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Bertelsmann zeigt Muskeln

Thomas Rabe [© Bertelsmann, Fotograf: Sebastian Pfütze]

© Bertelsmann, Fotograf: Sebastian Pfütze

Thomas Rabe bleibt bis 2026 Chef des Medienkonzerns Bertelsmann. Er will den Wettbewerb mit Amazon und Co. aufnehmen. Ein weiterer Erfolg mit Präsidenten-Memoiren wird jedoch schwierig. 

Thomas Rabe bleibt weitere fünf Jahre Vorstandschef des Medien- und Dienstleistungskonzerns Bertelsmann. Der Aufsichtsrat verlängerte am Donnerstag den Ende 2021 auslaufenden Vertrag um weitere fünf Jahre bis 2026. Aufsichtsratschef Christoph Mohn sagte am Donnerstag, mit der Verlängerung des Vertrags vertraue der Aufsichtsrat Rabe die Führung des Unternehmens mit seinen mehr als 120 000 Mitarbeitern weiter "in einer Zeit immer schnellerer Veränderungen an." Der 55 Jahre alte, in Luxemburg geborene Rabe ist seit 2012 Vorstandschef und geht damit Anfang 2022 in seine dritte Amtszeit. Seit April 2019 führt Rabe in Personalunion auch die zum Konzern gehörende Sendergruppe RTL.

Für seine dritte Amtszeit hat sich der ehrgeizige Bertelsmann-Chef Großes vorgenommen. "Wir werden in den nächsten Jahren die technische Transformation, also die Digitalisierung, stark vorantreiben", sagte er im Gespräch mit der F.A.Z. Zudem soll Bertelsmann nach seinen Plänen "beim Wachstum noch einmal deutlich zulegen". Dabei setzt der Konzern auf zwei Schwerpunkte: Während Bertelsmann international mit seinen Inhaltegeschäften wie Büchern, Musik und Medienproduktionen wachsen soll, will Rabe bei den nationalen Mediengeschäften in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden "nationale Champions" schaffen und so den globalen Internetplattformen etwas entgegensetzen.

Bei den Mediengeschäften wie den Streamingdiensten gehören die Plattformen wie Netflix oder Amazon zu den schärfsten Konkurrenten der Gütersloher Mediengruppe. Mit Videodiensten wie TVNow baut RTL im Wettbewerb seit einiger Zeit schon eigene Plattformen auf. "Das werden wir auf den lokalen Märkten in den nächsten Jahren verstärken", kündigte Rabe an. "Da stehen wir mit den globalen Plattformen in scharfem Wettbewerb um Reichweiten." Bertelsmann sei aber gut aufgestellt und werde "bei TV und Medien stark konsolidieren und mit lokalen Inhalten versuchen, auf unseren wichtigen Märkten die Nummer eins zu werden". Anders sieht es mit Inhalteproduzenten wie der größten Buchverlagskette der Welt, Penguin Random House, der Musiksparte BMG oder der Filmproduktionsgruppe Fremantle aus. Für die sind die großen Digitalplattformen Partner, die die Bertelsmann-Inhalte vertreiben – Amazon zum Beispiel für Bücher. "Es gibt keinen Grund, da eigene Plattformen aufzubauen", sagte Rabe. Für die Dienstleistungstochter von Bertelsmann, Arvato, sind die großen Plattformen sogar wichtige Kunden – Arvato sei "gerade deswegen in den letzten Jahren stark gewachsen", sagte Rabe.

Rabe arbeitet seit 2000 für Bertelsmann. Bei der RTL Group fing Rabe als Finanzvorstand an, übernahm im Jahr 2006 dieses Amt im Konzern und leitete bis 2008 die Musiktochtergesellschaft. Als Bertelsmann-Chef hat Rabe die Digitalisierung der Geschäfte in den vergangenen Jahren vorangetrieben. Gleichzeitig hat er mit der kompletten Übernahme der Verlagsgruppe Penguin Random House, die 2020 durch die Übernahme der amerikanischen Verlagsgruppe Simon & Schuster noch größer wurde, das Kerngeschäft gestärkt. Aufsichtsratschef Mohn nannte den – wie er sagte – globalen Ausbau des für Bertelsmann identitätsstiftenden Buchverlagsgeschäftes in den ersten zehn Jahren Rabes als Vorstandschef einen "Meilenstein". "Mehr als 185 Jahre nach der Gründung des kleinen protestantischen Buchverlags C. Bertelsmann ist das eine Leistung, auf die wir sehr stolz sind", sagte Mohn in einem im Bertelsmann-Intranet verbreiteten Interview.

Rabe hat durchgesetzt, dass die Geschäfte der Gruppe stärker miteinander verzahnt werden. So will er zum Beispiel über eine "Content alliance" Musik, Buch, Zeitschriften stärker miteinander verbinden – ein bei BMG populärer Musiker könnte dann zum Beispiel in den Zeitschriften des Unternehmens auftauchen, seine Memoiren in einem Buch von Penguin Random House veröffentlichen. "Aufbau, Akquisitionen, Allianzen" ist ein internes Papier über die ersten zehn Jahre von Rabe an der Spitze des Unternehmens überschrieben. Ein Lieblingsprojekt Rabes war in den vergangenen Jahren der Aufbau eines Bildungsgeschäfts, für das Bertelsmann 2014 beim amerikanischen Online-Bildungsanbieter Udacity eingestiegen ist. Udacity bietet praxisnahe Kurse etwa für Cloud Computing, Datenanalyse, Künstliche Intelligenz und Robotik an.

Der Marathonläufer Rabe hat den Umbau Bertelsmanns 2012 mit einem Marathon verglichen. Er persönlich sei schon sechs Marathons gelaufen, berichtet er. "Bei der Transformation von Bertelsmann haben wir in den letzten Jahren mit Sicherheit schon drei oder vier Marathonläufe geschafft", sagte er. "Wir sind also gut im Training." 2020 ist nach Angaben Rabes für Bertelsmann trotz der Corona-Pandemie besser gelaufen als erwartet. Die Zahlen stellt der Konzern im März vor. Insgesamt habe die breite Aufstellung des Konzerns geholfen, die negativen Folgen der Corona-Krise abzufedern. Die Dienstleistungstochter Arvato und der Buchverlag Penguin Random House hätten sich sogar "phantastisch entwickelt". Weltweit hat die CoronaPandemie dem Konzernchef deswegen nicht nur Sorgen bereitet. "Die Menschen wollen unterhalten werden", sagte er. Dabei spielten die Medienprodukte eine Rolle, und auch der Bereich E-Commerce sei in den vergangenen Monaten massiv gewachsen. "Da ist Bertelsmann pandemieresistent", sagt Rabe.

Vor allem die Memoiren des früheren amerikanischen Präsidenten Barack Obama und seiner Ehefrau Michelle haben sich für das Unternehmen als Millionen-Bestseller erwiesen. Er bezeichnete es für Bertelsmann als wichtig, gesellschaftspolitische Verantwortung zu übernehmen. "Das leben wir und natürlich unsere Gesellschafter, die Bertelsmann-Stiftung und die Familie Mohn", sagte Rabe. Es sei eine wichtige Debatte, welche Verantwortung Plattformen für politische Inhalte übernehmen. "Ob ein Verlag aber zum Beispiel die Memoiren von Donald Trump veröffentlicht, das entscheiden bei uns die Verlage", sagte er. "Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Trump in dem Fall zuerst an uns denken würde." Bertelsmann hat 2019 rund 18 Milliarden Euro umgesetzt. Zum Konzernverbund gehören neben Penguin Random House (Bücher) unter anderem die Fernsehgruppe RTL Group, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, das Musikunternehmen BMG und der Dienstleister Arvato. Den größten Anteil der Umsätze steuert im Konzern RTL bei, gefolgt von Arvato. Eigentümer von Bertelsmann sind zum Großteil Stiftungen, darunter die Bertelsmann-Stiftung. Die Familie Mohn hält die restlichen Anteile von knapp 20 Prozent.

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