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Liebe, Kollegen

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Quelle: unsplash.com, Andrew Welch

Das Büro floriert als Heiratsmarkt, jeder Vierte findet seinen Partner am Arbeitsplatz. Ganz unproblematisch ist das nicht: Wenn die Beziehung scheitert, kann das schnell die Karriere kosten. Eine Anleitung für das richtige Verhalten – vom Flirt bis zur Trennung.

Es war ausgerechnet ein verspäteter Zug, der das Pärchen auffliegen ließ. Nicole Burger und Frank Berlin hatten sich während einer Schulung ihres Arbeitgebers, der Deutschen Bahn, kennen und lieben gelernt. Zum Seminar in der Hauptstadt reisten sie gemeinsam – und kamen zu spät. Ihre Erklärung: ein verpasster Anschlusszug. Das war keine geschickte Begründung, schließlich arbeitete sie in München und er in Hamburg. Die Kollegen kannten das Schienennetz, welche gemeinsame Bahn sollten sie da verpasst haben?

Spätestens als den beiden für das Abschlussseminar ein Doppelzimmer gebucht wurde, war allen klar: Burger und Berlin sind mehr als nur Arbeitskollegen. Das war 2001. Heute heißt Burger mit Nachnamen Berlin, beide sind leitende Manager bei DB Regio in Frankfurt. Das Paar hat sich nicht mehr getrennt – weder privat noch beruflich.

Romantik im Büro verläuft aber keineswegs immer so herzerwärmend. Bestes Beispiel: Steve Easterbrook. Bis November war er Chef der Fast-Food-Kette McDonald’s. Als seine Beziehung mit einer Mitarbeiterin publik wurde, schasste ihn der Aufsichtsrat, weil er "schlechtes Urteilsvermögen" bewiesen habe. Die Beziehung sei "ein Fehler" gewesen, sagte Easterbrook später.

Zwei Beispiele, eine Erkenntnis: die Büroliebe ist mit Chancen und Risiken verbunden. Am heutigen Valentinstag dürften zahlreiche Manager ihren Büronachbarn Blumen mitbringen. Denn laut einer Befragung der Online-Partnervermittlung Elite Partner hat sich jeder dritte Deutsche in einen Kollegen verliebt, knapp jeder vierte hat sogar seinen Partner im Job kennengelernt. "Beziehungen unter Kollegen sind hierzulande längst nicht mehr so verpönt wie früher", sagt Walter Jochmann, Geschäftsführer der Managementberatung Kienbaum. "Wer sie toleriert und Transparenz herstellt, gibt sich als offener und moderner Arbeitgeber."

Für die Unternehmen kann das von Vorteil sein, sagt der Berliner Psychotherapeut und Buchautor Wolfgang Krüger. Gerade im höheren Management suchten Firmen Menschen mit geordneten sozialen Verhältnissen. "Mitarbeiter in einer stabilen Liebesbeziehung sind viel ehrgeiziger, kreativer und belastungsfähiger." Und an die Firma bindet die Kollegenliebe gleich mit.

Wenn aber der rosarote Blick weicht, droht das heikelste an der Büroliaison: Streit und Trennung. "Probleme in Beziehungen werden radikalisiert, weil auch Kollegen den Streit vom Frühstückstisch mitbekommen", sagt Krüger. Und wenn die Büroliebe scheitert, bleiben meist nur zwei Auswege: Versetzung oder Kündigung. In Ländern wie den USA ist aber selbst eine erfolgreiche Beziehung bedrohlich für den Job.

Doch wie kann die Liebe im Büro gelingen? Und worauf müssen Büropaare achten, um Kollegen nicht zu nerven und die Karriere zu gefährden?

Das Kennenlernen

25. Juni 2001. Das Datum steht in den Ringen der DB-Regio-Manager Nicole und Frank Berlin. An dem Tag haben sie sich kennengelernt. Gefunkt hat es in der Hamburger S-Bahn nach einem gemeinsamen Seminar auf dem Weg zum Abendessen. Dort kamen sie ins Gespräch, später tauschten sie Telefonnummern und Adressen aus. Zweieinhalb Jahre später gaben sie sich ihr Jawort.

Es ist mehr als verständlich, dass sich Menschen in ihre Kollegen verlieben. Allein schon aus zeitlichen Gründen. Im Durchschnitt verbringen Angestellte 41 Stunden pro Woche auf der Arbeit, viel Zeit um seine Mitmenschen kennen zu lernen. Geht es in der Disco nur ums Aussehen, erfährt man im Büro mehr über die Arbeitsmoral, die Stressresistenz und die Teamfähigkeit. Und Menschen, die im gleichen Unternehmen arbeiten, sind sich oft näher, weil sie einen vergleichbaren Berufsweg und gemeinsame Interessen haben, sagt Hannes Zacher, Professor für Arbeitspsychologie an der Universität Leipzig: "Beziehungen von Menschen, die sich ähnlich sind, halten oft länger."

Experten raten, die Büroliaison beim Chef und den Kollegen schnell anzusprechen. Rechtlich verpflichtet sind Angestellte in Deutschland allerdings nicht. "Liebesbeziehungen sind Teil des Persönlichkeitsrechts und vom Grundgesetz geschützt", sagt Arbeitsrechtler Sebastian Schröder von der Düsseldorfer Kanzlei Aquan. Selbst Beziehungen zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter dürfen Unternehmen nicht verbieten. Dabei sind sie besonders fragwürdig. "Die Verhältnisse im gesamten Team werden vergiftet, weil niemand mehr weiß, was er im Pausenraum noch erzählen darf", sagt Psychologe Krüger. Außerdem bestehe der Verdacht, dass beide mauscheln, der Partner schneller eine Gehaltserhöhung oder eine Beförderung bekommt.

Um solchen Interessenskonflikten vorzubeugen, fordern Unternehmen wie Allianz oder Adidas ihre Mitarbeiter dazu auf, Beziehungen publik zu machen. Die Deutsche Börse weist in Gesprächen "auf die Notwendigkeit zur Offenlegung hin". BMW strebt "einen Wechsel von einem der beiden Partner in eine andere Abteilung an". Durch das Weisungsrecht des Arbeitgebers ist das rechtlich möglich. Bei den meisten Dax-Konzernen, zeigt eine Handelsblatt-Umfrage, gibt es allerdings keine unternehmensseitigen Vorgaben – nicht bei Bayer, Daimler, Henkel, Infineon oder SAP.

Auch nicht bei der Deutschen Bahn. Dass dort aber sehr wohl über mögliche Probleme von Bürobeziehungen diskutiert wird, zeigt das Beispiel der Berlins. Sie arbeitet als Bereichsleiterin, er wurde vor Jahren zum Abteilungsleiter befördert. Das Problem: Berlins Chef redet mit dessen Frau auch über Berlins berufliche Leistung. Und wenn sein Vorgesetzter Urlaub macht, kann es passieren, dass Herr und Frau Berlin im gleichen Meeting sitzen müssen. Der zuständige Vorstand genehmigte diese Konstellation – allerdings mit klaren Regeln: "Wenn es in Besprechungen um Frank geht, halte ich mich immer zurück, weil man ja sofort denken würde, ich sei nicht neutral", sagt Nicole Berlin.

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