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Katastrophen am ersten Arbeitstag

Chaos am Arbeitsplatz [Quelle: unsplash.com, Dmitry Ratushny]

Quelle: unsplash.com, Dmitry Ratushny

Als neuer Mitarbeiter versucht man am ersten Arbeitstag vor allem eines: irgendwie unauffällig durchkommen. Drei anonyme und wahre Geschichten von Menschen, denen alles Mögliche gelungen ist – nur das nicht.

Endstation Tiefgarage

An meinem ersten Arbeitstag hatte ich von Minute eins an ein mulmiges Gefühl, da mich meine neue Chefin mit bleichem Gesicht und mehr als kurz angebunden begrüßte. "Richten Sie sich doch bitte Ihren Arbeitsplatz ein", sagte sie mechanisch. Dann wandte sie sich wieder ihrem Telefonhörer zu, während sich ihr Blick in den Rücken eines Mitarbeiters bohrte, der rauchend vor der Glastür des Büros stand. Wenigstens er schenkte mir ein beiläufiges Kopfnicken. Erleichtert über die erste freundliche Geste ging ich mit ausgestreckter Hand auf ihn zu, doch ein finsteres Gesicht schnitt mir den Weg ab. Es gehörte zu einer Frau, die mir in todernstem Ton mitteilte: "Ich werde Sie jetzt durch das Haus führen." Ihre Miene duldete keine Widerrede.  

Unsere Tour startete im Sekretariat am Büroschrank, dessen Inhalt sie mir sehr ausführlich erklärte. Nachdem wir alle Materialien sämtlicher Schubladen inspiziert hatten, liefen wir kreuz und quer durch das Gebäude. "Sie sollten sich mit den Gängen schon einmal vertraut machen", betonte sie, "das Haus ist nämlich recht verzwickt. Es gibt Stockwerke, auf denen es nicht weitergeht: Sackgassen!" Während sie sprach, hoffte ich auf ein Lebenszeichen in den leergefegten Fluren. Die Gesellschaft dieser Frau, die sich als Team-Mitglied vorgestellt hatte, war mir unheimlich. Doch es war erst kurz nach acht Uhr morgens und die meisten Mitarbeiter offenbar noch nicht da. "Am besten, wir gehen alles auch einmal anders herum, damit Sie noch ein besseres Gefühl für die Wege bekommen."

Nachdem ich jede Abteilung der Firma kennengelernt hatte – nur leider unbesetzt –, führte unser Irrweg in die verdunkelte, ebenso ausgestorbene Kantine, wo meine Fremdenführerin versuchte, mich zu einer Pause zu überreden. Wie lange gedachte sie, mich noch ohne erkennbaren Grund in die entlegensten Winkel des Gebäudes zu treiben? Und nun eine Kaffeepause mit ihr allein in der verwaisten Kantine? Dankend lehnte ich ab – und bereute es sofort: "Dann werde ich Ihnen jetzt die Tiefgarage zeigen" sagte sie, ein fieberhaftes Lächeln auf den Lippen. Ich bekam es mit der Angst zu tun.

"Wie nett, dass Sie mir alles gezeigt haben", sagte ich erleichtert, als wir nach der beklemmenden Tour durchs unterirdische Parkplatzlabyrinth wieder im Aufzug standen. Oben – in Sicherheit angekommen – verließ sie mich endlich. Während ich in meiner Tasche nach einer Aspirin kramte, lief die Chefin plötzlich freudestrahlend und wie ausgewechselt auf mich zu: "Wo wart ihr denn die ganze Zeit?" – "Garage", murmelte ich und sank erschöpft in den Stuhl.

Erst Wochen später erfuhr ich den wahren Grund für diese absurde Tour. Der rauchende Kollege hatte am Abend zuvor das Unternehmen mit einer Waffe bedroht und sollte an meinem ersten Arbeitstag tatsächlich von der Polizei im Büro abgeholt werden. Meine Chefin erfuhr am Telefon vom geplanten Einsatz, wenige Minuten, bevor ich das Büro betrat. Natürlich wollte sie verhindern, dass ich gleich in der ersten halben Stunde einem Pulk Polizisten in die Arme lief und meine neue Firma für einen Hort des Verbrechens hielt. Daher setzte sie – zwecks Tour durch die garantiert polizeifreien Bereiche der Firma – eine mit der Situation ebenfalls überforderte Kollegin auf mich an, die mir inzwischen durchaus geheuer ist.  

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