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Arbeiten in der Königsdisziplin der Wirtschaft

Frauen, Hände schütteln, Vertrag, Start-up [Quelle: Pexels.com, Autor: RODNAE Productions]

Quelle: Pexels.com, RODNAE Productions

e-fellows.net-Alumna Verena arbeitet bei einer Private-Equity-Gesellschaft. In ihrem Gastbeitrag gibt sie Einblicke in das Berufsfeld und erklärt, welche Voraussetzungen du für den Karriereeinstieg mitbringen solltest. Erfahr außerdem, warum der Bereich nicht nur für BWL-Studierende ein interessanter Karriereweg sein kann. 

Wenn Private-Equity-Gesellschaften in Unternehmen einsteigen, löst das bei den Mitarbeitenden häufig Fragen aus. Trimmt die Beteiligungsgesellschaft das Unternehmen auf Effizienz, entlässt Mitarbeiter:innen und zerschlägt es am Ende? Oder bringt sie lediglich ihr Wissen und ihre Erfahrung ein, sodass das Unternehmen sein Wachstumspotential erfolgreich ausbauen kann? Verena Ganter kennt die Antworten auf diese Fragen. In ihrem Gastbeitrag verrät sie, wie Private Equity funktioniert, welchen Aufgaben Investment Professionals nachgehen und wie du in diesem Berufsfeld Karriere machst. 

Wie funktioniert Private Equity?

Private-Equity-Gesellschaften investieren in nicht-börsennotierte Unternehmen und sind dabei Investor und Sparringspartner auf Zeit. Der Beteiligungszeitraum erstreckt sich je nach Fokus auf drei bis zehn Jahre. In dieser Zeit stellt die Beteiligungsgesellschaft dem Unternehmen Kapital und wichtiges Know-how zur Verfügung.

Ziel einer Private-Equity-Gesellschaft ist es, das Portfoliounternehmen nach einigen Jahren erfolgreich zu veräußern und sich im Rahmen des Exits die Wertsteigerung des Unternehmens vergüten zu lassen. Deshalb steht der Erfolg des Portfoliounternehmens stets im Fokus aller Maßnahmen einer Beteiligungsgesellschaft. 

Gerade für den Mittelstand im deutschsprachigen Raum gehören Private-Equity-Gesellschaften zu wichtigen Kapitalgebern, um über die zusätzlichen Finanzierungsmöglichkeiten eine noch bessere Wachstumsgrundlage zu schaffen.

Welche Investitionsbereiche gibt es? 

Der Markt der Beteiligungsgesellschaften ist, abhängig vom Stadium des Unternehmens, in das investiert werden soll, in folgende Bereiche zu unterteilen:

  • Venture Capital Fonds, die als Wagniskapitalgeber vor allem in Start-ups investieren und ihnen so zum Markteintritt verhelfen.
  • Wachstumskapitalgeber für Unternehmen mit bestehendem Geschäftskapital, die beispielsweise über Zukäufe und Expansionen wachsen wollen.
  • Buy-out-Finanzierungen, die den Erwerb von profitablen Unternehmen sowie deren Finanzierung durch Fremd- und Eigenkapital darstellen.
  • Restrukturierungsfonds, die ausschließlich Eigenkapital einsetzen, einen Schuldenschnitt mit den Banken vereinbaren und durch Umstrukturierungen Teile des Unternehmens schließen.

Was passiert, wenn eine Private-Equity-Gesellschaft ein Unternehmen in ihr Portfolio aufnimmt? 

Mit dem Kauf eines Unternehmens beteiligt sich die Private-Equity-Gesellschaft neben der Finanzierung auch an strategisch relevanten Entscheidungen. Das können beispielsweise Expansionen in neue Märkte und Länder, Restrukturierungen und Wachstumsmöglichkeiten durch Zukäufe von weiteren Unternehmen sein. Dabei greift sie nicht in das operative Tagesgeschäft ein, sondern versteht sich als Sparringspartner für die Geschäftsführung und unterstützt mit ihren Erfahrungen und ihrem Netzwerk.

Auch bei Nachfolgelösungen und Gesamtveräußerungen wird häufig eine Beteiligungsgesellschaft hinzugezogen, um passende Lösungen für das Unternehmen und den Unternehmer zu finden. Darüber hinaus beschäftigen sich Private-Equity-Gesellschaften regelmäßig mit Owner Buy-outs, Wachstumskapital, Management Buy-ins und Management Buy-outs sowie Teilveräußerungen.

Wann verkaufen Private-Equity-Gesellschaften Portfoliounternehmen wieder? 

Wenn ein Portfoliounternehmen eine signifikante Wertsteigerung erreicht hat, verkaufen Private-Equity-Gesellschaften es in der Regel an eine andere Beteiligungsgesellschaft oder einen strategischen Investor oder bringen es an die Börse. Dieser Prozess wird häufig von M&A-Berater:innen und Investmentbanken begleitet. Durch die Wertsteigerung des Portfoliounternehmens zwischen Eintritt und Exit wächst der Private-Equity-Fonds.  

Welche Aufgaben hat ein Investment Professional? 

Investment Professionals verantworten, je nach Erfahrung, den vollständigen Transaktionsprozess einer Primärtransaktion, also den Kauf eines neuen Plattformunternehmens, oder den Transaktionsprozess eines Add-Ons, bei dem das bestehende Plattformunternehmen ein Unternehmen zukauft. Hierfür beobachten Investment Professionals den Markt und wählen attraktive Zielunternehmen anhand von Finanzkennzahlen und Fakten aus. Anschließend prüfen sie das ausgewählte Unternehmen aus finanzieller, kommerzieller, technischer und juristischer Sicht, erstellen ein Kaufangebot und leiten den Verhandlungsprozess.

Außerdem sind sie Ansprechpartner:in für ein oder mehrere Portfoliounternehmen und stehen der Geschäftsführung bei strategischen und finanziellen Entscheidungen zur Seite. Dabei sind sie eng in den Reporting-Prozess und die strategische Ausrichtung von Expansionsplänen und Synergieeffekten eingebunden.

Was zeichnet die Arbeit im Private Equity aus? 

Private Equity wird auch die Königsdisziplin der Wirtschaft genannt, da die Gestaltungsmöglichkeiten sehr vielfältig und die Aufgaben sehr herausfordernd sind. Als Mitarbeiter:in bist du einerseits analytisch tätig. Du analysierst Finanzkennzahlen, bereitest diese auf und interpretierst sie, um einen umfassenden Überblick über die unterschiedlichsten Märkte und Geschäftsbereiche zu erhalten.

Andererseits solltest du auch unternehmerisch agieren können, wenn du mit dem Management der Portfoliogesellschaften die strategische und finanzielle Ausrichtung dieser Unternehmen vorantreibst. Außerdem wird von dir erwartet, dass du dich schnell in neue Geschäftsmodelle einarbeitest und vielseitige Möglichkeiten in unterschiedlichen Branchen herausstellst.

Wie setzt sich das Gehalt im Private Equity zusammen? 

Die Gehälter in der Branche setzen sich – je nach Fonds – aus folgenden vier Komponenten zusammen:

  • Festgehalt
  • Bonuszahlung
  • Co-Investment in die Beteiligungen des Fonds zu bevorzugten Konditionen
  • Je nach Fonds bereits als Analyst eine Beteiligung am Fondsgewinn 

Wie gelingt der Einstieg im Private Equity? 

Der Direkteinstieg als Hochschulabsolvent:in im Private Equity ist aufgrund der hohen Anforderungen sehr selten. In der Regel setzen Private-Equity-Gesellschaften mehrjährige Berufserfahrung und eine sehr gute akademische Ausbildung voraus. Einige Beteiligungsgesellschaften bieten vor dem Eintritt ein spezifisches Ausbildungskonzept an. Dieses ermöglicht Einsteiger:innen, in einem Plattformunternehmen als rechte Hand des Managements erste operative und strategische Berufserfahrung zu erlangen.

Gefordert wird neben sehr guten analytischen Kenntnissen auch ein sehr gutes Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge. Daher solltest du vor dem Einstieg im Private Equity bereits einschlägige Berufserfahrung in der Finanzindustrie, der Beratung oder im M&A gesammelt haben sowie eine unternehmerische Denkweise und ein hohes Level an Eigenverantwortung mitbringen.

Auch für ein Praktikum im Private Equity werden neben sehr guten akademischen Leistungen bereits erste praktische Erfahrungen rund um Transaktionen zum Beispiel bei M&A-Boutiquen, Banken, Beratungen oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften vorausgesetzt.

Interview: Karriere im Private Equity – nicht nur für BWLer:innen

Im Interview erläutert Dr. Ingo Krocke, Mitgründer von AUCTUS Capital Partners in München, seinen Werdegang vom Mediziner zum CEO einer Private-Equity-Gesellschaft und gibt Tipps für eine Karriere in diesem Berufsfeld.

Was hat dich als Mediziner dazu bewogen, in die Wirtschaft zu wechseln? Und warum hast du dich für eine berufliche Zukunft im Private Equity entschieden?

Man kann in der Wirtschaft einfach viel mehr bewegen als in der bürokratisierten Medizinlandschaft. Die Möglichkeiten zur Gestaltung sind de facto unbegrenzt – und noch viel mehr im Private Equity, weil wir als Mehrheitseigentümer die Strategie mitbestimmen und sogar ganz neue Bereiche aufbauen können. Für mich ist es auch nach mehr als 20 Jahren immer wieder ein Highlight, wenn unsere Unternehmen zu Marktführern werden.

Bei der Gründung von AUCTUS hast du von Beginn an den Fokus auf wachstumsorientierte Firmen im deutschsprachigen Mittelstand gelegt. Wie kam es dazu?

Deutschland hat eine riesige Anzahl sehr guter kleiner und mittelgroßer Unternehmen, die aber meist nicht aus eigener Kraft durchstarten können, weil Kapital, Internationalisierungserfahrung und auch das Management-Know-how zum Aufbau größerer Strukturen fehlen. Hier gab und gibt es eine Marktlücke für eine unternehmerisch agierende Beteiligungsgesellschaft, die wir besetzt haben.

Auf diese Art konnten wir in den letzten 20 Jahren zahlreiche nationale und internationale Marktführer aufbauen. So ist zum Beispiel aus einem kleinen Lebensmittellabor in Berlin die weltweit führende Food- und Pharma-Labor-Gruppe Tentamus mit über 70 Standorten auf fünf Kontinenten und hunderten Millionen Euro Umsatz entstanden.

Wieso ist es deiner Meinung nach interessanter für Analysten oder Associates im mittelständischen Segment als im Large Cap einzusteigen?

Die Lernkurve ist viel höher, weil sie vom ersten Tag an in einem Team aus zwei oder drei Personen mit einem sehr erfahrenen Investment Professional zusammenarbeiten und einen Großteil der Deals selbst durchführen können. Auf diese Art bauen Analysten in jungen Jahren einen Track Record auf, den sie im Large Cap Private Equity selbst nach zehn Jahren nicht erreicht hätten. 

Welchen Rat möchtest du Studierenden mit auf den Weg geben, die eine Karriere im Private Equity anstreben?

Versuch unbedingt ein Praktikum bei einem Private-Equity-Fonds zu machen. Weil die Erfahrung aus vorangegangenen Praktika für die sehr herausfordernde Tätigkeit im Private Equity hilfreich sein kann, solltest du das Praktikum im Private Equity bevorzugt zum Ende des Studiums oder eines Gap Years absolvieren. Unter Umständen erhältst du anschließend ein Angebot für den Direkteinstieg im Unternehmen. 

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