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Der Alltag

Der Alltag

Die Berlins führen eine besondere Beziehung. Sie, 52 Jahre, kommt aus Niederbayern und ist kommunikativ. Ihr Mann, 46 Jahre, ist Nordlicht und zurückhaltend. Er ist fürs Baureihenmanagement verantwortlich, sorgt also dafür, wie er erzählt, dass die Bahnen in einem Zustand sind, mit denen die Fahrgäste – "und ich zufrieden bin", fällt ihm seine Frau mit einem Augenzwinkern ins Wort. Denn sie ist dafür verantwortlich, dass die Gäste zur richtigen Zeit mit den richtigen Zügen ans Ziel kommen.

Morgens gehen die Berlins meist zusammen zur Arbeit. Doch wenn sie den Pförtner passiert haben, sind sie kein Paar mehr, sondern Arbeitskollegen. Händchen haltend durch die Flure laufen, ein schneller Kuss vor dem Meeting? Das kommt nicht infrage. "Ich bin hier in meiner Rolle als Führungskraft, das kann ich sehr wohl unterschieden", sagt Nicole Berlin. Für Arbeitspsychologen ist das Verhalten vorbildlich. "Intimitäten und Zärtlichkeiten sollten sich Büropaare für zuhause aufsparen, sonst sind die Kollegen genervt oder haben den Eindruck, ausgeschlossen zu werden", sagt Zacher.

Was Experten auch raten: "Auf der Arbeit sollten Büropaare möglichst wenig Zeit miteinander verbringen", sagt Jutta Boenig von der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung. Ihr Tipp: keine romantische Mittagspause mit dem Partner beim Italiener, sondern weiter mit den anderen Kollegen in die Kantine gehen. Klare Regeln gelten auch für zu Hause: "Lassen Sie die Firma nicht ins Bett", sagt Boenig und rät dazu, nicht noch im Schlafzimmer über Arbeit zu sprechen. Hilfreich ist, verschiedenen Hobbies nachzugehen. Unter 24-stündiger Dauernähe leiden viele Bürobeziehungen, so die Expertin.

Was helfen kann: eine Uhrzeit festlegen, nach der Berufsthemen tabu sind. Soweit gehen die Berlins nicht. "Wir kommen nach Hause, um zu leben. Und unsere Gespräche flankieren wir auch mit Arbeitsthemen – so wie bei anderen Paaren auch, die keine Kollegen sind", sagt Frank Berlin. Mitunter, ergänzt seine Frau, sei es praktisch, dass ihr Mann die Arbeitsstrukturen und Mitarbeiter kenne. So fühle sie sich besser verstanden. Was beide aber unterlassen: das Meeting am Küchentisch zu verlängern. Anfangs seien die Kollegen davon ausgegangen, dass ich meinem Mann beim Abendbrot Arbeitsaufträge weiterleite, erzählt sie. "Wir haben direkt klargemacht, dass wir das nicht tun." Solche Absprachen braucht es, damit die Liebe unter Kollegen gelingen kann.

Was den Büroalltag trotz der besten Regeln erschweren kann: wenn nur einer der beiden Partner befördert wird. "Vielen Paaren tut das nicht gut, weil der Neid zu groß wird", sagt Boenig. Eine ihrer Klientinnen tat sich damit so schwer, dass sie die Firma gewechselt hat. Sonst wäre die Beziehung zerbrochen.

Die Trennung

Fünf Jahre lang waren Maren und Joachim Müller (Namen geändert) ein Paar – bis sie sich trennten. Im Büro aber war er weiter ihr Vorgesetzter. Das Ende der Beziehung ließ der Manager seine Ex-Frau spüren: er herrschte sie an, stellte sie in Meetings bloß, ließ Projekte platzen – bis sie kündigte. Die gescheiterte Liebe wurde aber auch ihm zum Verhängnis: die Kollegen straften seine Boshaftigkeit ab, führten Aufträge nicht mehr aus, kamen nicht zu Besprechungen. Er musste die Abteilung wechseln.

Der Fall, von dem Karriereberaterin Boenig erzählt, ist typisch für getrennte Büropaare. Frauen leiden häufig stärker, sagt die Expertin. "Grundsätzlich verliert derjenige, der niedriger in der Hierarchie steht – und das sind häufig eben noch die Frauen." Nach einer Trennung ist es ratsam, mehrere Wochen Urlaub zu nehmen, um Abstand zu gewinnen. Wenn das nicht hilft, sollte sich einer der beiden in eine andere Abteilung versetzen lassen. Das kann in kleinen und mittelständischen Betrieben allerdings schwierig werden.

Deshalb rät der Berliner Buchautor Krüger dazu, schon am Anfang ein mögliches Ende der Liaison und die Folgen für den Arbeitsplatz mitzudenken – so unromantisch das auch sein mag. "Eine gescheiterte Büroliebe kann die Karriere zerstören" – gerade, wenn sich Paare nicht mehr aus dem Weg gehen können, schon älter oder stark spezialisiert sind. Den Arbeitgeber zu wechseln, wird kompliziert.

Unter Liebeskummer leiden auch die Unternehmen: Jeder sechste Arbeitnehmer ist deshalb nicht zur Arbeit gekommen, zeigt die Elite-Partner-Befragung. Würde jeder von ihnen nur einen Tag fehlen, ergeben sich daraus 6,6 Millionen Fehltage, rechnen die Autoren vor. Für die Wirtschaft wäre das ein Produktionsausfall von 774 Millionen Euro. Die Berlins haben vor 19 Jahren bei der Fortbildung nicht über das Ende ihrer Liaison nachgedacht. "Das ist ein theoretischer Fall", sagt Frank Berlin. Und seine Frau ergänzt: "Aber auch bei einer Scheidung, würde unser Arbeitgeber uns dabei unterstützen, eine Lösung zu finden". So wie er sie 2001 auch zusammengebracht hat.

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