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Gib dem Urlaub einen Sinn

Die Liste ließe sich ins Unendliche fortführen: Insgesamt tummeln sich über fünf Millionen Apps in den Stores des Androiden und Apfels, Tendenz steigend. Der Google Play Store hat inzwischen eine eigene Effizienz-Kategorie. Und selbst aus dem Inbegriff der Freizeit – dem langersehnten Urlaub – versucht manch einer, das Optimum herauszuholen.

Gib dem Urlaub einen Sinn

Seit einigen Jahren erfreut sich Volontourism immer größerer Beliebtheit. Die Idee dahinter vermittelt eine Promoterin auf einer Info-Messe in Berlin: "Wer etwas Gutes tun möchte oder wem vielleicht noch diese soziale Komponente im Lebenslauf fehlt", ruft sie ins Mikro, "wir haben Kinderheime in Indien, eine Schmetterlingsfarm in Costa Rica und am Great Barrier Reef ein schönes Naturschutzprojekt." Inzwischen ist daraus ein boomender Tourismuszweig entstanden, dessen Wert auf über eine Milliarde Euro beziffert wird. Diese "soziale Komponente" im Lebenslauf lassen sich die Volunteers oft mehrere Tausend Euro kosten. Anders als bei Work-and-Travel dient die Arbeit nicht der Finanzierung der Freizeit. Sie soll stattdessen mit einem Zweck versehen werden. Kinder unterrichten, Brunnen graben, Tiere pflegen in den ebenso schönen wie armen Urlaubsorten dieser Welt.

Wie sinnvoll oder nachhaltig es ist, als Laie Häuser zu bauen und Kinder zu unterrichten, sei dahingestellt. Der Personaler, der zwischen dir und dem Traumjob steht, sieht das in deinem Lebenslauf aber vielleicht sehr gerne.

Der große Urlaub hat als Freizeitoase ausgedient. Cocktails schlürfen und sonnen können sich Lebenslaufoptimierer nicht erlauben. Sie nutzen die freie Zeit lieber für einen weiteren Bulletpoint im CV.

Qualität vor Quantität?

Was für Schlaf, Dating und Urlaub greift, macht auch vor der Zeit mit den Liebsten nicht Halt. Statistiken zeigen, dass die Deutschen ihren Partnern immer weniger Zeit einräumen: Immerhin führt jeder Achte für das Studium oder die Karriere inzwischen eine Fernbeziehung. Unter der Woche arbeiten, am Wochenende wieder die "soziale Komponente". Da bleibt wenig Zeit für gepflegtes Binge-watching mit der besseren Hälfte. In der Community von e-fellows.net fällt zu dem Thema der Begriff der Quality Time:

Hobbys, die man gemeinsam mit dem Partner teilt, fühlen sich wirklich wie Quality Time an. Ganz im Gegensatz zu den Zeiten, wo man einfach nur zusammen auf dem Sofa sitzt.

Die wenige Zeit, die bleibt, muss also möglichst sinnvoll genutzt werden. Ziel ist eine bewusster gelebte Zweisamkeit. Aber was bedeutet das? Hat es mehr Quality-Potential, die ersten Schritte des gemeinsamen Kindes zu sehen oder sind die ersten Worte hochwertiger?

Grundsätzlich sei es sinnvoll, Quality Time miteinander verbringen zu wollen, sagt Psychologin Nadine Salomon. Aber es werde oft versucht, etwas messbar zu machen, was nicht messbar ist. "Viel besser wäre es, sich Zeitfenster einzuplanen, in denen man mal keiner Kennzahl und keinem Ideal genügen muss. Es ist viel leichter, einen Qualitätskatalog abzuarbeiten, anstatt das automatische Bewertungssystem einfach mal abzuschalten. Aber nur so können wir unsere Freizeit dazu nutzen, zu uns selbst zu finden."

"Freizeit sollte nicht fremdbestimmt sein"

Salomon rät dazu, die Freizeit nicht von der Arbeitsmentalität durchdringen zu lassen: "In der Arbeitszeit sind wir durchgetaktet und fremdbestimmt. Das beginnt im Kindergarten, setzt sich in der Schule fort und endet schließlich im Büro. Wenn wir auch unsere Freizeit fremdbestimmen lassen, übersehen wir irgendwann unser eigenes Bedürfnis nach Ruhe. Das Ergebnis ist Stress – und ein Teufelskreis aus To-Do-Listen und Kennzahlen."

Optimieren wir schlussendlich dein Leseerlebnis und kommen zu einem Fazit: Auch, wenn wir alle einen inneren Drang nach Optimierung verspüren, sind Effizienz und Produktivität schwierige Maßstäbe für unsere Freizeit. Obwohl Petrarca in den letzten 600 Jahren viel verpasst hat, traf er mit seiner Binsenweisheit einen Nerv der modernen Arbeitswelt: Tu was für dich und komm zur Ruhe! Dafür muss es doch eigentlich auch eine App geben …

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Dieser Optimierungs- und Selbstdarstellungszwang ist der erste Schritt in Richtung Burnout. Man müsste sich viel öfter kritisch mit der Arbeits-, Konsum- und Leistungsgesellschaft auseinandersetzen. Es gibt ein Recht auf Faulheit. Arbeit & Konsum verkommen mehr zum Selbstzweck der eigenen Selbstsucht wie dieser Artikel zeigt.

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