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Wie erfahre ich, was meine Kollegen verdienen?

Firmengebäude Nacht Fenster Licht [Quelle: pixabay.com, Autor: PublicDomainPictures]

Quelle: pixabay.com, PublicDomainPictures

Wir Deutschen reden nicht gern übers Gehalt. Aber neugierig sind wir trotzdem. Wer mutig ist, fragt den Betriebsrat.

Fast jeder fragt sich mal, ob er wirklich genug Geld verdient. Da in Deutschland unter Kollegen traditionell wenig über das Gehalt gesprochen wird, fischen wir dabei oft im Trüben. Die meisten haben zwar eine grobe Ahnung, wo sie in etwa stehen. Wer den Verdacht hat, mehr zu verdienen als die Kollegen, schweigt aber oft darüber, weil Neid am Arbeitsplatz sehr unangenehm werden kann. Auch wer sich am unteren Ende vermutet, schweigt oft aus Scham und Furcht vor Ansehensverlust, weil das eigene Gehalt auch als Gradmesser für die Wertschätzung der eigenen Arbeit betrachtet wird und Menschen schnell in Hackordnungen denken, sobald sich Ranglisten erstellen lassen. Viele ältere Arbeitsverträge enthalten sogar eine Schweigepflicht, was das Gehalt angeht. Solche Klauseln sind zwar nichtig und kommen in neueren Arbeitsverträgen daher kaum noch vor, doch die alten Vorbehalte sind geblieben.

Im Internet stacheln uns derweil etliche Portale zum Gehaltsvergleich an: "Verdienen Sie genug?", heißt es gleich auf mehreren Gehaltsportalen. Zu den größten gehören etwa Gehalt.de und die Stellensuchmaschine Stepstone. Wer will, kann dort seine persönlichen Daten preisgeben. Im Gegenzug bekommt man dann einen kostenlosen Gehaltsvergleich per E-Mail. Gehalt.de vergleicht unsere Daten mit ähnlichen Fällen in Deutschland und zusätzlich noch mit Daten aus Unternehmen. Man erfährt eine Gehaltsspanne, die üblich für die eigene Stelle ist. Damit die Datenbank von Internetnutzern nicht mit falschen Daten gefüttert wird, werden alle Nutzerdaten noch mal von Mitarbeitern auf Plausibilität geprüft. Auch extreme Abweichungen fallen raus - die obersten und untersten zehn Prozent der Angaben werden in die Berechnung der Lohnspannen nicht einbezogen.

Solche Gehaltsportale sind freilich heikel. Wer will schon im Internet seine Gehaltsdaten an ein privates Portal schicken - ohne ganz genau zu wissen, was damit geschieht? Gehalt.de versichert zwar, die Daten zu anonymisieren und nicht an die Werbeindustrie weiterzuverkaufen, doch mancher Nutzer bleibt skeptisch. Datenschützer warnen schließlich regelmäßig vor einem zu sorglosen Umgang mit persönlichen Daten im Netz und mahnen zur "Datensparsamkeit".

Wer den privaten Gehaltsportalen misstraut, kann seine Daten auch den Machern des Portals des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung geben. Das gewerkschaftsnahe Forschungsinstitut bietet seit 2004 unter www.lohnspiegel.de einen Lohn- und Gehaltscheck: "Die Umfrage ist umsonst und anonym, die Daten bleiben bei uns und werden an niemanden verkauft", versichert Heiner Dribbusch, Leiter des Referats Tarif- und Gewerkschaftspolitik. Rund 7.000 Menschen füllen jeden Monat den Fragebogen aus, eine E-Mail-Adresse muss man hier nicht angeben. Das Ergebnis ist eine Punktschätzung des Gehalts eines Berufes, allerdings bleibt die Schätzung grob, immerhin wird die Zahl der Berufsjahre berücksichtigt.

Einen ganz anderen Weg eröffnet seit mehr als einem Jahr das "Entgelttransparenzgesetz", das noch die frühere Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) durchgeboxt hat: Wer in einem großen Unternehmen mit mindestens 200 Mitarbeitern arbeitet, kann laut dem Gesetz Auskunft darüber verlangen, was Arbeitskollegen des anderen Geschlechts in gleicher oder gleichwertiger Tätigkeit brutto im Monat verdienen. Auskunft bekommt man allerdings nur dann, wenn es mindestens sechs Kollegen des anderen Geschlechts in einer vergleichbaren Tätigkeit gibt.

Eigentlich sollte das Gesetz die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen verringern, aber man kann es auch aus reiner Neugier anwenden. Um die Anonymität zu wahren, erfährt man auch nicht die tatsächlichen Entgelte einzelner Kollegen, sondern lediglich den sogenannten Median, also das Gehalt der Person genau in der Mitte der Vergleichsgruppe, wenn man die Kollegen nach der Höhe ihres Bruttogehalts aneinanderreihen würde. Auch die Namen der Kollegen bleiben anonym.

Wer eine solche Anfrage stellen will, wendet sich einfach an den Betriebsrat, falls es einen gibt, ansonsten an die Personalabteilung. Betriebsrat oder Personalabteilung bestimmen dann auch, welche Personen zur Vergleichsgruppe gehören. Die Anfrage muss in Textform gestellt werden, also schriftlich oder einfach per E-Mail. Formlos genügt, wer es besonders akkurat machen will, kann auch ein Musterformular des Familienministeriums verwenden, das man auf dessen Internetseite herunterladen kann. Innerhalb von drei Monaten muss die Antwort erteilt werden.

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