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Der Weg zum Praktikum im Osten

Die Liebe war es, die e-fellow Andreas (25) für Ungarn begeisterte. Da seine Freundin Ungarin ist, wollte er bei einem Praktikum das Land besser kennen lernen. Bei der Budapester Niederlassung einer Schweizer Logistik-Firma wurde der angehende Wirtschaftsingenieur der TU Dresden fündig.

Die Liebe ist zwar ein guter, aber sicher nicht der einzige Grund für ein Praktikum in der Region zwischen Balkan und Baltikum. Schließlich bietet ein Praktikum dort nicht nur die Chance, die neuen Mitglieder oder Nachbarn der Europäischen Union, ihre Kultur, Sprache und Entwicklung kennen zu lernen. So ein Praktikum ist auch etwas Besonderes im Lebenslauf - zumal die Wirtschaft in Mittel- und Osteuropa seit der EU-Erweiterung noch wichtiger für Deutschland geworden ist.

Sprache: Ohne Grundkenntnisse wird es schwierig

Die größte Hürde für ein Praktikum in Mittel- und Osteuropa ist die Sprache. Zwar sprechen in Ungarn und Tschechien viele Menschen gut Englisch und Deutsch. So gut, dass sich zum Beispiel e-fellow Andreas im vergangenen Jahr bei seinem Praktikum nur mit diesen beiden Sprachen durchschlagen konnte. Im Nachhinein sagt er aber: "Gerade bei so einer Firma ist es von Vorteil, wenn man Ungarisch kann." Vor Ort willst du sicher Kontakt zur Außenwelt haben und wirst nicht nur einkaufen, sondern dir vielleicht auch eine Wohnung suchen müssen. Deshalb ist es vor einem Praktikum wichtig, sich Basiskenntnisse der jeweiligen Landessprache anzueignen.

Als Student bist du dabei in einer komfortablen Lage. Denn die meisten deutschen Hochschulen bieten kostenlose Sprachkurse an. Russisch gehört zum Standard und in großen Unis kannst du von Bulgarisch über Rumänisch oder Ungarisch die meisten Sprachen der Region lernen. Auch Polnisch ist manchmal im Programm, seltener Ukrainisch (mehr zum Polnisch-Lernen erfährst du in unserem Länderteil zum Studium in Polen).

Kurse für baltische Sprachen, wie sie die Uni Münster anbietet, sind eine Ausnahme. 

Vor Ort die Sprache lernen

Natürlich lernst du die Sprache noch besser direkt in dem Land, in dem du ein Praktikum machen möchtest. Einige mittel- und osteuropäische Unis haben dafür Sommersprachkurse im Angebot. Für Sommerkurse, die zum Vertiefen von Grund- kenntnissen dienen, vergibt der Deutsche Akademische Auslandsdienst Teilstipendien. Eine Übersicht findest du unter www.daad.de. Teilweise bieten auch deutsche Studenten- initiativen Sprachkurse an. Die "Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa" (www.gfps.org) veranstaltet zum Beispiel Tandem-Sprachkurse für deutsche und polnische Studenten. Wenn du schon ein wenig eine Sprache beherrschst, kannst du auch selbst ein Sprachtandem mit einem ausländi- schen Studenten bilden. Die meisten Unis oder ihre Studenten- organisationen bieten dazu Kontaktseiten im Internet an.

Bewerbung: Viel Zeit dafür einplanen

Als erster Schritt zur erfolgreichen Praktikumsbewerbung empfiehlt sich: nachdenken. "Man sollte sich vorher gut überlegen, was man vom Praktikum möchte", rät Katrin Bergholz, die die Praktikumsbörse Osteuropa am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin betreut. Wer beim Praktikum vor allem seine Sprachkenntnisse verbessern wolle, könne beispielsweise Deutsch-Kurse an einer Sprachschule in einem mittel- oder osteuropäischen Land geben. "Man bekommt unbürokratisch ein Praktikum in einer Sprachschule und hat dann auch Kontakt mit den Menschen vor Ort", sagt Bergholz. Wenn du dagegen auch fachlich vom Praktikum in Ländern wie Russland, Ungarn oder Slowenien etwas mitnehmen möchtest, wird die Suche aufwändiger. Denn über die großen Internet-Jobbörsen (eine Übersicht findest du in unserer Rubrik Jobs & Karriere) ist es schwierig, ein passendes Angebot zu finden. 

Auch Studentenorganisationen können dir helfen

Speziell für Praktika in Mittel- und Osteuropa eingerichtete Praktikumsbörsen gibt es nicht - mit Ausnahme der Börse der FU Berlin. Sie bietet nicht nur aktuelle Praktika, sondern auch hilfreiche Tipps, eine Menge Erfahrungsberichte von Praktikanten sowie eine umfangreiche Liste mit Links zu Organisationen, die Praktika in Mittel- und Osteuropa vermitteln oder selbst anbieten. Zu den Vermittlern gehören insbesondere Studentenorganisationen wie AIESEC oder ELSA - im unten stehenden Kasten sind die Austauschorganisationen nach Fächern aufgelistet. Zu den größten Anbietern von Praktika in der Region gehören nach wie vor internationale Einrichtungen, Stiftungen oder Nicht-Regierungsorganisationen. Wenn du bei der EU oder beim Auswärtigen Amt in Mittel- oder Osteuropa ein Praktikum machen willst, musst du dich aufgrund der vielen Bewerber mindestens ein Jahr vorher darum bemühen.

 enügend Zeit solltest du ebenfalls einplanen, wenn du bei der Niederlassung eines renommierten deutschen Unternehmens ein Praktikum machen willst. Denn oft vergeben sie Praktika im Ausland nur an Studenten, die bei ihnen bereits ein Praktikum in Deutschland gemacht haben. Den e-fellows bieten unsere Partnerunternehmen allerdings auch Auslandspraktika an, ohne dass du vorher bereits im Unternehmen gearbeitet haben musst (zu unserer Praktika-Suche geht es hier). Derzeit bietet dort zum Beispiel Bosch ein Praktikum im Einkauf in Ungarn an. 

Genau absprechen: Was kann ich dort tun?

In der Regel ist aber viel Eigeninitiative und ein wenig Pioniergeist gefragt. e-fellow Andreas fragte bei seiner Suche nach einem Praktikum in Ungarn selbst bei den deutschen Firmen mit Niederlassungen im Land an. "Den größten Erfolg hat man dabei, wenn man sich direkt in der deutschen Zentrale bewirbt. Bei Direktbewerbungen in Ungarn wussten die zum Teil nicht so recht, was sie mit mir anfangen sollen, da man Praktika wie bei uns nicht so kennt", erzählt der e-fellow. Auch in der Logistik-Firma sollte er der erste deutsche Praktikant in Ungarn sein. Das weist auf den nächsten wichtigen Punkt hin: Vor deinem Auslandspraktikum solltest du unbedingt mit dem Unternehmen absprechen, was du genau vor Ort tun kannst und sollst. Bei e-fellow Andreas wussten die Mitarbeiter der ungarischen Niederlassung anfangs nicht genau, was er machen könnte. Doch dann bekam er ein kleines Projekt, an dem er selbstständig arbeiten konnte - der Erfahrung aus anderen Praktika in Deutschland sei Dank. So programmierte Andreas ein Reportingsystem, das dem Lagerleiter wöchentlich und monatlich alle wichtigen Lagerkennzahlen liefert. "Im Tagesgeschäft hätte ich nicht mitarbeiten können", sagt Andreas ehrlich.

Finanzierung: Welche Stipendien es für Praktika gibt

 "Eine Bezahlung ist nicht üblich" - das ist die Erfahrung von Katrin Bergholz von der Osteuropa-Praktikumsbörse der FU Berlin. Zwar gibt es Ausnahmen, dennoch solltest du dir auf jeden Fall schon beim Planen deines Praktikums Gedanken machen, wie du es finanzierst. Für Auslandspraktika gibt es verschiedene Stipendienprogramme: Die EU fördert mit ihrem Leonardo-da-Vinci-Programm noch im Jahr 2013 Auslandspraktika in ihren Mitgliedsstaaten und den offiziellen Beitrittskandidaten - allerdings nicht für Studierende. Als Student hingegen musst du dich beim DAAD (www.daad.de) oder bei deinem zuständigen Akademischen Auslandsamt nach ERASMUS-Stipendien erkundigen. Auf der Website des DAAD kannst du dich nach Ländern geordnet informieren. Weitere Förderprogramme findest du in unserer Stipendiendatenbank.

Aufenthaltsbestimmungen: In den neuen EU-Ländern ist der Aufenthalt für ein Praktikum nach den Erfahrungen von Katrin Bergholz von der Osteuropa-Praktikumsbörse der FU Berlin inzwischen problemlos möglich, ebenso in Rumänien. In den ehemaligen GUS-Staaten sei es dagegen nicht so einfach. "Die größten Probleme gibt es mit Russland", sagt sie. Denn dort ist eine Einreise ohne Visum nicht möglich. Günter Müller-Grätschel, Referatsleiter Internationaler Praktikantenaustausch beim DAAD, sieht hier allerdings die Praktikumsfirmen in der Pflicht: "Wenn zum Beispiel ein Jurist in Moskau ein Praktikum findet, dann soll die Firma, die ihn möchte, sich auf den Weg machen, ihm eine Einladung schreiben und zu den Behörden gehen." Auch bei der Wohnungssuche sollte die Praktikums- stelle helfen. Nach der Erfahrung von Katrin Bergholz sind die Praktikumsstellen in Mittel- und Osteuropa aber meist hilfsbereit. Außerdem gibt es Reisebüros, die dir ein Visum besorgen können - dieser Service ist jedoch kostenpflichtig.

Egal, wo das Praktikum stattfindet, macht es laut Katrin Bergholz auf jeden Fall Sinn, mindestens ein halbes Jahr vorher die jeweilige Botschaft zu kontaktieren und sich dort über die Bestimmungen zum Aufenthalt zu informieren. Denn außerhalb der EU gibt es zum Teil recht unterschiedliche Vorschriften, wie lange dein Reisepass bei Einreise noch gültig sein muss oder wie du für den Aufenthalt krankenversichert sein musst. Ein guter Startpunkt für die Recherche über die genauen Einreise- bestimmungen ist die Website des Auswärtigen Amtes.

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