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"Der Trend geht zum lebenslangen Lernen"

Auf Platz fünf der Wichtigkeitsskala finden wir das Thema "Vorgesetzte, die einen unterstützen, sich weiterzuentwickeln". Das ist fast 80 Prozent der Beschäftigten "wichtig oder sehr wichtig". Fragt man nach der Zufriedenheit bei diesem Thema, fällt der Wert um fast die Hälfte. Fühlen sich die Menschen von ihren Chefs im Stich gelassen?

In gewisser Weise schon, jedenfalls sollten die Führungskräfte in den Unternehmen erkennen, dass die Beschäftigten in der großen Mehrzahl lernwillig sind, mehr noch, dass sie nach Möglichkeiten suchen, sich gerade den Herausforderungen des digitalen Wandels zu stellen, sich innerhalb und außerhalb des Betriebes weiterzubilden – und dass ihnen dabei noch die Unterstützung ihrer Vorgesetzten fehlt.

Also mehr fördern als fordern?

Auf jeden Fall mehr fördern. Der Trend geht, das sehen wir auch in anderen Erhebungen, zum lebenslangen Lernen, das empfinden die Menschen nicht vor allem als Last, sondern als positive Herausforderung.

In Zeiten des Aufschwungs nachvollziehbar, was aber, wenn die Konjunktur einbricht?

Dann werden sich die Prioritäten schnell ändern – und die Sicherheit des Arbeitsplatzes wird in der Wichtigkeitsskala unangefochten auf Platz eins rangieren. Unsere Studie ist eine Momentaufnahme.

Gleichfalls in den Medien immer stark präsent ist das Thema "Work-Life-Balance", insbesondere bei der Generation der 30- bis 40-Jährigen. Stichworte sind hier oft: Sabbatical, Teilzeit, Homeoffice. Ihre Zahlen zeigen: Selbst bei den jüngeren Befragten scheint das in der Priorisierung bestenfalls unter "ferner liefen" zu rangieren. Hat Sie das auch überrascht?

Smid: Nicht wirklich. Dieses Thema ist einfach keine "Brot-und-Butter-Frage" der Arbeitswelt. Es wird jedoch in der Öffentlichkeit häufig überproportional beleuchtet. Richtig ist: Auch den jüngeren Beschäftigten ist bewusst, dass der mögliche Verlust des Arbeitsplatzes ihre eigene Work-Life-Balance nachhaltiger beeinflussen würde als die Frage, ob der Arbeitgeber ihnen die Möglichkeit gibt, sich bei der Arbeit gesund zu ernähren oder sich eine Auszeit zu genehmigen. Trotzdem sind diese Aspekte natürlich in den Köpfen besonders der jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer präsent.

Es fällt auf, dass in fast allen Kategorien Frauen und Männer die Dinge ähnlich, oft gleich bewerten. Insbesondere trifft das bei der Frage nach der Wichtigkeit und Zufriedenheit mit dem Aspekt "Keine Unterschiede zwischen Mann und Frau bei Karrierechancen" zu. Das hat für beide Geschlechter eine gleichermaßen hohe Priorität. Haben die Männer verstanden?

Das ist sicher ein Befund, den man positiv herausstellen muss. Das Ergebnis deutet darauf hin, dass Männer wie Frauen in der Arbeitswelt auf gleiche, mindestens ähnliche Weise angekommen sind: Sie sind sich über die Prioritäten im Arbeitsalltag einig. Das ist für eine Gesellschaft, die so viel über Gendergerechtigkeit in der Arbeitswelt diskutiert, sehr interessant – und hocherfreulich.

Bei genauerer Einsicht in die Daten fällt auf, dass in der Gesundheits- beziehungsweise Sozialbranche in wesentlichen Kategorien die Lücke zwischen Wichtigkeit und Zufriedenheit besonders groß ist, zum Beispiel bei den Fragen "Sich bei der Arbeit wohlfühlen" und "Vorgesetzte, die einen unterstützen, sich weiterzuentwickeln". Hat die Gesundheitsbranche in diesen Bereichen Nachholbedarf?

Natürlich sind die Ergebnisse unserer Befragung je nach Branche unterschiedlich, dafür ist das erwähnte ein gutes Beispiel. Um daraus belastbare Schlüsse ziehen zu können, müsste man allerdings mit einer höheren Fallzahl genauere Untersuchungen vornehmen.

Sie haben für diese Studie branchenübergreifend gefragt, in allen Einkommensbereichen, Arbeiter und Angestellte. Gilt diese Diagnose für all diese Gruppen in gleicher Weise?

Wichtig ist, bei den Befunden nicht nur zwischen Branchen, sondern auch nach Unternehmensgröße zu unterscheiden. Was für Großunternehmen gilt, die außerdem international tätig sind, gilt nicht unbedingt in gleichem Maß für kleine und mittlere Betriebe.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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