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Organisieren Sie Ihr Leben anders, seit Sie um Ihre Hochsensibilität wissen?

Gewisse Dinge tue ich tatsächlich nicht (mehr). Ich gehe zum Beispiel nicht in die Disko. Ich könnte es aber jederzeit tun, mit Ohrstöpseln. In anderen Situationen mache ich Kompromisse, ich gehe auf Partys zum Beispiel früher nach Hause als Kollegen. Aber grundsätzlich habe ich nicht das Gefühl, mein Leben grundlegend anders zu gestalten als andere.

Raten Sie zur "Generalbeichte" gegenüber Vorgesetzen, Kollegen, Freunden?

Nein, das ist in meinen Augen nicht zielführend. Ich habe keinen Rechtsanspruch darauf, dass der Kopierer, der mich nervt, woanders steht, bloß weil ich hochsensibel bin. Ich thematisiere in solchen Fällen lediglich konkrete Empfindlichkeiten. Wenn es dann heißt: "Uns stört das nicht. Fünf gegen einen, du verlierst!", dann muss das Umfeld mittelfristig damit rechnen, dass ich meine Konsequenzen ziehe.

Wie sollten Arbeitgeber, Kollegen, Lebenspartner mit dem Thema Hochsensibilität umgehen?

Ich lege Menschen eine Visitenkarte oder Broschüre hin und empfehle ihnen, sie sich in Ruhe anzuschauen. Von mir aus würde ich das Thema danach nicht mehr ansprechen. Es gibt einen wissenschaftlichen Fragebogen, der in erster Linie Forschungszwecken dient und nicht für Diagnosezwecke entwickelt wurde. Er kann etwas Licht ins Dunkel bringen, ist aber mit Vorsicht zu genießen, wenn es darum geht, die Frage der eigenen Betroffenheit zu beantworten. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: In diesem Fragebogen steht als ein Anhaltspunkt für Hochsensibilität "Ich reagiere stark auf Kaffee." Wir bieten auf hochsensibel.org deswegen keinen Fragebogen an, denn er öffnet berechtigter Kritik Tür und Tor.

Für Betroffene ist das Konzept Hochsensibilität sinnvoll, um sich selbst einzuordnen und zu akzeptieren. Aber wäre es für unsere Gesellschaft langfristig nicht besser, Menschen individuell zu akzeptieren, ohne dass sie sich selbst und der Gesellschaft gegenüber mithilfe von Konstrukten Rechenschaft ablegen müssten?

Einerseits wäre es schön, wenn jeder sich selbst im Rahmen einer langen Lebensreise entdeckt. Auf der anderen Seite lässt sich dieser Prozess mit Konstrukten wie Hochsensibilität beschleunigen. Ich brauchte dieses Konstrukt als Ermächtigung, ein Leben zu führen, das zu meinen Nerven passt.

Außerdem sind Schemata und Rollenmodelle auch für das Zusammenleben hilfreich. Wir alle leben die meiste Zeit auf Autopilot und es wäre viel zu anstrengend, jedes Individuum in seiner Individualität wahrzunehmen. Es ist gut, dass ich in einer Bäckerei sagen darf: "Guten Tag, ich hätte gerne zwei Brötchen", ohne befürchten zu müssen, dass die Bäckerin daraufhin anfängt zu heulen. Schemata und Erwartungen haben durchaus ihre Funktion.

Aber man schließt immer jemanden aus, oder sogar sehr viele, die wieder durch ein Extrakonzept mit reingeholt werden müssen …

Ja. Wofür ich immer plädiere, ist, dass Psychologie eine stärkere Rolle bei unserer Allgemeinbildung spielt. Wenn Geld für Latein da ist, sollte auch Geld dafür da sein. Ich hätte nichts dagegen, wenn es selbstverständlicher Teil einer Schulausbildung wäre, sich mit wissenschaftlicher Psychologie zu beschäftigen.

Herr Jack, vielen Dank für das Gespräch!

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Erwähnt werden hätte noch können, dass Hochsensibilität, wie sie hier beschrieben wird, verbunden mit anderen Symptomen auch auf Autismus oder ADHS hinweisen kann, sodass man bei entsprechenden Anhaltspunkten vielleicht auch mal in diese Richtung nachforschen sollte.

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