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Messbare Moral?

Noch gibt es eine Vielfalt von Bewertungssystemen beim ethischen Handeln von Unternehmen. Doch haben sich in den letzten Jahren Standards entwicket, die eine bessere Übersicht und Vergleichbarkeit schaffen. Alumnus Georg Neumann (27) arbeitet bei der internationalen Organisation gegen Korruption Transparency International mit Hauptsitz in Berlin und erkennt eine "Art CSR-Movement" bei Unternehmen. Neumann: "Es gibt mehr Bewusstsein dafür, dass Korruption den Markt verzerrt. Außerdem wird Korruption heute weltweit viel stärker geahndet." Zusammen mit 20 internationalen Unternehmen und Organisationen, Gewerkschaften und der Wissenschaft entwickelte die Antikorruptionsorganisation 2002 die "Business Principles for Countering Bribery". Sie sind ein Modell, wie Unternehmen das Korruptionsrisiko, wie Schmiergeldzahlungen bei der Vergabe von Aufträgen, in der Praxis vermindern können. 

Ethische Ratings für Geldanlagen

Auch bei Geldanlagen haben ethische Ratings an Bedeutung gewonnen, vor allem bei privaten Investoren. Seit 2001 existiert der so genannte Indexanbieter FTSE. Die Unternehmensgruppe brachte eine Reihe von Indices mit Namen "FTSE4Good" auf den Markt, die das soziale, ökologische und ethische Verhalten von Unternehmen messen und aufzählen. Das Problem: Hierbei werden nur Selbstauskünfte und Selbstverpflichtungen untersucht, die in der Regel nicht objektiv sind. Noch länger, bereits seit 1999, gibt es den Dow Jones Sustainability Index (DJSI). Er misst Unternehmen nach wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Kriterien. Nur die besten zehn Prozent einer Branche kommen in die Indices. Gerade Banken brüsten sich inzwischen damit, in diesen Indices gelistet zu sein, da so genannte "ethische Investments" für Banken ein gutes Verkaufsargument und für Investoren eine Gewissensberuhigung sind. 

Die Zwänge des globalen Marktes

Der globale Wettbewerb zwingt internationale Unternehmen zu einer günstigen Produktion, so dass sie ihre Waren immer häufiger in der dritten Welt und in Schwellenländern produzieren lassen. Doch herrschen dort oft menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und Defizite beim Umweltschutz. Wie sieht die moralische Mitverantwortung von Unternehmen wie Peek & Cloppenburg oder Bosch aus, die viel mit Zulieferen in wirtschaftsschwachen Ländern zusammenarbeiten?

Warum ist Corporate Social Responsibility für Peek & Cloppenburg wichtig?

Bei einem Unternehmen unserer Größe halten wir es für sehr wichtig, unserer Verantwortung gegenüber den Menschen und der Umwelt gerecht zu werden. Ein Importeur hat heute mehr Verantwortung für die Waren, die er bezieht. Er muss wissen, woher sie kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden.

Wie prüfen und überwachen Sie Ihre Zulieferer?

Wir haben ein System geschaffen, das zunächst einfach feststellen sollte, woher unsere weltweite Ware kommt. Wir haben erkannt, dass wir dafür ein wirksames Instrumentarium schaffen und vertragliche Regelungen mit unseren Zulieferern treffen müssen. Dabei greifen wir auf unsere eigenen Mitarbeiter, zum Beispiel im Einkauf zurück. Aber auch auf externe Dienstleister, die Kontrollen in den Fabriken durchführen.

Was passiert, wenn Sie ein schwarzes Schaf entdecken?

Wenn bei einem Zulieferer grundlegende soziale Standards nicht eingehalten werden, so setzen wir Sanktionen fest oder sprechen eine Warnung aus. Im Extremfall brechen wir den Geschäftskontakt auch ganz ab. Das ist aber bisher nur in wenigen Fällen vorgekommen, da wir die Standards ja in vertraglichen Regelungen festgelegt haben.

Wie zuverlässig kann ein solches Überwachungssystem sein?

Eine verlässliche Kontrolle ist bis zur vorherigen Produktionsstufe, also unseren direkten Zulieferern, möglich. Allein bei der Herstellung unserer Eigenmarken, die weniger als die Hälfte unseres Sortiments ausmachen, kooperieren wir weltweit mit bis zu 1.800 Fabriken. Wir streben an, etwa 75 Prozent des Warenvolumens in einem Zeitraum von drei Jahren durch Kontrollen abzudecken. Dabei besuchen wir Fabriken bis zu drei Mal im Jahr bis das Resultat zufriedenstellend ist.

Ihre Zulieferer müssen also bei der Gestaltung sozialer Standards mit Ihnen und jedem weiteren Großkunden extra verhandeln?

So war es früher. Doch die firmenspezifischen Anforderungen und Standards sind einfach zu verschieden, was für Zulieferer ein großes Problem darstellt. Daher haben wir die Idee mitentwickelt, firmenübergreifende, soziale Standards zu schaffen, an denen sich die Zulieferer orientieren können. Die von uns mitgegründete "Business Social Compliance Initiative" ist ein solcher Sozialstandard. An ihm beteiligen sich inzwischen über 50 Einzelhändler in Europa. Die Überwachung der Standards übernimmt nach wie vor jeder Einzelhändler in Eigenregie.

Worin liegt der Geschäftserfolg dieser Initiative?

Gewinn mit Unternehmensethik zu machen, ist nicht unser Ziel. Wir machen mit diesem Thema auch keine Werbung. Unsere Hauptmotivation liegt darin, dass wir unsere Reputation halten und unserer Verantwortung gerecht werden wollen. Diese erstreckt sich aber nicht nur auf die Arbeitsbedingungen, sondern auch auf Themen wie schadstofffreie Textilien oder die artgerechte Haltung bei Pelztierzüchtern.

Wie sorgen Sie für Umweltschutz in ihrem weltweit tätigen Unternehmen?

Wir haben weltweit zurzeit 264 Fertigungs- und Entwicklungsstandorte, die umweltrelevant sind. Einerseits prüfen wir diese Standorte intern, andererseits arbeiten wir mit einem weltweiten Steuerkreis zusammen, dem "Steering Commitee Health, Saftey and Environment". Daran sind die Regionen USA, Südamerika, Indien, Japan, China und Europa beteiligt. Auf unserer letzten Sitzung im Juli 2006 in Paris sprachen wir unter anderem über die Ziele für Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz und ihre weltweite Umsetzung. Es gibt auch die internationale Umweltnorm ISO 14001, nach der bereits 145 Standorte, vorrangig im Kraftfahrzeugbereich, zertifiziert sind. Auch binden wir unsere Zulieferer mit einer Lieferantenbewertung in unsere Umweltschutzaktivitäten ein.
 

Ist der Einsatz für den Umweltschutz nur etwas für das Unternehmensimage oder ziehen Sie auch einen geschäftlichen Nutzen daraus?

Bosch hat ein vitales eigenes Geschäftsinteresse beim Thema Umweltschutz. Denn mit einer größeren Energieeffizienz, zum Beispiel bei der Brennwerttechnik oder bei der Solartechnik, lassen sich die Produkte auch verstärkt im Markt absetzen. Mit einer besseren Einspritztechnik im Auto verringern wir Emissionen, das verbraucht weniger Sprit - ein echtes Verkaufsargument. Weniger Energieverbrauch bedeutet auch weniger Bedarf an Rohstoffen und das ist wiederum ein wichtiger Aspekt bei der Effizienz in der Produktion.

Wie lässt sich umweltfreundliches Verhalten messbar machen oder gar in Zahlen ausdrücken?

Das ist tatsächlich ein schwieriges Unterfangen. Da die Bandbreite der Produkte bei Bosch sehr groß ist, lassen sich Erfolge bei den sehr unterschiedlichen Produkten nicht einfach addieren. An einem einzelnen Produkt aber können wir die Steigerung der Effizienz messen und damit einen Erfolg in Zahlen ausmachen.

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