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"Zu viele Manager in Schockstarre"

Schock, Verzweiflung, Mann, Laptop [Quelle: unsplash.com, Autor: Sebastian Herrmann]

Quelle: unsplash.com, Sebastian Herrmann

Lieferketten sind unterbrochen, Aktienkurse stürzen ab – und die Mitarbeiter sind verunsichert. Führungskräfte sind in diesen Tagen besonders gefordert. Vier Ratschläge für Manager, um die Coronakrise zu meistern.

Das Coronavirus macht vielen Menschen Angst. Anke Brinkmann aber bleibt gelassen – Krisen zu managen ist Teil ihres Jobs. Die 47-Jährige leitet bei den Berliner Stadtwerken die Stabsstelle Coronavirus. Einmal pro Woche sitzt sie mit drei Kollegen im Krisenstab zusammen und geht eine Stunde lang jeden Unternehmensbereich durch: Was muss geregelt werden? Welche Infos werden benötigt? Was sind die nächsten Schritte? So beschloss die Runde auch, dass Externe nun keinen Zutritt mehr aufs Gelände bekommen: Führungen werden abgesagt. In der Kantine dürfen keine Gäste von außerhalb mehr speisen.

Das Krisenmanagement der Berliner Stadtwerke mit ihren 6.000 Mitarbeitern mag vergleichsweise klein sein. Denn in Deutschlands größten Konzernen tagen gleich mehrfach am Tag riesige Krisenstäbe, in denen Dutzende Manager aus allen Abteilungen sitzen. Was aber alle Unternehmen gleichermaßen betrifft: Die Unsicherheit ist groß – Kunden kaufen nicht mehr, Lieferketten sind unterbrochen, Aktienkurse stürzen ab. Kleinere Firmen trifft das besonders hart. Krisenmanagerin Brinkmann kennt solche Zeiten. Sie war schon da, als 2009 die Schweinegrippe die Menschen verunsicherte. Was bei Corona neu ist: "Das Ausmaß des Virus ist nicht vollständig vorhersehbar."

Ob Sars-Epidemie, Finanzkrise oder Coronavirus: Jedes Mal reagieren Menschen verunsichert. Sie fürchten um ihre Gesundheit und ihren Arbeitsplatz. So ist in der Krise vor allem eine Berufsgruppe gefordert: die Manager. Sie müssen die Firma vor der wirtschaftlichen Infektion mit dem Virus schützen, ihre Mitarbeiter beruhigen, einen kühlen Kopf bewahren. Dabei handeln auch sie in einem Umfeld absoluter Unsicherheit. Zurzeit weiß eben niemand wirklich, wie sich die Situation entwickeln wird. Eine schwierige Aufgabe.

"Viele Führungskräfte fallen bei Krisen in eine Schockstarre", beobachtet Berater Jörg Krauter, Gründer und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Synk Group. "Sie können nur noch eingeschränkt handeln, treffen oft falsche Entscheidungen." Aber schiebt der Chef Panik, ängstigt das auch die Mitarbeiter – die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise verstärken sich.

Und so wird Sars-CoV-2, wie das neuartige Virus offiziell heißt, zur Bewährungsprobe für gute Führung, sagt Hannes Zacher. Der Professor für Arbeitspsychologie an der Universität Leipzig weiß: "Wer trotz der Unsicherheiten vorangeht und sich als Krisenmanager profiliert, qualifiziert sich für Höheres." Doch wie sollten Manager in der Krise auftreten? Wie bekommen sie ihre Ängste in den Griff ? Und worüber sollten sie mit ihren Mitarbeitern sprechen? Vier Ratschläge, die nicht nur derzeit, sondern grundsätzlich in Krisenzeiten helfen.

Ratschlag 1: Newsticker mal ausschalten

Gerade Manager müssen in diesen Tagen völliger Unsicherheit Ruhe bewahren. Der Grund: Sie haben im Büro eine Vorbildfunktion, sagt Arbeitspsychologe Zacher. Denn: Wir neigen dazu, "uns an Menschen zu orientieren, die einen höheren Status haben". Und wenn die Führungskraft nicht verunsichert wirkt, sind auch die Mitarbeiter beruhigter.

Bei Krisenmanagerin Brinkmann sind es sogar die Mitarbeiter, die bei ihr für Gelassenheit sorgen. Allen ist klar, dass die Entscheidungen des Krisenstabs nicht zur Diskussion stehen, sie werden einfach umgesetzt, berichtet die Leiterin des Gesundheitsmanagements der Berliner Stadtwerke. "Jetzt zeigt sich, wie ein Unternehmen zusammenarbeitet. Das kann im besten Fall das Wirgefühl stärken." Was die Managerin auch vor Panik bewahrt: Die Rollen für den Krisenstab standen schon fest. Die Stadtreinigung gehört schließlich zur Daseinsvorsorge. Heißt: Straßenreinigung und Müllabfuhr müssen auch unter widrigen Umständen funktionieren. Verschiedene Krisenpläne lagen schon in der Schublade.

Dennoch ist das Coronavirus neu. Die Lage muss täglich aktuell bewertet und eingeschätzt werden. Wie kann es gelingen, nicht in ängstliche Schockstarre zu verfallen? Psychologen raten dazu, sich regelmäßig über die Entwicklung zu informieren, um sich klarzumachen, dass es im Alltag größere Risiken als das neuartige Virus gibt. Aber: "Führungskräfte sollten sich auch nicht zu viel mit dem Coronavirus beschäftigen, damit sie nicht in Panik verfallen", sagt Zacher. Heißt: Zwischendurch den Newsticker ausschalten, stattdessen das nächste Projekt vorbereiten. Schon kleine Verhaltensänderungen sorgten für Sicherheit, urteilt Zacher: regelmäßig die Hände waschen und Kontakt mit augenscheinlich Erkälteten vermeiden.

Krisenmanager Krauter empfiehlt Managern, die Coronakrise als Change-Projekt zu begreifen, in der es wegen der anstehenden Veränderungen ja auch Unsicherheiten gibt. "So können Führungskräfte die Krise mithilfe bekannter Strukturen wieder handhabbarer machen und sind der aktuellen Situation nicht hilflos ausgeliefert", sagt der Experte. Wie in einem Change-Projekt sollten Manager auch in der Krise nur schrittweise agieren, um sie zu bewältigen. "Das Projekt Krise kann nicht bis zum Ende durchgeplant werden", sagt Krauter.

Ratschlag 2: Die Rechtslage kennen

In Krisenzeiten haben Manager besondere rechtliche Fürsorgepflichten: Um gesundheitliche Gefahren aller Art von der Belegschaft fernzuhalten, ist ein Geschäftsführer generell zu einer "vorausschauenden Gefährdungsbeurteilung verpflichtet", sagt Norbert Pflüger, Arbeitsrechtsanwalt aus Frankfurt. Daraus kann das Management Handlungsempfehlungen ableiten. Beispiele für die aktuelle Coronakrise, um die Ansteckungsgefahr zu senken: Händeschütteln zur Begrüßung unterlassen, Desinfektionsmittel am Eingang und in den Toiletten aufstellen, Meetings nur noch per Videokonferenz abhalten oder die Belegschaft in der Firmenzentrale ausdünnen, indem entsprechend ausgerüstete Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt werden.

Wenn Manager gegen diesen rechtlichen Rahmen verstoßen, ist das kein Kavaliersdelikt: Wer durch Corona in Schockstarre verfällt und vergisst, den Gesundheitsschutz umzusetzen, dem droht ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro.

Diese gesetzliche Verantwortung für die Gesundheit der Mitarbeiter lässt sich auch nicht abwälzen, weder an eine Krisen-Taskforce noch an die Personalabteilung. Und wer vorsätzlich gegen die Vorschriften des Infektionsschutzgesetzes verstößt, riskiert sogar 25.000 Euro Strafzahlungen. Schlimmer noch: Wer dadurch vorsätzlich Krankheitserreger verbreitet, muss mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen.

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