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Zwischen Bibel und Business

"Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch." So predigt Jesus seinen Jüngern. Doch was heißt das für mich als gläubiger Hochbegabter oder als christlicher Unternehmer? Will Gott überhaupt, dass ich Erfolg habe?

Wer hat, dem wird gegeben

Offenbar schon. Oder wie lässt es sich anders erklären, dass viele bekennende Christen in Deutschland sehr erfolgreich mittelständische und große Unternehmen führen? "Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat." Auch das steht in der Bibel - im Gleichnis von den Talenten. Und auch das: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen."

Christen- und Unternehmertum - passt das?

Zwischen diesen Polen pendelt das Selbstverständnis christlicher Unternehmer. Inwiefern sind christliche Werte mit kapitalistischen Vorgehensweisen überhaupt vereinbar? Über solche Fragen tauschen sich gläubige Unternehmer in zahlreichen christlichen Unternehmerverbänden aus: Im Bund katholischer Unternehmer, bei Christen in der Wirtschaft oder weltweit in der International Christian Chamber of Commerce.

Tageslosung per E-Mail

Beispiele für erfolgreiche christliche Unternehmer gibt es viele: Heinrich Deichmann, Geschäftsführer von Europas größter Schuhladen-Kette, stellt seinen Mitarbeitern eine eigene Kapelle in seinem Unternehmen zur Verfügung. Ludwig Georg Braun, Vorstandsvorsitzender der B. Braun Melsungen AG, versorgt seine Mitarbeiter per E-Mail täglich mit der aktuellen Tageslosung. Doch auch Claus Hipp, Babynahrung-Hersteller, Christiane Underberg, Geschäftsführerin der Underberg KG, Manfred Maus, Gründer der OBI Baumärkte, Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, oder Peter Barrenstein, Berater bei McKinsey, praktizieren ihren Glauben im Arbeitsleben.

Die Finanzkrise als Strafe Gottes

Aktuelles Thema vieler Gespräche: Die Finanzkrise. Wären alle Unternehmer gläubig, die Finanzkrise hätte vielleicht verhindert werden können. Davon ist zumindest e-fellow Jan Thomas Otte überzeugt: "Angst und Gier bewegen die Märkte. Beides habe ich nicht mehr, wenn ich mit Jesus durch die Krise gehe. Denn Gott lehrt mich Maßhalten und Nächstenliebe. Vielleicht will Gott uns mit der Finanzkrise etwas sagen?"

Langsames Wachstum statt schnellem Profit

Mit dieser Meinung ist Jan Thomas in guter Gesellschaft. Denn viele christliche Unternehmer setzen eher auf langsames, aber stetiges Wachstum als auf riskante Geschäfte. "Langsam, aber stetig zu wachsen, ist erfolgversprechender, als sich der Gefahr der Überdehnung und der Fremdkapitalabhängigkeit auszusetzen", erklärte Ludwig Georg Braun den CiW Wirtschaftsnachrichten in einem Interview. Auch wenn man in der Finanzkrise keine Strafe Gottes sieht, verstärkt sich der Eindruck: Christliche Werte erfahren in der Wirtschaft derzeit eine Renaissance. Pure Profitgier, für die sich vor kurzem noch kein Unternehmen schämen musste, ist auf einmal verpönt, Bescheidenheit liegt im Trend.

Will Gott die 60-Stunden-Woche?

Wer als Unternehmer erfolgreich sein will, muss viel Zeit in sein Unternehmen investieren. Doch kann es von Gott gewollt sein, dass ich wegen eines langen Geschäftsalltags kaum noch Zeit für meine Familie und noch weniger Zeit für die Gemeinde habe? Auch mit dieser Frage mühen sich viele christliche Unternehmer. "Ich werde einmal vor Gott stehen und er wird mich fragen, was ich mit dem gemacht habe, was er mir geschenkt hat", glaubt zum Beispiel e-fellow und Jungunternehmer David. Eine Frage, die man als Christ nicht auf die leichte Schulter nimmt.

Wann hilft dir dein Glaube im Job oder in der Uni?

"Am Anfang vom meinem Studium kam ich mit der räumlichen Trennung von Studien- und Heimatort nicht gut zurecht: Zu den neuen Eindrücken kamen Zweifel, ob denn Jura das Richtige sei. Es hat mir geholfen, diese Fragen Gott im Gebet zu nennen, und zu vertrauen, dass er meine Schritte lenken wird. Ich habe auch gemerkt, dass ich dabei nicht unselbstständig bleibe - nach dem Motto "Gott macht das schon" - sondern wachse und Gott erfahre als einen Schöpfer, der sich bei seiner Schöpfung etwas gedacht hat. Gott hat mich bei meinen Problemen abgeholt, aber mir auch gezeigt, dass es um mehr geht als um Noten oder den passenden Studiengang. Glaube hilft mir, mich weniger mit anderen zu vergleichen. Ich glaube, dass das Leben mit Gott immer ein Gewinn ist. Einfach, weil Gott den Menschen versteht."

Wann hilft dir dein christliches Netzwerk?

Ich habe über mein christliches Netzwerk einen Mentor gefunden, der sich für mich Zeit nimmt. Ich finde es auch bereichernd, Gebetsanliegen an Freunde weitergeben zu können oder sich mit Gleichgesinnten in einer Gemeinde auszutauschen.

Glaubst du, dass du dein Unternehmen anders führen würdest, wenn du kein Christ wärst?

"Ich verbinde mit Christsein auch, dass ich einmal vor Gott stehen werde und er mich fragen wird, was ich mit dem gemacht habe, was er mir geschenkt hat. Diese Frage ist sehr wichtig für mich. Mir wird dabei deutlich, dass dann nicht zählen wird, wie viel Geld ich verdient habe, sondern ob ich etwas Gutes bewirkt habe. Ich freue mich, dass ich etwas aus meinem Leben machen darf und Gott einmal darüber berichten kann. Das erzeugt echt einen positiven Drive - und ich hoffe, dass meine Mitarbeiter, Geschäftspartner oder Kunden davon profitieren."

Zwischen den Stühlen statt auf dem Schleudersitz

Vielleicht kommen christlichen Unternehmern gerade ihre Nachdenklichkeit und ihre Zweifel im Geschäftsleben zu Gute. Denn Vorsicht bewahrt vor allzu riskanten Entscheidungen. So sitzen christliche Unternehmer zwar manchmal zwischen allen Stühlen - aber in Krisenzeiten zumindest nicht auf dem Schleudersitz.

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