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Tipps zur Vermeidung von Sabotage im Büro

Dan Cable, Verhaltensökonom an der London Business School, hat zwei Arten von Konkurrenzdenken identifiziert: jenes, das Angst und Stress auslöst, weil es darauf abzielt, dass Mitarbeiter ihren Job oder ihren Bonus verlieren oder öffentlich als Minderleister zur Schau gestellt werden. Und jenes Wettbewerbsdenken, das eher auf Vorfreude ausgelegt ist – etwa darauf, den Bonus zu erhalten, statt ihn zu verlieren oder für die eigene Arbeit mit einem Preis ausgezeichnet zu werden. "Angst und erregte Vorfreude sind zwei sehr unterschiedliche emotionale Reaktionen auf Konkurrenz", schreibt Cable mit zwei Co-Autoren in der Management-Fachzeitschrift "Harvard Business Review". Was noch wichtiger sei: "Diese Emotionen führen dazu, dass sich Menschen unterschiedlich verhalten." So konnten die Experten in mehreren Studien nachweisen, dass der Treiber Angst in Konkurrenzsituationen häufiger zu Sabotage und unethischem Verhalten führt. Während die Treiber Vorfreude und Aufregung die Kreativität beflügeln.

Was bedeutet das für den Arbeitsalltag? Forscher Van Quaquebeke rät Managern, dass sie ihre Angestellten nicht vor der versammelten Mannschaft vergleichen sollten, das schüre Neid. Besser: In Einzelgesprächen auf die individuelle Entwicklung eingehen. Was auch hilft: Manager sollten ihre Mitarbeiter anhalten, nicht mit den eigenen Kollegen, sondern mit anderen Teams oder anderen Firmen in den Wettstreit zu gehen – auch das befriedigt den menschlichen Vergleichstrieb. Weitere Ratschläge für Fairness im internen Wettbewerb finden Sie im Kasten auf dieser Seite.

Übertriebenes Konkurrenzdenken im Job gilt heute vielfach als Symbol einer "toxischen Männlichkeit", die weibliche Führungskräfte am Aufstieg hindere. Experimente zeigen, dass Männer in der Tat mehr Zeit in Wettbewerb investieren als Frauen. "Männer haben zwar keine anderen Moralvorstellungen als Frauen", sagt Petra Nieken, die am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) den Lehrstuhl für Human Ressource Management leitet. "Sie schätzen aber ihr Umfeld kompetitiver ein – und sabotieren folglich auch mehr."

Über solche Geschichten hat Wiebke Köhler ein ganzes Buch geschrieben. Für "Schach der Dame" hat die ehemalige Personalvorständin mit 50 Frauen in Führungspositionen gesprochen und festgestellt: "Beim Wettbewerb im Büro geht es in erster Linie darum, herauszufinden, wer Verbündeter und wer Gegenspieler ist." Viele Frauen würden den Feind in ihrem Büro jedoch unterschätzen – und deshalb langfristig auf dem Weg nach oben ausgebremst. Mit ihrem Buch will Köhler "ein Bewusstsein für diese unausgesprochenen Spielregeln" in Großkonzernen schaffen.

Ob es einem gefällt oder nicht: Gerade für kompetente und aufstiegswillige Frauen wäre es fatal, wenn über die Rolle von Konkurrenz und Wettbewerb am Arbeitsplatz gar nicht mehr offen gesprochen werden darf, weil offiziell alle im Unternehmen nur noch kooperieren. Wer den fairen Wettkampf nach Leistung unterdrückt, fördert erfahrungsgemäß den unfairen.

Im Extremfall kann dann aus Missgunst Mobbing werden – mit dem Ziel, den Kollegen um jeden Preis loszuwerden. Im Falle von Zimmermann haben seine Gegner genau das geschafft: Die junge Führungskraft hat das Unternehmen verlassen. "Ich wurde nicht wirklich ernst genommen, musste immer doppelt und dreifach argumentieren, während Vorschläge einiger Kollegen durchgewunken wurden." Also ging er zur Konkurrenz.

*Name von der Redaktion geändert

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