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Adrenalinkick durch Arbeit

Diese Erkenntnisse decken sich mit den Ergebnissen der schon zitierten Work-Life-Balance-Studie. Trotz der außergewöhnlichen Belastung empfinden vier Fünftel aller deutschen Führungskräfte die erhöhte Arbeitsbelastung als herausfordernd oder gar als normal. Ganze 95 Prozent betonen, dass ihnen ihr Job Spaß mache. Viele der Befragten berichten davon, dass ihnen extreme Leistungen einen Adrenalinkick verschaffen. Das Phänomen hat sogar einen Namen: "Flow".

Flow: Motivation und Konzentration im Einklang

Der Flow-Zustand wurde erstmals von dem ungarischen Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi beschrieben. Ursprünglich wurde der Begriff nur auf die Momente zwischen Angst und Euphorie angewandt, die manche Extremsportler bei der Bewältigung großer Herausforderungen erreichen. Inzwischen bezeichnet Flow einen Schaffensrausch, in dem Konzentration und Motivation in idealer Weise zusammenwirken. Menschen, die im Flow arbeiten, gehen völlig in ihrer Tätigkeit auf, vergessen Zeit und Umgebung, sind ganz Handeln – und fühlen sich dabei glücklich. "Mir macht die Arbeit viel mehr Spaß, wenn ich Termindruck habe und weiß, dass das, was ich gerade tue, wichtig und sinnvoll ist. Da vergesse ich gern alles andere und sage auch mal die eine oder andere Verabredung ab", beschreibt ein Stipendiat diesen Zustand. Wer im Flow arbeitet, ist nicht nur glücklicher, sondern auch wesentlich produktiver als der Kollege, der keinen Flow empfindet.
Glücksgefühle am häufigsten bei der Arbeit

Befragt man Menschen, wann sie sich besonders glücklich fühlen, nennen sie meist Freizeitaktivitäten. Untersuchungen, bei denen die Probanden gebeten wurden, sich immer dann, wenn sie sich glücklich fühlten, eine Notiz zu machen, zeigten, dass das gar nicht stimmt: Die meisten Glücksmomente treten bei der Arbeit auf. Nur ist einem das in der Rückschau oft gar nicht bewusst.

Nur noch ein Jahr...

Die Sache hat allerdings einen Haken: Flow kann süchtig machen. Ergebnis ist der Workaholic, dessen Sozialleben und Gesundheit unter der extremen Belastung zu leiden beginnen. Auch die befragten Extremjobber aus der Work-Life-Balance-Studie gaben in der Mehrheit an, den Job so nur noch ein paar Jahre machen zu wollen. Unter Studenten, die in die Beratung gehen wollen, hört man oft: Ich mache das zwei, drei Jahre lang, und dann wechsle ich in ein Unternehmen, wo es ruhiger zugeht. Der Wunsch nach erheblich kürzeren Arbeitszeiten ist auch und gerade unter den Höherqualifizierten da – spätestens, wenn die Familienplanung ins Spiel kommt.

Die geregelte Trennung von Beruf und Privatleben ist eine vergleichsweise junge Erfindung. In der vorindustriellen Zeit gab es keine "Freizeit". Ob auf dem Hof, im Haus, oder im Handwerksbetrieb: Zu tun gab es immer etwas. Zu diesem Zustand, so Soziologen, kehren wir zurück. Grund ist die neue Flexibilität und Mobilität. Wer unterwegs oder zu Hause vom Laptop aus arbeitet, am Wochenende schnell noch ein paar E-Mails verschickt und im Urlaub an der Präsentation herumbastelt, bei dem verwischen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit.

Vollzeitarbeit macht nicht effektiver

Der Nachteil daran: Wer auch zu Hause immer im Standby-Modus ist, bei dem kommt die Erholung leicht zu kurz. Doch ausgiebige Entspannung ist für die Leistungsfähigkeit entscheidend. Teilzeitkräfte zum Beispiel arbeiten oft genauso effektiv wie Vollzeitarbeitende, weil sie sich aufgrund der längeren Erholungsphasen besser konzentrieren können.
Freizeitmanagement

Wer wenig Freizeit hat, sollte die also genauso ernst nehmen wie seinen Job. Ganz wichtig ist es, bewusst auf Erholungspausen zu achten. Wer bis nach Sonnenuntergang im Büro hockt, sollte sich einen Ruck geben und morgens eine halbe bis ganze Stunde früher aufstehen. Spazieren gehen, Rad fahren, joggen oder schwimmen: Sonnenlicht und frische Luft machen fröhlich, beugen depressiven Verstimmungen vor und verscheuchen die Müdigkeit.

Mach doch, was du willst

Sport – ohne Druck und Wettkampfcharakter! – ist ein unverzichtbarer Ausgleich. Ansonsten gilt: Erlaubt ist, was Spaß macht. Menschen, die Wandern, Bergsteigen oder Tanzen zu ihren Hobbys zählen, berichten am häufigsten von tief empfundener Entspannung und Freude. Und wie wäre es mit einer Chor-Mitgliedschaft? Es mag merkwürdig klingen, aber Singen löst nachweislich ebenso tiefe Glücksgefühle aus wie Sex oder Essen und stimuliert sogar die körpereigenen Abwehrkräfte.

Ab in die Natur

Auch Naturerlebnisse und gemeinsam mit Freunden verbrachte Zeit werden im Rückblick als besonders wertvoll erlebt und heben noch tagelang die Stimmung. Zeitkiller wie Fernsehen, Computerspiele oder stundenlanges, zielloses Surfen im Internet machen dagegen meist schlapp und passiv und sollten nur ganz kontrolliert genutzt werden – notfalls mit Stoppuhr.

Abschalten lernen

Auch wenn man am Sonntag am liebsten 14 Stunden durchschlafen würde: Es ist für die Erholung entscheidend, dass man einen regelmäßigen Schlafrhythmus beibehält. Anders als das Gehirn liebt unser Körper Routine. Einschlafschwierigkeiten? Darunter leiden viele, die im Job sehr engagiert sind. In Stressmanagement-Seminaren und Entspannungskursen kann man lernen, das Gedankenkarussell einfach mal abzuschalten. Ähnliche Ziele verfolgen Meditationstechniken und Yoga. Einige große Firmen bieten solche Kurse für ihre Mitarbeiter sogar während der Arbeitszeit an. Ansonsten hat das Fitnessstudio um die Ecke sicher etwas Passendes zu bieten.

Jammerer ernst nehmen

Wenn Familienangehörige und Partner sich über zu wenig Aufmerksamkeit beklagen und Freunde sich nicht mehr melden, weil sie davon ausgehen, dass man ohnehin keine Zeit für sie hat, sind das ernstzunehmende Warnzeichen dafür, dass das Sozialleben leidet. Also: Beschwerden nicht als Jammerei abtun, sondern das Gespräch suchen und sich selbst hinterfragen: Ist es wirklich nötig, dass ich so viel arbeite? Oder bleibe ich abends absichtlich länger in der Firma, weil die Kollegen nett sind und mich zu Hause nur der nörgelnde Freund oder die vorwurfsvolle Freundin erwartet?
Warum mache ich das alles eigentlich? Wer so unter Strom steht, dass er nur noch funktioniert, der vergisst oft, innezuhalten und sein Handeln in einem größeren Zusammenhang zu reflektieren. Um sich seiner Motive und Emotionen bewusst zu werden und seelischen Ballast abzuwerfen, gibt es ein altbewährtes Mittel: Tagebuch führen.

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Kommentare (5)

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  1. Anonym

    Ich habe das Gefühl, dass nur eine bestimmte Kategorie von Menschen an den Interviews teilgenommen hat. Menschen, die Ihren Fokus auf Ego und Materielles legen, aber nichts oder nur sehr wenig von Moral, Familie, Gesundheit halten. Fitnessstudio und Büro... klingt nach einem sehr langweiligen Leben. Und nicht jeder, der 10h im Büro sitzt ist auch 10h produktiv. Manche schaffen die gleiche Arbeit innerhalb von 6h. Das Konzept ist veraltet und stellt die Wirtschaft, den Chef, das Geld an die erste Stelle, aber nicht den Menschen und die Familie. Mich macht dieser Artikel oder vielleicht solche Sichtweise auf die Welt sehr traurig und da gründe ich lieber mein eigenes Unternehmen.

  2. Anonym

    Ich finde der Artikel ist deutlich zu unkritisch. Diese Annahme, dass höheres Gehalt mit mehr Arbeit linear zusammen hängt ist doch Blödsinn, bzw. sollte nicht so gelebt werden. Wer qualifizierter ist, schafft mehr Wert in kürzerer Zeit und sollte doch pro Stunde mehr verdienen, nicht einfach absolut. Ich bin in einer Top Strategieberatung und würde auf gut 1/3 meines Gehalts verzichten, wenn ich jeden Abend um 20 Uhr nach Hause gehen könnte. Die Kultur ist aber noch eine andere und ja, es wird gerne lange gesessen, ob notwendig oder nicht. Das wird letztlich ein Grund sein, warum ich aus der Beratung raus gehen werde, trotz Top Ranking und Förderung unter den Top 10 in Österreich und Deutschland auf meinem Level - mein Lebensmodell sieht eigentlich anders aus und das musste ich erst langsam realisieren und nun umsetzen. Viele Grüße (aus dem Büro)

  3. Anonym

    Ich weiß nicht was ihr wollt...

    sich mit seiner Arbeit zu identifizieren ist doch des Deutschen Liebstes. Es heißt im Deutschen immer: Ich bin: Arzt, Anwalt, Richter..... Ich finde wenn man "leben" will braucht man nicht viel! Wichtiger ist es Mensch zu sein. Es heißt z.B. in Polen: Ich arbeite als die oder das. Niemand identifiziert sich da mit seinem Job und solche Menschen sind im Schnitt viel glücklicher und zufriedener. Okay die fahren auch nicht alle Porsche oder sonst einen Luxusschlitten, aber sie sind zu Hause und sind glücklich! Wenn man sich für so einen Weg der Arbeit entscheidet soll sich am Ende auch nicht beschweren.

  4. Anonym

    So ein Quark

    Es geht hier um Arbeitnehmer. Wenn Du Hartz IV beziehst, bist Du keiner.

  5. Anonym

    Soso...

    ...mehr Arbeitszeit bedeutet also für qualifizierte Arbeitnehmer mehr Geld? Das wäre ja schön. Wenn man als M.A. lieber seine eigene Idee umsetzten will als eine ausgeschriebene Promotionsstelle mit festgelegtem Thema anzunehmen, kann es schnell passieren, daß man den Doktor auf HartzIV schreibt. Und dann bekommt man für die 80-Stunden-Woche nette 544 Euro Hartz plus 100 Euro Gehalt aus dem Nebenjob...das ist dann wahnsinnig unbefriedigend und es wird schwierig, Bücher, Meßfahrten und Kopien zu finanzieren. Von einer Proportionalität zwischen Arbeitszeit und Gehalt ist da leider nichts zu sehen.

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