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Flexibel genug, um Fehler zu korrigieren

Im Gegenteil lässt sich zeigen, dass mit dem technischen Fortschritt und den mit ihm verbundenen Karrierechancen die Bedeutung frühkindlicher Bildung zugenommen hat. So hat der deutsche Ökonom Tom Krebs vor wenigen Jahren in einer vergleichenden Untersuchung die Effekte staatlicher Investitionen in Kitas und Schulen, in Universitäten und in Infrastruktur verglichen. Darin zeigte sich, dass Investitionen in Kitas und Schulen den größten Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten. Andere Studien zeigen, dass die Erlernung von Fremdsprachen oder der Umgang mit Mathematik umso leichter fällt, je früher die Förderung von Kindern einsetzt. Dies gilt grundsätzlich, aber besonders groß sind diese positiven Effekte für Jungen aus bildungsschwachen Familien.

Flexibel genug, um Fehler zu korrigieren

Das dreigliedrige deutsche Schulsystem verlangt von Eltern und Lehrern, für neun oder zehn Jahre alte Kinder eine weitreichende Entscheidung zu treffen: Gymnasium, Realschule oder Hauptschule? Dieses System besitzt Vor- und Nachteile, die an dieser Stelle nicht ausführlich diskutiert werden können. Stattdessen wollen wir uns mit der Frage befassen: Was bedeutet diese frühe Entscheidung für die Chancen des Kindes auf hohe Bildungsrenditen in seinem Leben? Besteht die Gefahr, dass ein Kind zu früh auf einen ungeeigneten Pfad gestellt wird, dem es sein Leben lang folgen muss? Denn es steht ja außer Frage, dass die Kombination von Abitur und Hochschulstudium bessere Aussichten auf hohe Bildungsrenditen bietet als ein Hauptschulabschluss.

Eine interessante Arbeit, die der Ökonom Christian Dustmann mit zwei Ko-Autoren verfasst hat, empfiehlt, das deutsche Schulsystem nicht nur von seinem Anfang, sondern auch von seinem Ende her zu sehen. Denn einerseits findet eine recht frühe Aufteilung der Kinder auf die drei Glieder des Schulsystems statt, aber andererseits erweist sich das Schulsystem als flexibel genug, offensichtlich falsche Entscheidungen zu korrigieren. So können Kinder, deren Fähigkeiten in frühen Jahren unterschätzt werden, im Verlauf ihrer Schullaufbahn in einen höheren Schulzweig wechseln. Im Gegenzug verspricht nicht jeder Abiturabschluss den anschließenden erfolgreichen Abschluss eines Hochschulstudiums. Nicht wenige Studenten geben nach wenigen Semestern auf.

Mit Passion in eine sogenannte "brotlose Kunst" gestürzt

Gegen die Analyse von Bildungsrenditen und die sich daraus ableitenden Schlüsse für die Lebenswege von Menschen lassen sich zwei grundlegende Einwände vorbringen, die nicht verschwiegen werden sollen, aus unserer Sicht aber nicht sehr schlagkräftig sind. Der erste Einwand besagt, dass in einer Welt, in der die digitale Revolution traditionelle Berufsbilder mit unerbittlicher Wucht zerschlägt, langfristige Bildungsrenditen eine sehr unsichere Sache sein werden. Das stimmt natürlich. So wie Sachkapital als Folge technologischen Wandels innerhalb kurzer Zeit abgeschrieben werden muss, kann auch – vielleicht lang und mühsam erworbenes – Bildungskapital im Berufsprozess wertlos werden. Die meisten Menschen, die sich heute als ehemalige Babyboomer in der Spätphase ihrer Karriere befinden, werden an der Schule, in der Berufsausbildung oder an der Universität Kenntnisse erworben haben, die sie heute nicht mehr nutzbringend verwenden können. Nicht wenige Berufe werden einfach verschwinden, aber dafür neue Berufe entstehen. Dieser unvorhersehbare Wandel ist aber kein Plädoyer gegen Bildung, denn in einer stärker automatisierten Welt werden vor allem solche Jobs bedroht sein, für deren Ausübung wenig Bildung notwendig ist. Der unvorhersehbare Wandel vor allem ist eine Verpflichtung, auch als Berufstätiger Weiterbildung ernst zu nehmen und gegebenenfalls bereit zu sein, noch einmal von neuem zu beginnen.

Der zweite Einwand ist ein grundsätzlicher, der vor allem von dem französischen Soziologen Pierre Bourdieu popularisiert worden ist. Er wendet sich gegen Konzepte wie Bildungsrenditen mit dem Argument, dass sich der Mensch nicht der "Verwertungslogik des Kapitals", wie man es in marxistischen Kreise früher genannt hätte, unterwerfen sollte. Vielmehr sei der Mensch in vielerlei Hinsicht durch seine gesellschaftliche Umwelt geprägt, und daher sollten Berufsentscheidungen nicht allein unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, wie man sein humanes Kapital am optimalsten ausnutzen könne.

Das ist insofern richtig, dass, wie schon ausgeführt, ein Beruf nicht nur materielle Erfüllung bescheren sollte. Aber die Fälle, in denen die materielle Komponente eines Berufs für den Menschen keine nennenswerte Rolle spielt, dürften nicht sehr zahlreich sein. Vielmehr wird man vermutlich in zahlreichen früheren Abiturjahrgängen mindestens einen Absolventen finden, der sich mit Passion in eine sogenannte "brotlose Kunst" gestürzt – und dies später bedauert hat. Geld ist nicht alles, aber ignoriert werden sollten unterschiedliche Bildungsrenditen auch nicht.

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