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Je länger und häufiger man arbeitet, desto mehr Erholung braucht man

Je häufiger Menschen ihre Arbeit mit nach Hause nehmen, desto seltener haben sie die Möglichkeit, den Job auszublenden. Wenn Arbeitnehmer auch nach Feierabend berufliche E-Mails beantworten, schon mal den nächsten Arbeitstag vorbereiten oder etwa Telefonate mit Vorgesetzten führen, hat das spürbare Folgen: In einer repräsentativen Befragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin berichteten Arbeitnehmer, die noch nach Feierabend für Anfragen erreichbar waren, häufiger von Beschwerden wie Rückenschmerzen, Schlafstörungen oder Niedergeschlagenheit als Angestellte, die nach Feierabend nicht mehr Kollegen und Chefinnen zur Verfügung standen.

"Es reicht schon, wenn ich weiß, dass ich kontaktiert werden könnte. Dann habe ich es schwerer, mich gedanklich von der Arbeit zu lösen", sagt Nils Backhaus von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Er forscht unter anderem dazu, wie sich Arbeitszeit auf die Gesundheit auswirkt, und betont: Je länger und häufiger man arbeitet, desto mehr Zeit sei nötig, um sich davon zu erholen. Ab einem gewissen Pensum steige die benötigte Erholungszeit exponentiell. 

Wer weniger urlaubt, stirbt früher

Auch beim Thema Urlaub können fleißige Berufstätige einiges falsch machen. Nämlich: zu wenig davon machen. Einige Studien geben Hinweise darauf, dass Menschen, die weniger Urlaub machen, früher sterben als Vielurlauber – egal, ob sie zuvor auf einen gesunden Lebensstil geachtet hatten oder nicht. Diesen Zusammenhang entdeckten erstmals Forschende der Universität Helsinki, die eigentlich das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei rund 1.200 finnischen Geschäftsmännern untersuchten.

Fünf Jahre lang hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachtet, wie die Männer lebten, sich ernährten und bewegten. Das Ergebnis: Gerade von den Probanden, die sich gut ernährten und auch sonst eher gesund lebten, waren deutlich mehr gestorben als erwartet. Und die hatten eines gemeinsam: Sie hatten deutlich seltener Urlaub genommen als der Rest. Final belegen konnten weitere Studien diesen Zusammenhang bisher nicht. Das könnten erst Studien, die deutlich mehr Probanden hätten und auch weibliche Arbeitnehmerinnen berücksichtigen würden.

Bitte aufstehen

Lesen Sie diesen Artikel gerade im Sitzen – auf der Arbeit, am Schreibtisch oder in der Bahn nach Hause? Falls ja, sollten Sie jetzt dringend aufstehen. Wir verbringen viel zu viel Freizeit im Sitzen, arbeiten zu viel im Sitzen und dazwischen stehen wir viel zu selten und zu kurz auf. Zu viel Zeit auf Stühlen und Sofas zu verbringen, kann aber zum Problem werden, denn: "Es steigert das Risiko für chronische Erkrankungen sowie das Risiko für eine frühzeitige Sterblichkeit", sagt die Forscherin Ute Latza von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Am deutlichsten seien Zusammenhänge mit Sterbefällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mit Neuerkrankungen von Typ-2-Diabetes erkennbar. Wer mehr als elf Stunden am Tag sitzend verbringt, hat ein 40 Prozent höheres Sterberisiko, als jemand, der weniger als vier Stunden am Tag sitzt. Darauf weist eine Studie australischer Forscher hin.

Gar nicht zu arbeiten ist übrigens ebenfalls ungesund. Es gibt viele Hinweise dafür, dass es oft unsere Arbeit ist, die uns gesund und glücklich macht – sogar wenn es nur ein paar Stunden in der Woche sind. Eine neue Untersuchung von Juni 2019 zeigte beispielsweise, dass schon acht Arbeitsstunden pro Woche reichen, um das psychische Wohlbefinden zu verbessern. Und überhaupt sei gut gestaltete Arbeit eine Ressource, sagt Ute Latza. Arbeitslosigkeit fördere statistisch gesehen gesundheitsgefährdendes Verhalten wie Rauchen oder Alkoholkonsum.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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