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Berater suchen die Balance

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Consultingfirmen sehen sich wachsenden Anforderungen gegenüber. Sie müssen beweglicher und schneller werden. Welche Berater besonders gut aufgestellt sind.

Dienstort Deutschland, Kundensitz New York oder Schanghai – es ist eine immer noch neue Art von Arbeitsalltag für einige Berater bei Strategy & , der Strategieberatung der Wirtschaftsprüfung PwC. "Einige Kollegen helfen in Asien oder in den USA aus – und machen das von Deutschland aus", sagt Andreas Späne, seit Anfang Juli Europachef von Strategy &.

Zoom statt Jet, Wohnzimmer statt Wartebereich am Flughafen: Auch im Beratungsgeschäft wird immer häufiger aus der Ferne gearbeitet. Gerade international aufgestellten Consultingfirmen fällt es so leichter, die dringend benötigten Fachkräfte dort einzusetzen, wo der Kunde gerade am meisten drängelt. "Das hat es uns ermöglicht, bei der Besetzung von Projekten flexibler zu werden", sagt Späne.
Traditionell sind Berater darauf eingestellt, auf Veränderungen zu reagieren – schließlich werden sie in vielen Fällen genau für diese Aufgabe gebucht. Doch mit Coronarisiken, Lieferkettenchaos, Energiepreisunsicherheiten und Kriegswirren kommen viele Entwicklungen zusammen, die die Unbeständigkeit bei Kunden und den Beratungen selbst erhöhen. "Wir sind es gewohnt, in Krisen zu leben und zu arbeiten", sagt Späne, "das Neue ist nur, dass sich die Krisen überlagern."

Es sind ambitionierte Zeiten für Unternehmensberater. Wer wird sie gut meistern, wer die Kunden optimal unterstützen? In einer Erhebung hat das Handelsblatt Research Institute (HRI) den Consultingmarkt untersucht. In 22 Bereichen von Automobil bis Versicherungen wurden die besten Berater 2022 ermittelt. Neben den Branchengrößen, die in mehreren Kategorien vertreten sind, hat die HRI-Analyse zahlreiche Spezialisten ermittelt, die ein hohes Renommee haben.
Widerstandskraft ist gefragt in der Branche. Denn ganz vorsichtig ziehen zarte graue Wolken am jahrelang strahlend blauen Beraterhimmel auf. Der Geschäftsklimaindex für die Branche, erhoben vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen (BDU), ist für das zweite Quartal gesunken – zum dritten Mal in Folge. Gerade die größeren Marktteilnehmer blicken skeptischer auf die Auftragslage in den kommenden sechs Monaten. "Wenn es gut läuft in der Wirtschaft, ist es sehr gut für Beratungen. Wenn es schlecht läuft, ist es auch gut für Beratungen", sagt Christoph Hardt – der frühere McKinsey-Consultant ist Mitgründer der Plattform Comatch, die freiberufliche Unternehmensberater vermittelt. "Was nicht so gut ist, ist Unsicherheit."

Die renommiertesten Consultingunternehmen in 22 Beratungsfeldern [© Handelsblatt]

Der Aufwand wächst

Die Zeiten des nahezu ungebremsten Wachstums könnten vorerst vorbei sein. Das führt zu einem Umdenken – und einer Umbauphase in manchen Beratungshäusern. Ein Trend der vergangenen Jahre verstärkt sich dabei. Besonders flexibel zu sein wird zum Goldstandard. Doch die eigene Beratung dementsprechend umzubauen erhöht oft erst einmal den Aufwand.

Als Dienstleister müssen die Consultingfirmen den Unternehmen folgen. Und die sind in den vergangenen Monaten sprunghafter geworden. Immer noch existieren sorgfältig vorbereitete Transformationsprojekte, die sich zum Teil über mehrere Jahre ziehen. Doch kurzfristigere Anfragen prägen heute häufiger den Alltag, sagt Ralf Strehlau, Inhaber der mittelständischen Anxo Management Consulting und Präsident des BDU. "Man merkt, dass seit der Coronakrise die Laufzeiten der Projekte tendenziell kürzer werden. Und dass sie im Schnitt mit weniger Vorlauf starten."

So müssen die Führungskräfte auf Partnerebene, die in der Regel das Neugeschäft ranschaffen, mehr Aufwand betreiben – und genauer abwägen, welche Priorität eine dringende Kundenanfrage für sie gerade hat. "Eine erhöhte Flexibilität sorgt für einen größeren Marketingaufwand", sagt Strehlau, "in unserer Branche fährt man heute mehr auf Sicht als noch vor fünf Jahren." Global aufgestellte Häuser bringen dabei einen Vorteil mit. "Größere Beratungen sind im hohen Maße in der Lage, Ressourcen entsprechend zu verschieben", sagt Strehlau – erleichtert wird das durch Remote-Arbeit.

Zudem verfestigt sich ein weiterer Trend. Unternehmen wollen meist nicht mehr nur ein Strategiepapier von den Beratern. Sie fordern auch Hilfe ein, den Plan umzusetzen oder die Belegschaft zu trainieren. "Selbst eine größere Beratung kann nicht mehr Experten für alle Arbeiten intern vorhalten", erläutert Comatch-Gründer Hardt, "man ist glaubwürdiger für den Kunden, wenn man sich für eine spezielle Aufgabe noch jemanden dazuholt." Große Consultingfirmen haben versucht, Spezialberatungen oder Digitalagenturen dazuzukaufen, um möglichst viel aus einer Hand anbieten zu können.

Kleinere Beratungen müssen andere Wege finden, um schneller reagieren zu können. Das agile Projektmanagement gewinne für 90 Prozent von Kunden und Consultingfirmen an Bedeutung, hat das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk & Hossenfelder in einer aktuellen Studie ermittelt. "Ohne ein Netzwerk aus Partnerdienstleistern wird es künftig nicht gehen", heißt es darin.

Der Mittelstand in der Beraterwelt verstärkt sich daher zum einen über Plattformen wie Comatch und bucht freiberufliche Spezialisten hinzu. Hardt beobachtet, dass erste Beratungen diesen Einsatz zentral planen – und nicht einzelne Partner ad hoc auf die Suche gehen, weil ein Projekt drängt. Zum anderen bauen die Beratungen eigene Listen mit Freelancern auf oder verbünden sich langfristig mit Agenturen. "Man kann effizienter arbeiten, wenn man gut aufeinander eingestellt ist", sagt BDU-Präsident Strehlau. Als Generalunternehmer können sich so auch kleinere Beratungen an Projekte wagen, die vorher nicht für sie infrage kamen. Doch je mehr Parteien beteiligt sind, desto höher der Koordinations- und Kommunikationsaufwand.

Eingespielte Teams sind besonders in der aktuellen Zeit gefragt, in der sich die Umstände für Unternehmen oft kurzfristig verändern. Mit eigenen Programmen beobachten die Consultingfirmen etwa, wie sich Energiepreise entwickeln – und welche Auswirkungen das auf Kunden und das eigene Geschäft haben könnte. "Das tägliche Informationsvolumen steigt an", sagt Strategy &-Europachef Späne.

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