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Insiderwissen für Consulting-Neulinge

Unternehmensberater Business-Leute (© yanlev - Fotolia)

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Unternehmensberater gilt für viele als Traumjob. Man lernt in kurzer Zeit viele Branchen kennen und kann sein Wissen in den unterschiedlichsten Bereichen erweitern. Ganz zu schweigen von der überdurchschnittlichen Bezahlung und den glänzenden Karrierechancen. Doch was muss man für den Einstieg in die Beratung mitbringen? Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Und welche Tipps helfen, um beruflich erfolgreich zu sein? Insider von führenden Beratungen beantworten häufige Fragen der e-fellows.

Die Unternehmensberatung ist eine der attraktivsten Branchen bei den e-fellows. Nicht umsonst finden in der Community immer wieder Expertenforen zu Beraterthemen statt, in denen erfahrende Consultants Einblick in die Branche geben. Wir haben die häufigsten Fragen und besten Expertenantworten zusammengestellt.

Was muss ich mitbringen, um Unternehmensberater zu werden?

Ein Hochschulstudium ist Voraussetzung für den Einstieg in die Unternemensberatung. Viele Berater haben ein wirtschaftswissenschaftliches Studium absolviert, beispielsweise BWL oder VWL. Allerdings sind auch Bewerber aus anderen Fachrichtungen gerne gesehen - wenn sie wirtschaftliches Verständnis mitbringen. Alle Bewerber zeichnen sich durch sehr gute Studienleistungen und internationale Erfahrung aus, die sie beispielsweise im Auslandsstudium erworben haben.

Auch ein Quereinstieg in die Unternehmensberatung ist möglich. Unternehmensberater mit Praxiserfahrung in anderen Branchen – hauptsächlich mit Berufserfahrung in der Industrie – werden immer wieder als Experten gesucht. Consultants sollten fachliches Wissen mitbringen und in der Lage sein, sich schnell in neue Aufgabengebiete hineinzudenken. Entscheidend ist ein überzeugendes Profil aus Studium, Praktika, Auslandserfahrung, Motivation und Persönlichkeit.

Welchen Abschluss brauche ich, um in eine große Unternehmensberatung einzusteigen?

Grundvoraussetzung ist ein überdurchschnittlich guter Master- oder Diplomabschluss. Zusätzlich qualifizieren dich Praktika im Bereich Investment Banking oder Top-Management-Beratung. Solche Praktika sind keine Einstellungsvoraussetzung, werden aber gerne gesehen. Auch mit einem "branchenfremden" Abschluss hast du Chancen. Es werden auch immer wieder Ingenieure, Wirtschaftsingenieure, Naturwissenschaftler und Mathematiker eingestellt, die den Beraterberuf während des Studiums vielleicht noch gar nicht im Sinn hatten.

Kann ich auch mit einem Bachelor in die Unternehmensberatung einsteigen?

Das wird unterschiedlich gehandhabt. Bei manchen Firmen ist ein Einstieg mit einem Bachelor möglich. Das Einstiegsgehalt ist in diesem Fall etwas niedriger, die Einsatzgebiete unterscheiden sich allerdings meist nicht. In der Regel werden in Unternehmensberatungen Mitarbeiter nach ihrem Wissen und Hintergrund auf Projekten eingesetzt – egal, ob sie einen Bachelor- oder Master-Abschluss haben. Die Aufstiegsmöglichkeiten sind allerdings umso größer, je höher die Qualifikation ist. Manche Beratungen erlauben dir, deine Arbeitszeit zu reduzieren und dich parallel zur Beratertätigkeit weiterzubilden. Üblich ist beispielsweise den sogenannte "Leave" - eine zeitlich befristete Freistellung, um beispielsweise einen MBA zu machen oder zu promovieren.

Unternehmensberater sind stark gefordert und viel unterwegs. Gibt es Tricks, mit denen ich die hohen Anforderungen leichter meistern kann?

Es gibt viele kleine, praktische Tricks, die das Reisen angenehmer machen. Ein Kulturbeutel mit einer Kopie deiner täglichen Accessoires beispielsweise erspart dir das wöchentliche Ein- und Auspacken. Ein Koffer, der Handgepäcksgröße hat, muss auf einem Flug nicht extra eingecheckt werden – das erspart Wartezeit. Auf Koffergröße gefaltete Hemden lassen sich leichter und schneller einpacken. Zerknitterte Hemden und Blusen kannst du einfach ins Bad hängen, wenn du heiß duschst – der Wasserdampf glättet sie von alleine. Was die persönlichen Treffen mit Freunden angeht, ist eine voausschauende Terminplanung sehr hilfreich - selbst wenn das für so etwas Simples wie ein Bier mit den Freunden etwas merkwürdig scheinen mag.

Reisetätigkeit, Dresscode, Glaubwürdigkeit

Haben Unternehmensberater zwischen ihren ganzen Reisen überhaupt Freizeit?  

In der Regel verbringen Unternehmensberater einen Großteil der Arbeitswoche beim Kunden, Dienstreisen sind also normal. Donnerstags fährt man – soweit das während des aktuellen Projektes möglich ist – zurück an den Wohnort und arbeitet im Büro oder von Zuhause aus. Unternehmensberatungen versuchen immer auch, auf die Wünsche der Mitarbeiter einzugehen. Wer etwa nicht gerne lange Zeit im Ausland verbringt, wird eher regional eingesetzt. Je mehr Mitarbeiter die Firma hat, desto eher ist das für den Einzelnen möglich.  Darüber hinaus kann man zwischen den Projekten längere Auszeiten nehmen, damit das Privatleben nicht zu kurz kommt.

Kann man auch ohne ausgeprägte Reisebereitschaft in der Unternehmensberatung arbeiten?

Reisebereitschaft ist eine Grundvoraussetzung. Je nach Firma, Projekt und Vorlieben ist es allerdings möglich, dass Berater nicht jede Woche unterwegs sein müssen. Speziell im IT-Sektor gibt es Berater, die weniger reisen. Manche Firmen spezialisieren sich auch auf regionale Kunden, das ist allerdings eher die Ausnahme. Wenn du solche speziellen Wünsche und Bedürfnisse hast, fragst du am besten schon im Vorstellungsgespräch nach einer Möglichkeit, das Reisen einzuschränken.

Welcher Dresscode gilt in der Unternehmensberatung?

Berater sind Verkäufer und Dienstleister zugleich. Deshalb ist eine angemessen ordentliche Kleidung wichtig. Kollegen und Kunden erwarten ein professionelles und gepflegtes Auftreten. Mit einem schlichten Anzug, einem Business-Hemd und einer dezenten Krawatte bist du gut gekleidet. Das Hemd sollte möglichst nicht kariert sein, die Schuhe schwarz oder braun, der Anzug nach Möglichkeit nicht schwarz. Für Frauen gilt analog: ordentliche Business-Kleidung in unauffälligen Farben.

Wichtig ist, sich ein wenig den Vorgesetzten beim Kunden anzupassen. Allerdings gilt in der Beratung wie in anderen Berufen: Die Freiheiten, die sich ein Vorgesetzter herausnehmen kann, stehen Berufseinsteigern nicht unbedingt gut zu Gesicht.

Wie sieht eine typische Arbeitswoche in einer Unternehmensberatung aus?

Generell sind Unternehmensberater von Montag bis Donnerstag beim Kunden, wo am jeweiligen Projekt gearbeitet wird. In "heißen Phasen" oder bei intensivem Kundenkontakt ist es allerdings möglich, dass die Arbeitswoche beim Kunden länger ausfällt. Freitag ist in der Regal "Office Day", an dem Organisatorisches geklärt wird, bürointerne Networking-Events oder Fortbildungen stattfinden. Manche Unternehmensberatungen erlauben an diesem Tag die Arbeit vom Home Office aus. Hast du ein längerfristiges Projekt im Ausland, kann es auch sein, dass du von dort aus nicht jeden Donnerstag zurück fliegst. Das wird aber individuell abgestimmt.

Überstunden sind die Regel, vor allem bei ambitionierten Consultants. Je nach Unternehmensberatung können diese ausbezahlt werden, durch einen frühen Feierabend oder freie Tage ausgeglichen werden, oder sie sind durch ein überdurchschnittliches Gehalt abgegolten.

Wie geht man damit um, wenn einen der Kunde für zu jung und daher nicht glaubwürdig hält?

Grundsätzlich gehst du als Berufsanfänger nie alleine zum Kunden, sondern wirst immer durch einen Senior Consultant begleitet. Vor Ort wirst du schnell merken, ob der Kunde dich ernst nimmt oder nicht. Du kannst dann das Problem mit deinem Projektleiter besprechen. Es ist auch gut, die Kunden in einem solchen Fall daran zu erinnern, dass Berater unabhängig von ihrem Alter nur aufgrund ihrer Expertise einem Projekt zugeteilt werden. Ob diese nun im Berufsleben oder im Studium erworben wurde, spielt dabei keine Rolle. Oft kann gerade auch ein neutraler und frischer Blick auf das Problem eines Klienten von Vorteil für ihn sein. Am wichtigsten beim Kundenkontakt sind Ehrlichkeit, Authentizität, die Fähigkeit zuzuhören und Fragen zu stellen – das sind Fähigkeiten, die du unabhängig von deinem Alter erwerben kannst.

Inhouse-Beratung, Aufstieg, Arbeitszeiten

Was ist der Unterschied zwischen Inhouse Consulting und einer externen Unternehmensberatung?

Eine interne Unternehmensberatung befasst sich ausschließlich mit Projekten innerhalb des Konzerns, steht aber auch im Wettbewerb mit externen Beratungen und bearbeitet Projekte mit demselben Anspruch. Auftraggeber einer internen Unternehmensberatung ist immer der Konzern, dem sie angegliedert ist. Der Vorteil einer internen Unternehmensberatung ist, dass diese sich in der Regel besser mit dem Konzern auskennt, den sie berät. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Berater eines solchen Inhouse-Consultings später in verantwortungsvolle Management-Positionen innerhalb des Mutterkonzerns wechseln.

Bei einer externen Beraterfirma wie beispielsweise McKinsey wird ebenfalls projektbezogen gearbeitet, die Bandbreite ist allerdings größer. und meist ist der Einfluss eines Mitarbeiters auf die Projektwahl und damit auf den Arbeitsalltag größer als im Inhouse Consulting. 

Wie kann man innerhalb einer Unternehmensberatung aufsteigen?

Die Methoden zu Feedback und Leistungsbeurteilung sind unterschiedlich. Gemeinsam ist allerdings allen Unternehmensberatungen, dass es regelmäßige Feedback-Runden gibt. Diese sind meistens projektbezogen, finden also in den Regel jeweils nach einem Projekt statt. Zusätzlich gibt es meist noch eine umfassendere halbjährliche oder jährliche Leistungsbeurteilung mit entsprechendem Feedback-Gespräch. Eine wichtige Rolle spielen dabei unter anderem Fachwissen, Motivation, Kommunikation mit Kollegen und Kunden sowie der Gesamteindruck des Kunden. Dies Beurteilungen werden zu einer Gesamtnote verrechnet; oft entscheidet diese über einen Gehaltsbonus, sie kann aber auch Grundlage für Beförderungen oder individuelle Bildungsmaßnahmen zur weiteren Qualifikation sein.

Die Weiterbildung der Mitarbeiter nehmen viele Unternehmensberatungen sehr ernst. Auch dort gibt es unterschiedliche Modelle, die immer auf die jeweiligen Fähigkeiten und Wünsche des Beraters abgestimmt werden. Dazu gehören in den ersten zwei Jahren ein regelmäßiges Trainingsprogramm sowie später neben persönlichem Coaching auch Seminare in Moderation oder Konfliktmanagement.

Wie wichtig sind im Beratungsalltag die sozialen Aktivitäten außerhalb der Arbeitszeiten?  

Unternehmensberatung ist ein "people business", das heißt, viel hängt von der Interaktion mit dem Klienten und deinen Kollegen ab. Das Feierabendbier oder das gemeinsame Essen außerhalb der Arbeitszeit können also eine sehr wichtige Rolle spielen. Längerfristig geplante Essen mit Klienten und dem Projektteam gehören hierbei zum Pflichtprogramm. Das spontane abendliche Bier ist nicht auf jedem Projekt die Regel, einen "Sozialzwang" gibt es meistens nicht. Allerdings ist der informelle Austausch mit Kollegen oft nützlich, und es schadet nie, Kunden und Kollegen außerhalb des Tagesgeschäfts kennenzulernen.

In der Unternehmensberatung  gelten lange Arbeitszeiten. Kommen Gesundheit und Sport dabei nicht zu kurz?

Consultants essen oft nur zwischendurch und gehen öfter in Restaurants – das sind nicht die besten Voraussetzungen für eine gesunde Ernährung. Gerade bei hohem Stress ist es wichtig, nicht jeden Tag eine fettige Zwischenmahlzeit zu essen und nicht in jedem Restaurant das Schnitzel. Wer ein bisschen auf seine Ernährung achtet, sollte allerdings keine Probleme bekommen.

Eher fehlt Beratern die Zeit für sportliche Aktivitäten. Vor allem wer Leistungssport betreibt, muss damit rechnen, dass regelmäßiges Training nicht immer möglich ist. Oft besteht allerdings die Möglichkeit, das Sportangebot in den Hotels wahrzunehmen oder seine Laufschuhe mit in den Koffer zu packen. In jedem Fall gehört Disziplin dazu, während eines anstrengenden Projekts unter der Woche noch Sport zu treiben.

Bekomme ich als Berater einen Dienstwagen?

Viele Unternehmensberater, vor allem solche, die hauptsächlich in großen Städten unterwegs sind, entscheiden sich bewusst gegen ein Auto. Sie nutzen stattdessen öffentliche Verkehrsmittel, die vor allem bei Stoßverkehr schneller sind. Generell gibt es bei allen großen Unternehmensberatungen die Möglichkeit, einen Dienstwagen zu bekommen.

Wie sieht es mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?

Es gibt speziell für Mütter verschiedene Modelle. Teil- oder Gleitzeitmodelle sind nicht unüblich. Da das Beratungsgeschäft ein Projektgeschäft ist, ist auch eine längere Auszeit bei Schwangerschaften in der Regel unproblematisch. Nach Schwangerschaft und Mutterschutz können Frauen problemlos wieder einsteigen. Mütter mit Kindern werden eher regional eingesetzt. Die meisten Beratungen sind momentan ohnehin versucht, mehr Frauen für den Beruf zu gewinnen und bieten deshalb entsprechende Unterstützung an.

Sind Sonderlösungen bezüglich des Wohnortes möglich? Muss ich dort wohnen, wo das Unternehmen ansässig ist?

Sonderlösungen erfordern immer etwas mehr Organisation und Verhandlung, sind im Einzelfall je nach Consulting-Firma aber möglich. Je mehr Berufserfahrung bei den Verhandlungen in die Waagschale geworfen wird, desto eher sind individuelle Lösungen verhandelbar. Allerdings ist es auch wichtig, besonders in den ersten Jahren, die Kollegen im direkten Umkreis zu haben, weil man sich viel abspricht und viel voneinander lernt.

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