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Wie gehe ich mit schwierigen Kollegen um?

Kritik, Chef, Streit [© Fotolia.com]

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Nörgler, Diva oder Hektiker: Am Arbeitsplatz treffen sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander. Eine Herausforderung.

Fast alle Menschen, die schon länger im Berufsleben sind, können eine Geschichte über einen schwierigen Kollegen erzählen. Da wäre zum Beispiel der ewige Nörgler. An allem und jedem hat er etwas auszusetzen, und das verkündet er ungefragt in der Dauerwiederholspur: "Früher war alles besser, und der neue Geschäftsführer hat auch keine Ahnung."

Den ewigen Nörgler mit sachlichen Argumenten vom Gegenteil zu überzeugen ist unmöglich. "Wenn Sie für sich sagen, ich kann das dauerhaft ignorieren und eine gesunde emotionale Distanz zu dem Nörgeln aufbauen, kann Weggehen und Weghören eine Lösung sein", schlägt Yvonne Faerber vor, Trainerin und Coach. Sie ist für das Unternehmen Profil M tätig, das in Wermelskirchen Beratung für Führungskräfteentwicklung anbietet.

Die Psychologin Faerber warnt allerdings vor dem, was sie "emotionales Rabattmarkenkleben" nennt: Dem ewigen Nörgler schweigend zuzuhören und innerlich Wut über sein Verhalten anzustauen sei eine schlechte Idee. Irgendwann könne sich der Zorn dann gewaltig Bahn brechen. Es kann zu heftigen Szenen kommen - Ausflippen, Herumschreien, Türenknallen. "Menschen, die viel herumnörgeln, haben oft den unbewussten Wunsch nach Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit", erklärt Yvonne Faerber. "Nach dem Motto: Wenn wir zusammen jammern, sind wir ein Team." Es könne helfen, Verständnis für die Sichtweise des Nörglers zu zeigen - ohne diese zu übernehmen, etwa: "Ich verstehe, dass es in der Corona-Krise schwierig für Sie ist, die wirtschaftliche Ungewissheit auszuhalten."

Zu den schwierigen Typen gehört auch die Diva. Sie verlangt nach voller Aufmerksamkeit und dass alle im Team nach ihren Regeln spielen. Diven sind nicht unbedingt nur Frauen - man denke nur an bekannte Fußballer und Hollywood-Schauspieler. "Man braucht eine Mannschaft, die extravagantes Diva-Verhalten toleriert", sagt Dietrich von der Oelsnitz, der das Institut für Unternehmensführung und Organisation an der TU Braunschweig leitet. "Kollegen machen das nur, wenn die Person Spitzenleistungen erbringt und das ganze Team mit hochzieht. Dann kann sie sich etwas mehr herausnehmen - sonst nicht."

Es gibt noch viel mehr schwierige Typen, denen wir im Arbeitsalltag begegnen - wie etwa der chronischen Chaotin, dem Vielredner und dem operativen Hektiker. Wenig überraschend, schlägt die Beraterin Yvonne Faerber vor, mit schwierigen Menschen zu reden. "Der erste Schritt besteht darin, den Kollegen anzusprechen und ihm unter vier Augen ein konstruktives und wertschätzend formuliertes Feedback zu geben", sagt sie.

Ähnliches empfiehlt Hannes Zacher, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Uni Leipzig: "Erst einmal sollte man das Gespräch suchen und in der Ich-Perspektive schildern, was einen stört und warum", sagt er. Vielleicht merkt die Mitarbeiterin ja nicht von sich aus, dass es nervt, wenn sie ihre dreckigen Kaffeetassen auf den Schreibtischen ihrer Kollegen stehen lässt.

Wann empfinden wir ein Verhalten überhaupt als seltsam oder unangemessen? Ist es das überhaupt? Zunächst einmal gelten Gesetze und für viele Branchen auch ethische Richtlinien. Alkohol am Arbeitsplatz, Gewalt gegen Schutzbefohlene, Betriebsspionage, Korruption, Mobbing - all das ist nicht zu tolerieren. Dann hilft nur der sofortige Gang zum Chef oder Betriebsrat.

Für andere, vermeintlich schwierige Verhaltensweisen gibt es kaum einen allgemeingültigen Maßstab. "Es liegt an der Persönlichkeitsstruktur jedes Einzelnen, wie er mit Ärger umgeht: Reagiert er konstruktiv, schießt er zurück, oder geht er in die Defensive?", fragt Dietrich von der Oelsnitz. "Solche persönlichen Eigenschaften sind schwer zu ändern."

Der Betriebswirt warnt davor, Kolleginnen und Kollegen pauschal als "schwierig" einzuordnen. Wir neigten dazu, den Fehler zunächst beim Menschen zu suchen. Stattdessen empfiehlt er, auch die Arbeitsumstände zu betrachten: Ist Frau Özdemir so hektisch, weil ihre Arbeitszeit kaum ausreicht, um die vielen Aufgaben zu erledigen? Können Frau Meier und Frau Müller nicht miteinander kommunizieren, weil die Technik nicht funktioniert? Es gebe noch viele andere Faktoren zu beachten, sagt von der Oelsnitz, zum Beispiel "ungeeignete Anreizsysteme".

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