Partner von:

Servicewüste deutsche Unis?

Bibliothek geschlossen

Quelle: freeimages.com, el_aquacil

So macht Studieren Spaß: Offene Türen, wohin dein Auge blickt, bei der Studentenberatung, beim Prüfungsamt, bei den Dozenten. Die Bibliothek ist 24 Stunden geöffnet; eine automatische Ausleihe garantiert dir den vollen Service rund um die Uhr. Jede Fakultät verfügt über Rechnerräume mit Internetanschluss. Selbstverständlich sind sie immer offen. Wenn du möchtest, kannst du dir dort Dokumente ausdrucken oder auf CD brennen.

So macht Studieren Spaß: Offene Türen, wohin dein Auge blickt, bei der Studentenberatung, beim Prüfungsamt, bei den Dozenten. Die Bibliothek ist 24 Stunden geöffnet; eine automatische Ausleihe garantiert dir den vollen Service rund um die Uhr. Jede Fakultät verfügt über Rechnerräume mit Internetanschluss. Selbstverständlich sind sie immer offen. Wenn du möchtest, kannst du dir dort Dokumente ausdrucken oder auf CD brennen. 

Dream a little dream...

Ein Traum? Leider ja. Die Realität an den meisten Hochschulen in Deutschland sieht so aus: Sprechstunden bei Dozenten sind Glückssache. Wenn du in den Semesterferien jemanden erreichen möchtest, ist das dein Problem. Internetanschlüsse können auch mal nicht funktionieren - und das über mehrere Wochen. Die Bibliothek schließt normalerweise um 19 Uhr, während der vorlesungsfreien Zeit aber auch schon mal drei Stunden früher. 

Muss das sein? 

Was bedeutet eigentlich Service an der Uni? Ein Fremdwort? Wenn du unter "Service" auf der Homepage von Universitäten nachschaust, findest du dort Gemischtes: Die Beratung und Betreuung von Studenten gehört ebenso dazu wie Rechenzentren oder Hochschulsport und Kindertagesstätten. Das Spektrum der Dienstleistungen hört sich meist gut an. Der Haken ist ein anderer: Er liegt im Umgang mit den Angeboten. Was nicht unbedingt sein muss, gibt es nicht. Die "umfassende Beratung" schrumpft so schnell zu einer Stunde Öffnungszeit während des Semesters. 

Ausreichend bis mangelhaft

Umfragen zur Zufriedenheit der Studenten mit ihren Hochschulen gibt es. Die Ergebnisse werden aber nur selten veröffentlicht. Eine Umfrage des trendence-Instituts für Personalmarketing aus dem Jahr 2001 zeigt allerdings: Die rund 3.000 befragten Wirtschaftsstudenten in Deutschland vergaben vorwiegend schlechte Noten.

  • Mit einer 4,6 (auf einer Skala von 1-6) bewerteten die WiWis Qualität und Aktualität ihrer Bibliotheken.
  • Gerade mal eine 4,2 erhielt die EDV-Infrastruktur.
  • Für den Umfang und die Qualität der studentischen Aktivitäten gab es eine 4,1.

Gar nicht egal: Startchancen der Studenten

Eins wird dabei deutlich: Insbesondere für Wirtschaftsstudenten sind Hochschulen keine wirklichkeitsfernen Musentempel, sondern Dienstleistungsunternehmen. Private Hochschulen betonen ihre "Kundenorientierung". Doch nicht nur die zahlende Klientel ist von Interesse. "Keiner Hochschule kann es heutzutage egal sein, wie gut sie ihre Studenten aufs Berufsleben vorbereitet", sagt Rosmarie Schwartz-Jaruß, Leiterin des Referats Beruf und Wissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin. Gute Serviceleistungen tragen auch zu einem effizienten Studium bei. Doch können Career-Center, Internetportale für den Praxisaustausch und studentische Initiativen wettmachen, was an grundlegendem Service an den Unis fehlt?

Das sagen die Verantwortlichen

Wer ist eigentlich verantwortlich für Service an der Uni? Wie gehen diese Verantwortlichen mit dem Thema "Kundenorientierung" um? Dazu haben wir drei Spezialisten gefragt.

Beispiel 1: Die kundenorientierte Uni 

"Alles an der Uni muss kundenorientiert sein!" heißt die Devise von Professor Hans H. Bauer vom Lehrstuhl für Allgemeine BWL und Marketing an der Uni Mannheim. Abgesehen von den Lehrinhalten, die nicht nach "Publikumsgeschmack" gehen könnten, müsse alles andere an den Studenten orientierte Dienstleistung sein, so der Professor weiter. Er weiß, wovon er spricht: Vor drei Jahren hat das Land Baden-Württemberg die Uni Mannheim für ihre besonders kundenorientierte Verwaltungsstruktur ausgezeichnet. Kein Studierender muss mehr von Pontius zu Pilatus laufen, um Information zu bekommen. Alle Servicestellen wurden zusammengefasst und in Informationszentralen unterteilt. Service ist für Professor Bauer kein Fremdwort. Spontan gibt er Tipps.

Wie kommt mehr Service an die Lehrstühle?

  • Jeder Lehrstuhl sollte den elektronischen Informationsaustausch vertiefen. Das spart allen nicht nur Zeit und Nerven. Es erleichtert auch die Verwaltung.
  • Mehr Gesprächsservice bieten! An der Uni Mannheim gibt es bei den meisten Professoren Sprechstunden nach Bedarf - zu jeder Zeit.
  • Bei Professor Bauer können Studenten nach jeder Vorlesung Fragen per E-Mail schicken. Zu Beginn der jeweils folgenden Vorlesung bespricht er dann die Fragen für alle. Ein nachahmenswertes Beispiel...

Beispiel 2: Sprechstunde um 21 Uhr 

Nadine Lucas ist die Vorsitzende des Allgemeinen Studentenausschusses an der Technischen Fachhochschule Berlin. Als Sprachrohr für viele Mitstudenten kennt sie die großen und kleinen Katastrophen an ihrer Hochschule. Als "Drama" bezeichnet sie es, Professoren in der vorlesungsfreien Zeit erreichen zu wollen. Oft habe man nur eine Telefonnummer in der Hand, unter der sich dann aber wochenlang niemand melde. Oder der Professor nimmt sich ein Forschungs-Freisemester und ist für ein halbes Jahr völlig von der Bildfläche verschwunden. Und weil es an der FH keinen akademischen Mittelbau gibt, bedeutet die Abwesenheit des Professors, keinen Ansprechpartner mehr zu haben. Nadines Verbesserungsvorschläge:

Was macht Unis studentenfreundlicher?

  • Wenn Leute nicht mehr von A nach B geschickt werden!
  • Wenn Professoren sich nicht wie typische Beamte verhalten würden.
  • Wenn der Student eine Sprechstunde beim Prof um 21 Uhr nicht mehr mit den Worten "Sie wollten doch eine Sprechstunde, was beschweren Sie sich denn!" entgegen nehmen muss.

Beispiel 3: Der College Master ist immer da 

Es ist vielleicht nicht repräsentativ für alle Hochschulen, was die International University Bremen (IUB) anbietet. Vorbildcharakter in Bezug auf Service hat es für die meisten staatlichen Unis in jedem Fall. Studenten treffen überall auf offene Türen, Sprechstunden gibt es auch noch außerhalb der regulären Sprechzeiten. Ein sogenannter 'College Master' (Mischung aus Aufseher und Beratungsstelle) wohnt auf dem Campus und ist somit immer da, wenn's ein Problem gibt. Ulrike Reimer ist "Registrar" der IUB, also zuständig für alles, was mit Formalitäten zu tun hat. "Manchmal", sagt sie, kann das natürlich ins Negative umschlagen. Zum Beispiel, wenn Studierende gar nichts mehr selbst organisieren wollen. Wenn sie versuchen, den ganzen "Verwaltungskram" auf eine andere Person abzuwälzen. Doch Ulrike Reimer weiß, wie es noch besser funktionieren kann:

Wie kann eine Uni ihren Studenten maximalen Service bieten?

  • Indem Dozenten mit Studenten zusammenarbeiten, nicht gegen sie.
  • Wenn Hochschulen Dienstleistung als "Hilfe zur Selbsthilfe" verstehen.

Meinungen der e-fellows

Wie sieht es denn nun wirklich an den Unis aus? Trifft das Bild von der Servicewüste zu oder gilt vielmehr: Die Wüste lebt? Wir haben drei e-fellows.net Stipendiaten gefragt, die jeweils sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Service an ihrer Hochschule machen.

Das sagt die Statistik

Paradiesische Zustände für die Studenten in Konstanz: Seit dem Sommersemester 2001 gibt es dort die "24-Stunden-Bibliothek". Sie öffnet montags um 8 Uhr und schließt erst wieder freitags um 23 Uhr. Selbstverständlich ist die Bibliothek auch am Wochenende sowie an Feiertagen für Studenten offen. Doch damit nicht genug der Annehmlichkeiten: Am Eingang gibt es einen Sandwich- und Getränkeautomat, bei der Ausgangskontrolle kannst du dir telefonisch eine Pizza bestellen. Ein privater Wachdienst dreht seine Runden; ängstliche Leser können sich außerdem einen Alarmpiepser mit in ihre einsamen Bücherecken nehmen. Wer will da noch über mangelnden Service meckern?

Goldenes Mittelmaß?

Ist die Servicewüste also nur Einbildung? Nein! Das Schlaraffia-Angebot der Uni-Bibliothek Konstanz ist ein Einzelfall. Die Mehrheit der Studenten kennt solche Beispiele nur vom Hörensagen. Das zeigte auch eine Sonderauswertung aus einem Hochschulranking von Stern und CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) aus dem Jahr 2001. Beide bringen alljährlich ein aktuelles Hochschulranking heraus. Der 'normale' Service an Hochschulen bekam damals Noten im Mittelfeld; kaum ein Angebot wurde mit besonders guten Noten (Skala von 1-6), kaum eines aber auch mit besonders schlechten Zensuren beurteilt.

Kriterium Architektur Germanistik
Zentrale Studienberatung 2,87 3,02
Berufsberatung/Career Center 4,08 3,62
Erreichbarkeit von Dozenten 3,31 2,78
Besprechung von Klausuren/Hausarbeiten 3,30 2,32
Öffnungszeit Bibliotheken im Semester 2,48 2,39
Kriterium Informatik Jura
Zentrale Studienberatung 2,90 2,88
Berufsberatung/Career Center 3,13 3,71
Erreichbarkeit von Dozenten 2,29 2,90
Besprechung von Klausuren/Hausarbeiten 2,10 2,24
Öffnungszeit Bibliotheken im Semester 2,11 1,90

An der Befragung nahmen Studierende von rund 70 Universitäten und Gesamthochschulen in Deutschland teil. Die Ergebnisse stammen aus drei verschiedenen Jahrgängen: Architekturstudenten wurden im Jahr 2000 befragt, Germanistikstudenten 2001, Informatiker und Juristen 1999. Insgesamt nahmen 1999 etwa 8.500 Studierende teil, 2000 waren es etwa 8.700 und 2001 rund 18.500. Weitere Fragen zu dieser Sonderauswertung? Schick eine Mail an: Sonja.Berghoff@CHE.de

Kein Bezug zum Beruf

Zum ersten Mal nachgefragt im Jahr 2001: Angebote zur Förderung des Berufsfeld- und Arbeitsmarktbezugs. Hier verteilten Studenten geisteswissenschaftlicher Fächer die schlechtesten Noten. Für die "Vermittlung von Diplomarbeitsthemen in Zusammenarbeit mit der Praxis" gab es bei den Historikern eine 3,93; Germanisten verteilten im Schnitt lediglich eine 4,09. Wenig Lob auch für die "Hilfe bei der Stellensuche von Absolventen": Die Noten dümpeln fachübergreifend im Viererbereich.

Muss das sein?

Ob letztgenannte Beispiele zu den Aufgaben einer Hochschulen gehören, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Jeder Student hat in Bezug auf Service wohl eine andere Toleranzschwelle. Gehört für den einen Berufsberatung zum Standardprogramm jeder Uni, ist das für einen anderen keineswegs Aufgabe einer Hochschule.

nach oben

Du hast eine zündende Idee für einen Artikel auf e-fellows.net? Schreib für uns als Gastautor. Wir freuen uns auf deine Beiträge!

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren