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Warum Aylin Somersan Vorbild wider Willen ist

Aylin S. [Quelle: Allianz]

Quelle: Allianz

Aylin Somersan ist die neue Personalchefin der Allianz Deutschland. Ihre Karriere könnte eine Blaupause für jede Nachwuchsmanagerin sein. Doch sie sieht das anders.

In den deutschen Vorstandsetagen sind die Frauen auf dem Vormarsch. Im vergangenen Herbst holte der Traditionskonzern Thyssen-Krupp mit Martina Merz erstmals eine Managerin an die Konzernspitze, zwei Wochen später folgte Jennifer Morgan als Ko-Vorstandsvorsitzende von SAP. Die Amerikanerin ist zudem die erste Frau auf dem Chefsessel eines Dax-Konzerns. Seitdem im Jahr 2016 die gesetzliche Frauenquote für Aufsichtsräte eingeführt wurde, werden auch die Vorstandsetagen weiblicher. Und glaubt man dem "Gender Diversity Index" der Boston Consulting Group, dann nimmt auch die Vielfalt in der deutschen Spitzenwirtschaft zu.

Kaum eine Managerin könnte diese Entwicklung besser verkörpern als Aylin Somersan Coqui. Die neue Personalchefin der Allianz Deutschland ist in der Türkei geboren, ging zum Studium nach Amerika, heuerte bei der Investmentbank Morgan Stanley in New York an und wechselte dann zur Allianz. Dass sie bei dem deutschen Versicherungsriesen inzwischen auch im Top-Management etliche Kolleginnen hat, schreibt sie nicht allein der Sogwirkung der gesetzlichen Frauenquote zu. "Wir sind ambitionierter. In der Allianz Deutschland sind von acht Vorständen drei weiblich. Wichtiger als das Gesetz war bei uns schon vor mehr als zehn Jahren das klare Bekenntnis des Konzernvorstands zu Frauenförderung und Diversity", sagt Somersan im Gespräch mit der F.A.Z.

Heraus aus der Komfortzone

Tatsächlich hatte schon der Vorgänger von Allianz-Chef Oliver Bäte, Michael Diekmann, vor zehn Jahren mit Helga Jung erstmals eine Frau in den Konzernvorstand geholt. Somersan, gerade aus Amerika gekommen, leitete damals Diekmanns Büro. Seit vergangenem April ist die 43 Jahre alte Managerin selbst im Vorstand der Allianz Deutschland, der bedeutendsten Konzerngesellschaft. Auf den Hierarchieebenen darunter beträgt der Frauenanteil 20 und 32 Prozent. Als Mutter von zwei Kindern weiß Somersan, wie schwierig es sein kann, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. Ihr selbst ist es gelungen. Mit Fleiß und Disziplin – und offenkundig dem Willen zur Veränderung.

In Bursa aufgewachsen, will sie nach dem Internat in Istanbul unbedingt im Ausland studieren. Ihr Vater knüpft den Wunsch an die Aussicht auf ein Stipendium, das sie dann auch tatsächlich bekommt. Somersan geht nach Amerika. Der Anfang ist gemacht. Sie selbst spricht vom "Sprung ins kalte Wasser", dem noch etliche folgen. Am Davidson College in North Carolina lernt sie deutsch, und verbringt ein Auslandssemester in Würzburg.

Für die Allianz geht sie im Jahr 2013 in ihr Heimatland, wird erst Finanzvorstand der Allianz Türkei, im Jahr 2015 Vorstandsvorsitzende der Landesgesellschaft. Allianz-Chef Bäte holt sie zurück nach München, in sein 30 Personen großes "Renewal-Agenda-Team", im April 2019 wird sie Personalvorstand. Ihre Karriere kennt nur eine Richtung: nach oben. Zur Nachahmung empfohlen? "Mein Rat an eine junge Frau: 'Geh raus aus Deiner Komfortzone'", sagt sie.

Mitarbeitersuche statt Stellenabbau

Die Nachwuchsförderung ist bei weitem nicht ihr einziges Thema. Die Digitalstrategie der Allianz lässt nichts wie es war in dem im Jahr 1890 gegründeten Unternehmen. Wenn Kunden heute Versicherungspolicen im Internet kaufen und Schadensmeldungen via Smartphone regeln, müssen sämtliche Abläufe angepasst werden. Die Digitalisierung, speziell der Einsatz Künstlicher Intelligenz, verändert alles. Das weiß nicht nur die digitale Avantgarde, das ist inzwischen auch bei den Betroffenen angekommen. Rund 26.000 Menschen arbeiten für die Allianz Deutschland, standardisierte Arbeiten werden überflüssig, aber einen Personalabbau plant das Unternehmen nicht. In der Sachversicherung wurden im vergangenen Jahr sogar 400 Mitarbeiter neu eingestellt und entfristet.

"Auf der einen Seite suchen wir vor allem Mathematiker und Aktuare. In den Bereichen Künstliche Intelligenz und Datenanalyse fehlen Bewerber. Auf der anderen Seite sorgt die Digitalisierung dafür, dass sich bestimmte Tätigkeiten verändern. Deshalb ist die strategische Personalplanung so wichtig. Wir qualifizieren unsere Mitarbeiter weiter, und nennen das 'Neues Lernen'", beschreibt Somersan die Lage.

Eine Chance für Berufstätige, ihre Freizeit flexibler mit der Arbeit in Einklang zu bringen, sieht die Personalchefin in dem Angebot, zu Hause zu arbeiten. Die Allianzer bekommen dafür Notebooks, Smartphones und einen Zugang zum Firmennetz. Zudem werden an elf Standorten in Deutschland Büros nach dem sogenannten "Open-Space"-Modell umgebaut, in dem sich Mitarbeiter Arbeitsplätze teilen – insgesamt 800.000 Quadratmeter, eine Fläche so groß wie 112 Fußballfelder. In der Allianz-Deutschland-Zentrale in Unterföhring werden etliche Büros frei, die jetzt durch die im Münchner Süden angesiedelten Einheiten AGCS und Allianz Technologies gefüllt werden."'Neues Arbeiten' heißt nicht 'Neues Sitzen'. Seit vergangenem Frühjahr können 15.000 Mitarbeiter zwei Tage in der Woche daheim arbeiten", erzählt Somersan. "Auch die Führungskräfte, die an die Präsenz ihres Teams gewohnt waren, müssen damit klar kommen, wenn die Mitarbeiter nicht im Büro sind. Aber wir wollen in der Führung mehr Vertrauen und weniger Kontrolle." Wer so etwas sagt, weiß, dass sich die Blicke zuerst auf ihn richten. Ohnehin muss Somersan damit leben, dass junge Frauen ihren Karriereweg als Blaupause für den Aufstieg im Konzern sehen. Somersan wehrt ab: "Vorbild will ich nicht sein. Mein Ziel ist es, eine positive Wirkung zu haben und meine Werte und das was mich antreibt an die Mitarbeiter weiterzugeben."

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