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Kampf der Consultants

Boxhandschuhe rosa schwarz boxen [Quelle: Pexels.com, Autor: Julia Larson]

Quelle: Pexels.com, Julia Larson

Wer Berater werden will, kommt an den Namen McKinsey und BCG nicht vorbei. Beide wollen in den nächsten Monaten kräftig neu einstellen. Wer was dabei bietet.

McKinsey gegen Boston Consulting Group (BCG): Das ist Platz eins gegen Platz zwei in der Königsdisziplin der Consulting-Branche – der Strategieberatung. Beide Firmen haben ihren Ursprung in den USA, beide gelten weltweit als renommierte Adressen für Unternehmensberater. Wer für BCG oder McKinsey arbeitet, erhält Einblick in die Topfirmen der Wirtschaft, hilft ihnen dabei, effizient zu arbeiten, Kosten zu senken oder Geschäftsmodelle zu transformieren.

Ein Boomgeschäft in Krisenzeiten: Allein die 20 führenden Beratungsfirmen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wollen bis zu diesem Jahr knapp 27.000 Stellen besetzen – wie eine Handelsblatt-Umfrage schon im Sommer zeigte. Das Einstellungsziel von BCG lag vergangenes Jahr bei über 800 neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dieses Jahr werden es noch einmal mehr sein, erklärt das Unternehmen. Auch McKinsey will in den nächsten Monaten in Deutschland mehr als 1000 Stellen besetzen. Doch wie steht es um die Karrierechancen bei den zwei Topadressen im Beratergeschäft? Wo lässt sich mehr verdienen? Wo schneller aufsteigen? Das Handelsblatt macht den Karrierecheck:

McKinsey oder BCG – wo gibt es die besseren Aufstiegschancen?

Die Größe eines Unternehmens korreliert stark mit den Karriere- und Aufstiegschancen. Beide Beratungshäuser agieren weltweit und haben entsprechend viele Standorte. McKinsey – als Nummer eins der Branche – beschäftigt mehr als 34.000 Mitarbeiter in über 130 Städten und 65 Ländern. Die 3300 Mitarbeiter in Deutschland arbeiten in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. BCG ist mit weltweit 22.000 Angestellten etwas kleiner, bietet aber in mehr als 90 Städten in gut 50 Ländern Karriereoptionen. In Deutschland arbeiten über 3000 Mitarbeiter für BCG – und zwar an den gleichen Standorten wie McKinsey.

Lange Zeit galt in der Branche das Klischee: McKinsey-Berater – das sind die Überheblichen, die Arroganten. BCG-Mitarbeitern haftete hingegen das Image vom "netten Berater" an. Das ist vorbei. Beide haben dazugelernt und werden aktuell in Deutschland von jungen Chefs geführt, die einen modernen Blick auf die Arbeit haben und denen die alten Etiketten fremd sind. Den "Meckies" wird allerdings das bessere Netzwerk in die Topetagen der Wirtschaft nachgesagt: Viele frühere Berater sind heute in verantwortungsvollen Positionen von Dax-Konzernen, so etwa Post-Chef Frank Appel, Allianz-Boss Oliver Bäte oder die Telekom-Vorständin Claudia Nemat.

Welches Profil suchen BCG und McKinsey für den (Quer-)Einstieg?

Anders als vielleicht gedacht, arbeiten in der Strategieberatung nicht nur Wirtschaftswissenschaftler. Bei BCG hat knapp die Hälfte der Beraterinnen und Berater einen anderen Hintergrund. Carolin Eistert, BCGs Recruiting-Chefin, erklärt: "Wir achten auf Vielfalt: Talente aus dem Digital- und MINT-Bereich spielen eine wichtige Rolle für uns, doch wir stellen auch Mediziner oder Juristinnen ein", so die Partnerin. "Wichtig für uns ist, verschiedene Denkweisen und fachliche Hintergründe zusammenzubringen, um komplexe Probleme zu lösen."

Auch bei Konkurrent McKinsey weist nur knapp die Hälfte der Consultants einen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund auf. Daneben beschäftigt der Konzern Analytiker, Daten- und KI-Spezialisten, Juristinnen und Medizinerinnen. Recruiting-Chef Mathias Huber erklärt, dass McKinsey mittlerweile auch verstärkt nach Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich Digitalisierung, Datenanalyse, Nachhaltigkeit und Design sucht.

Gehalt bei McKinsey und BCG: Wer zahlt wie gut?

Über Gehalt reden beide Beratungshäuser nicht gern. BCG erklärt lediglich, dass sich die Verdienstmöglichkeiten nach Erfahrungen und Aufgabenbereich richten. McKinsey versichert, dass eine wettbewerbsfähige Vergütung eine wichtige Komponente sei, um für Talente attraktiv zu sein. Wie hoch diese im Speziellen aussieht, wird auch in ihrem Haus vertraulich behandelt. Laut Branchenverband BDU kommen Berufseinsteiger als Consultant auf gut 67.000 Euro. Wer bei den Topstrategieberatungen anheuert, kann mit deutlich höheren Gehältern rechnen. Promovierte Topabsolventen fangen dort schon mal mit einem Jahresgehalt von mehr als 100.000 Euro an.

Mit der Hierarchie steigen die Gehälter dann immer weiter: Partner können im Schnitt mit einem Grundgehalt von 143.000 Euro rechnen und kommen mit Bonuszahlungen und Nebenleistungen wie Dienstwagen im Schnitt auf 270.000 Euro pro Jahr. Auch diese Werte können bei McKinsey und BCG schnell getoppt werden. Bei der Bezahlung unterscheiden sich die beiden Topberatungen mittlerweile ebenfalls kaum. Unterschiede gibt es eher intern: Die Vergütung der Partner steigt rasant, je mehr Geschäft und Kunden man verantwortet. Zudem haben McKinsey und BCG im Zuge der Expansion intern viele neue Positionen und Ebenen geschaffen sowie Firmen zugekauft. Das hat das Gehaltsgefüge stark verbreitert, sodass es kaum noch Richtwerte gibt.

Wie sieht ein typischer Karriereweg bei BCG oder McKinsey aus?

Beide Häuser sind sich einig, dass es den einen typischen Karriereweg nicht gibt. Trotzdem lassen sich bestimmte Richtungen auf der Karriereleiter skizzieren. BCG-Recruiting-Chefin Eistert erklärt: "Grundsätzlich fangen junge Kolleginnen und Kollegen mit einem vielfältigen Spektrum an Projekten aus verschiedenen Fachbereichen und Branchen an und spezialisieren sich im Verlauf ihrer Karriere." Da sich Interessen und Lebensphasen ändern, könne jede und jeder diese Entwicklung individuell mitgestalten.

"Auf diesem Weg unterstützen wir sie in ihrer persönlichen Entwicklung." So verwenden BCGs Berater zum Beispiel um die zwei Wochen im Jahr für Weiterbildung. 2Im ersten Jahr sind es sogar rund vier Wochen2, erklärt BCG-Partnerin Eistert. "Darüber hinaus gibt es Mentorenprogramme, und sie haben die Möglichkeit, sich für eine Promotion oder einen MBA freistellen zu lassen, was wiederum von BCG gefördert wird."

Bei McKinsey steigen Bachelor- oder Masterabsolventen als Fellow oder Junior Fellow ein und durchlaufen ein Trainingsprogramm, das auf den systematischen Ausbau ihres Beratungs-Know-hows und ihrer Soft Skills ausgerichtet ist. Während dieser Zeit steht ihnen zusätzlich ein Mentor oder eine Mentorin mit Rat und Tat zur Seite. Nach zwei bis drei Jahren besteht die Möglichkeit, eine bezahlte Auszeit von einem Jahr zu nehmen, um einen weiteren akademischen Abschluss, wie zum Beispiel einen MBA oder eine Promotion, zu absolvieren.

Alternativ können sich Kolleginnen und Kollegen im "Social Leave" gesellschaftlich engagieren und dazu für bis zu zwei Jahre freistellen lassen. Nach dieser Auszeit geht es bei McKinsey als Associate weiter. Hier kommen immer neue Verantwortungsbereiche hinzu, bis die entsprechenden Kolleginnen und Kollegen in einem nächsten Schritt Projektleiter werden. Anschließend verantworten sie als Associate Partner mehrere Klienten. Nach etwa weiteren zwei Jahren kann dann die nächste Stufe kommen: Partner. Bewerberinnen und Bewerber, die direkt mit einem MBA, Doktortitel oder relevanter Berufserfahrung anfangen, können die ersten Schritte überspringen und steigen direkt als Associate ein.

Wie viele Karrierestufen auf dem Weg nach oben gibt es?

Der Weg bis ganz nach oben ist lang. Gerade in Beratungshäusern gibt es viele Zwischenstufen, die mühsam erklommen werden müssen. Bei McKinsey sind das insgesamt sieben. Angefangen mit dem Einstieg als Fellow, über Associate, Senior Associate, Engagement Manager (Projektleiter), Junior Partner und Partner, bis schließlich die letzte Karriereposition als Senior Partner wartet. Bei BCG sieht der Weg an die Spitze ähnlich aus, wenn er auch kürzer ist: von Associate über Consultant, Project Leader und Principal bis zum Partner. Diese Karrierewege gelten für die diejenigen, die eine Partner-Position als klares Ziel haben.

Der Weg dahin ist nicht leicht: Partner müssen nicht nur Topleistungen in den aktuellen Projekten abliefern, sondern werden daran gemessen, wie viel Neugeschäft sie heranschaffen. Dabei gilt bei beiden Topberatungen grundsätzlich nach wie vor das Up-or-out-Prinzip: Wer es bis zu einem bestimmten Alter nicht in die Topetage der Partner schafft, sollte sich besser einen neuen Job suchen. Allerdings muss diesen Weg nicht jeder beschreiten. Die Beratungen bieten mittlerweile andere Karrierewege ohne Aufstiegszwang. Damit locken sie dringend benötigte Spezialisten etwa für Datenanalyse oder Produktdesign. Das Spektrum ist mittlerweile breit.

Grafik Umsatz 2020 weltweit BCG und McKinsey [Quelle: Handelsblatt]

Fazit:

Klar ist: In beiden Beratungshäusern lässt sich Karriere machen – auch als Nicht-Wirtschaftswissenschaftler. Talente aus anderen Fachgebieten haben die Chance, als Quereinsteiger eine Beraterkarriere einzuschlagen. Sie müssen vor allem Expertise, Erfahrung und Engagement mitbringen. Die möglichen Karrierewege bei McKinsey oder BCG unterscheiden sich dabei wenig. Absolventen schauen eher darauf, welche der beiden Firmen die spannendsten Projekte bietet und bei den Kunden den besten Ruf hat.

McKinsey kann als langjährige Nummer eins dabei oftmals noch beim Nachwuchs punkten. Doch beide sind als Berater der deutschen Topkonzerne fest verankert. Für die klassische Beraterkarriere mit dem Ziel "Partner" sind Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und ein ambitioniertes Arbeitspensum notwendig. Der Weg an die Spitze ist lang. Bei Laune halten die Angestellten dabei nicht nur Gehalts- und Bonuszahlungen, sondern eine ganze Liste an Zusatzleistungen

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