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Meister der Utopie

Elon Musk Jeff Bezos Bill Gates [Quelle: shutterstock.com, Autor: Kathy Hutchins, lev radin, Frederic Legrand]

v.l.: Elon Musk, Jeff Bezos, Bill Gates

Bill Gates und Jeff Bezos führen die weltweite Liste der Milliardäre an, Elon Musk ist auf dem Weg an die Spitze. Die drei Techunternehmer denken und handeln überraschend ähnlich. Fünf Erfolgsregeln, die auch anderen helfen, ihre Ziele zu erreichen.

Bill Gates greift unter das Rednerpult, zieht ein Glas hervor und hält es in die Höhe. Darin: menschliche Fäkalien. Reinvented Toilet Expo heißt die Messe in Peking, die der Milliardär vor gut eineinhalb Jahren mit veranstaltet. Hunderte Millionen Dollar hat er Wissenschaftlern gezahlt, damit sie eine Lösung finden für das, was er nun emporreckt – und was in armen Ländern ohne Abwassersystem ein enormes Problem ist. Nun steht Gates auf der Bühne, berichtet von Geräten, die jene braune Masse in energiereiches Methangas, ja sogar in Trinkwasser verwandeln sollen. Gelingt es, die Techtoilette zu etablieren, verbessert das nicht nur weltweit die Hygiene. Es würde auch neue Geschäfte ermöglichen.

Nach dem Auftritt feiert der US-Komödiant Ronny Chieng Gates dafür, dass es dem Milliardär gelungen sei, aus Scheiße Geld zu machen. Wieder einmal.

Gates hat ein Gespür für gute Geschäfte. Die 1975 von Gates und seinem Schulfreund Paul Allen gegründete Softwarefirma Microsoft machte ihn zeitweilig zum reichsten Menschen der Welt. Mit einem anfangs ziemlich mittelmäßigen, von vielen gar gehassten Betriebssystem namens Windows. Auf mehr als 100 Milliarden Dollar wird sein Vermögen geschätzt. Und die Software legte den Grundstein für weitere Investitionen. In Start-ups, die Großes versprechen. Und in die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, die durch Impfkampagnen und andere Projekte bis heute Millionen von Menschenleben gerettet haben.

Gates gehört mit Amazon-Gründer Jeff Bezos sowie Tesla-Chef und SpaceX-Gründer Elon Musk zu einer kleinen Gruppe von Supermilliardären, die die Welt verändern. Weil sie ein verlässliches Gespür für Trends besitzen und früh die enormen Möglichkeiten von Technologien erkennen. Von manchen werden sie dafür bewundert, von anderen misstrauisch beobachtet. Gibt es eine Milliardärsformel, die ihren Erfolg erklärt? Welchen Regeln folgen Gates, Bezos und Musk, wenn sie ihre Visionen entwickeln – und ihren Reichtum mehren?

Regel 1: Je utopischer, desto besser!

Als der Technologiekonzern IBM Anfang der Achtzigerjahre seinen ersten Personal Computer entwickelt, hat diese neue Maschine nicht mal im Unternehmen viele Freunde. Die kleinen Rechner gelten als Nischenprodukte, als wenig profitabel. Und so hat IBM dafür nicht einmal ein eigenes Betriebssystem. Das lässt der Konzern bei einer kleinen Programmschmiede, die damals noch Microsoft heißt, entwickeln. Dass PCs jedes Büro und jeden Haushalt erobern und jemand mit dem Verkauf von Programmen für die Maschinen Milliarden verdienen könnte, gilt bei IBM als unvorstellbar. Kunden bekommen Software damals kostenlos für ihre teuren Großrechner dazu.

Gates mit seiner Firma Microsoft aber erkennt, welches Geschäft in der Ablösung der Großrechner durch PCs steckt, welche Gewinne mit der Software winken. Dass er Kunden das Betriebssystem für gerade mal ein paar Dollar pro Rechner lizenziert, tun bei IBM viele achselzuckend als Fehlentscheidung ab. Dabei ist es ein Prinzip, auf dem auch andere Softwareanbieter später ihr margenstarkes Geschäft aufbauen: einmal programmiert, millionenfach verkauft.

Elon hat ein gewaltiges Ego, er ist sehr stolz auf sich selbst.

Jim Cantrell, Früherer SpaceX-Manager

Wer seiner Zeit voraus ist, stößt mit seiner Idee oft auf Unverständnis. Das erlebt nicht nur Gates: Die Mutter von Amazon-Gründer Jeff Bezos rät ihrem Sohn Mitte der Neunziger, seinen Onlinebuchhandel lieber nach Feierabend zu betreiben, statt den Job dafür zu kündigen. Und als Elon Musk 2004 bei Tesla als Investor einsteigt, etwas später das Ruder übernimmt, gilt es als unmöglich, dass es ein neu gegründeter E-Autohersteller mit etablierten Konzernen wie BMW und Daimler aufnehmen könnte.

Genauso wenig glaubten viele Nasa-Ingenieure vor 20 Jahren, dass ein Raumfahrt-Start-up wiederverwendbare Raketen bauen könnte. Doch Musk ist schon damals getrieben von der Idee, dass der Mensch in den nächsten Jahrzehnten eine “multiplanetare Spezies“ wird, die auch auf anderen Planeten als der Erde zu Hause ist. Als er 2001, kurz vor der Gründung von SpaceX, versucht, in Russland eine Rakete zu kaufen, spuckt ihm der leitende Chefingenieur, der den Raumtransporter entwickelt hat, verächtlich vor die Füße. Musk ist um die 30, gekleidet in Jeans und T-Shirt und hat sich als Internetunternehmer vorgestellt, der eine Mars-Mission plant. Der Russe fühlt sich von ihm auf den Arm genommen. “Ich sah, wie der Ingenieur innerlich zu kochen begann. Irgendwann sagte er, dass dies eine wunderbare Maschine sei, die nicht zum Verkauf an Schwachköpfe steht“, berichtet der Luft- und Raumfahrt-Experte Jim Cantrell. Als Mitglied des Gründungsteams von SpaceX hat er Musk damals nach Russland begleitet.

Wer sich gegen solche Widerstände durchsetzen will, muss von seiner Sache begeistert sein und vom Detail ins Große denken. Gates etwa liebt Hamburger und hat erkannt, dass es nicht genug Agrarfläche gibt, um mit Rindern zukünftigen Bedarf zu decken. Die Diskrepanz zwischen Nachfrage und Angebot ist immens – und damit bietet die Lösung des Problems auch enorme Chancen. Für einen Strategen wie Gates ist klar: Wer es schafft, die Lücke zu schließen, dem gehört der Fleischmarkt der Zukunft.

Inzwischen finanziert er eine ganze Reihe von Start-ups, die an einer nachhaltigen Zukunft der Fleischherstellung arbeiten, zum Teil sogar gottgleich Fleisch entstehen lassen. Memphis Meats etwa, wo Gates 2017 einsteigt, lässt aus tierischen Stammzellen im Labor Muskelfleisch wachsen. Das Unternehmen plant für 2021 erste Retortenprodukte. Oder Impossible Foods, ein Start-up aus Kalifornien, das – ähnlich wie das inzwischen auch in Deutschland bekannte Unternehmen Beyond Meat – Fleischersatz aus Soja herstellt. Den Fleischgeschmack erhält die Veganbulette durch pflanzliches Leghämoglobin, das dem Hämoglobin im tierischen Blut ähnelt. Und schließlich Ginkgo Bioworks, ein Start-up, das die DNS von Hefepilzen und Bakterien so umprogrammiert, dass die alle möglichen organischen Rohstoffe herstellen können, auch das Leghämoglobin für die veganen Buletten.

Noch deutlicher zeigt sich Gates’ Glaube ans Unvorstellbare bei einem anderen Investment: Seit einigen Jahren ist er Teilhaber von Intellectual Ventures, einem von zwei früheren Microsoft-Managern im Jahr 2000 gegründeten Patentverwerter. Ein wichtiges Asset in dessen Portfolio sind Rechte an sogenannten Metamaterialien. Das sind neuartige, künstlich hergestellte Strukturen mit magnetischen oder elektrischen Eigenschaften, wie sie in der Natur nicht vorkommen. Sie können elektromagnetische Wellen, aber auch Schall extrem gut beeinflussen. Intellectual Ventures hat mehrere Start-ups ausgegründet, in die Gates weiteres Geld pumpt: etwa Evolv, das hochpräzise Sicherheitsscanner für Flughäfen verspricht, Terrapower, das eine neue Generation sicherer Atomreaktoren entwickeln soll, oder Kymeta, das eine kompakte Satellitenantenne für den Internetempfang aus dem All baut.

Spricht man mit Menschen, die Gates, Musk und Bezos kennen, wird klar: Es ist selten das Heute, das die Unternehmer bewegt, sondern die Zukunft. Musk will den Mars besiedeln. Gates investiert in Technik, die den Übergang zu einer smarten, nachhaltigen Ökonomie ebnet. Seine Vision ist “ein bildungsorientiertes, gesundes Leben, in dem alle Menschen unabhängig von der Herkunft eine gute Perspektive haben“, sagt Herbert Mangesius, Partner bei Vsquared Ventures, einer deutschen Wagniskapitalfirma, die Geld in Deep-Tech steckt. Deep-Tech heißen Start-ups, die das Potenzial haben, mit komplexen, völlig neuen Technologien die Welt zu verändern.

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