungen beschleunige und die Bank in die Lage versetze, künftige Risiken aus diesem Bereich besser zu managen und abzumildern. Aus Sicht von Moody’s ist das deshalb wichtig, weil die Ratingagentur mit schärferen Vorschriften in diesem Bereich für Banken rechnet.

Die Deutsche Bank hatte sich zum Ziel gesetzt, bis 2023 ein Volumen von 200 Milliarden Euro an nachhaltigen Finanzierungen zu erreichen. Davon sollen 105 Milliarden Euro aus der Investmentbank stammen, 86 Milliarden Euro aus der Privatkundensparte sowie 30 Milliarden Euro aus der Unternehmensbank. "Die Zuwächse sind über alle Geschäftsbereiche hinweg immens – wir haben heute schon mehr als die Hälfte unserer Volumenziele bis Ende 2023 erreicht", betonte von Moltke.

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