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Schlechte Zeiten für einen Anfang

Corona Berufseinsteiger junger Mann Mundschutz [Quelle: Unsplash.com, Autor: Anastasiia Chepinska]

Quelle: Unsplash.com, Anastasiia Chepinska

Die Corona-Krise wird Berufseinsteigerinnen hart treffen. Wer in einer Rezession auf den Arbeitsmarkt drängt, spürt die Auswirkungen in seinem gesamten Berufsleben.

 

Eine Lücke im Lebenslauf war lange kein Problem mehr. Wer eine gute Erklärung dafür hatte – Weltreise gemacht, Schildkröten gerettet, Oma gepflegt – war für Personaler sogar besonders interessant. Doch durch die Corona-Krise droht diese Lücke plötzlich für eine ganze Generation junger Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger zum Problem zu werden. Bei rund einer halben Million Studierenden und 400.000 Auszubildenden drängt sich die Pandemie dieses Jahr zwischen Abschlusszeugnis und Arbeitsvertrag. Wie hart wird die Krise sie treffen? Was wird ein solcher Einschnitt für ihr Berufsleben bedeuten – und wie können sie die Lücke füllen? Wenn man dieser Tage mit Arbeitsmarktexpertinnen über die Auswirkungen der Corona-Krise auf junge Menschen sprechen will, ist da oft eine nachdenkliche Stille am anderen Ende der Leitung. Nach etwas mehr als einem Monat im wirtschaftlichen und sozialen Lockdown finden sie es noch zu früh, Prognosen zu wagen. Doch es gibt Erfahrungen aus der Vergangenheit, aus früheren Krisen, die Hinweise darauf liefern könnten, wie es weitergeht.

Erste Zahlen deuten an, wie hart die bevorstehende Wirtschaftskrise werden könnte. Der Internationale Währungsfonds (IWF) vergleicht sie schon mit der Großen Depression von 1929. Die Hälfte der deutschen Unternehmen hat laut dem Wirtschaftsinstitut Ifo ihre Mitarbeiter bereits in Kurzarbeit geschickt, 18 Prozent planen in naher Zukunft einen Stellenabbau. Das Ifo-Geschäftsklima, das die Stimmung in deutschen Unternehmen erfasst, stürzte im April auf ein historisches Tief. Der Staat versucht zwar, die Auswirkungen der Krise auf den Einzelnen einzudämmen: zinslose Kredite und Geld aus speziellen Corona-Fonds für Studierende, Finanzspritzen für Selbstständige, Kurzarbeit für Angestellte. Junge Menschen in der Bewerbungsphase fallen da aber durch das Raster.

Menschen, die während einer Rezession in den Arbeitsmarkt einsteigen, hätten oft deutliche Nachteile gegenüber anderen Arbeitnehmergenerationen, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Malte Sandner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Eine Langzeituntersuchung des US-amerikanischen National Bureau for Economic Research an kanadischen College-Absolventinnen kam 2006 zu dem Ergebnis, dass die jungen Menschen, die während einer Rezession anfangen zu arbeiten, einen deutlich unbequemeren Start haben als jene, die in einer Boomphase ihren ersten Job suchen. Sie verdienten in den Anfangsjahren deutlich weniger und wechselten den Arbeitgeber häufiger. Sie fingen in kleineren Firmen an zu arbeiten, die schlechter zahlten, sie gingen Arbeitsverhältnisse ein, die gar nicht zu ihrer Ausbildung passten oder für die sie überqualifiziert waren. Zwar konnten die meisten der untersuchten Berufstätigen, besonders die gut ausgebildeten, aufholen und ihr Gehalt verbessern. Doch die anfängliche Krise machte sich teilweise mehr als fünf Jahre lang finanziell bemerkbar. College-Absolventen, die vor der Rezession noch keine Berufserfahrung hatten, erholten sich langsamer vom anfänglichen Schock als jene, die zu Beginn der Krise schon zwei, drei Jahre gearbeitet hatten. Die weniger gut ausgebildeten von ihnen waren selbst nach zehn Jahren noch in unterbezahlten Jobs gefangen.

Droht den Absolventinnen von heute eine "Corona wealth gap"?

Eine Untersuchung der US-amerikanischen Federal Reserve Bank of St. Louis über die Effekte der Finanzkrise 2008/2009 fand Ähnliches heraus: Den zwischen 1980 und 1989 Geborenen geht es heute finanziell schlechter als ihrer Vorgängergeneration, die vor 15 und mehr Jahren auf den Arbeitsmarkt strömte. Der Grund: Die Krise traf die Berufseinsteiger zu Beginn ihrer Karriere. Ihre Einstiegsgehälter waren niedriger. Und selbst wenn sie seitdem befördert wurden und Gehaltserhöhungen bekommen haben, können viele von ihnen bis heute nicht an den relativen Wohlstand der älteren Generationen anknüpfen. Die Macher der Studie nennen die Kluft, die durch die Krise zwischen zwei Generationen auf dem Arbeitsmarkt entstanden ist, deshalb auch die "millennial wealth gap".

Zwar sind die Effekte der Finanzkrise auf dem deutschen Arbeitsmarkt weniger deutlich zu spüren gewesen als in den USA. In Deutschland gab es in den vergangenen Jahren sogar einen Job-Boom, von dem auch junge Menschen profitierten. Doch die Wirtschaftskrise, die jetzt bevorsteht, betrifft deutlich mehr Branchen als die vor elf Jahren. Damals litten vor allem Banken und der Exportsektor, mittelständische Metall- und Elektrounternehmen etwa oder Fahrzeughersteller. Jetzt fürchten Betriebe in allen Branchen um ihre Existenz. Droht den Absolventinnen von heute eine Corona wealth gap? Der IAB-Arbeitsmarktexperte Malte Sandner hält das für möglich: Die größten Gehaltssprünge machen Arbeitnehmerinnen in den ersten zehn Jahren im Job. Und weil nicht jeder direkt eine Gehaltserhöhung bekommt oder befördert wird, sobald die Krise vorüber ist, kann es lange dauern, bis die Verluste der ersten Jahre aufgeholt sind. "Etwa ein halbes bis ganzes Jahresgehalt kann so während eines Arbeitslebens auf der Strecke bleiben", sagt Sandner. "Das klingt verkraftbar, macht sich aber durchaus in der Kreditwürdigkeit oder in den Rentenbeiträgen bemerkbar." Es kann lange dauern, bis die Verluste der ersten Jahre aufgeholt sind. Ein Beispiel: Bei einem Brutto-Monatsgehalt von 3.000 Euro machen ein bis zwei Jahre anfänglicher Arbeitslosigkeit bei insgesamt 40 Berufsjahren später einen Unterschied von 60 Euro in der monatlichen Rente. 

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich bald mehr Menschen auf weniger offene Stellen bewerben werden: Die Jobbörse Indeed verzeichnete Anfang April bereits deutlich weniger Stellenausschreibungen für den deutschen Arbeitsmarkt als Mitte März - ein Rückgang um 12 Prozent. Im Hotel- und Tourismusgewerbe waren es sogar 30 Prozent weniger Stellen. Und das ist erst der Anfang. IAB-Experte Sandner erwartet erst in zwei bis drei Monaten einen deutlichen Rückgang bei den Ausschreibungen, da die meisten Stellen, die jetzt auf Xing oder Stepstone ausgeschrieben sind, schon vor der Krise genehmigt wurden.

Wenn mehr Menschen sich auf eine freie Stelle bewerben, bedeutet das auch: Viele von ihnen werden zumindest vorübergehend leer ausgehen und sich arbeitssuchend melden müssen.

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