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Staatsdienst lohnt sich weniger

Arbeitsplatz [Quelle: pixabay.com, Autor: Picography´]

Quelle: pixabay.com, Picography

Viele junge Menschen sehnen sich nach einem sicheren Beruf im öffentlichen Dienst. Er hat auch den Ruf, gute Gehälter zu zahlen. Stimmt im Moment nicht, sagt jetzt eine Studie.

Akademiker in der Industrie verdienen derzeit gut. Mit verantwortlich dafür ist die hohe Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, die die Gehälter immer weiter in die Höhe treibt. Obwohl junge Menschen in Umfragen zuletzt vermehrt äußerten, dass sie die Lust am Staatsdienst wiederentdeckt haben – auf dem Gehaltszettel ist mittlerweile vergleichsweise unattraktiv. Denn die Gehälter im öffentlichen Dienst können nicht so flexibel auf den Boom am Arbeitsmarkt reagieren.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft, die Bruttomonatsentgelte von 15 Akademiker-Berufsgruppen auf Grundlage der amtlichen Lohnstatistik verglichen hat.

Das höchste Gehalt haben demnach Ärzte und Ingenieure. In beiden Berufsfeldern liegt der Median, also der Wert bei dem 50 Prozent mehr und 50 Prozent weniger verdienen, bei mehr als 5.700 Euro. "Die vor einigen Jahren beschriene Gefahr eines Schweinezyklus bei industrienahen Ingenieuren hat sich als Fehlalarm erwiesen", sagt Oliver Koppel, Autor der Studie.

Ingenieure im Bauwesen und verwandten Branchen kommen dahingegen lediglich auf ein Medianeinkommen von 4.453 Euro. Das liegt auch daran, dass sie häufig im unflexiblen öffentlichen Dienst beschäftigt sind. Zu den Spitzenverdienern gehören auch Wirtschaftswissenschaftler.

Digitalisierung treibt Gehälter nach oben

Juristenberufe sind mit einem Mediangehalt von 5.545 Euro ebenfalls attraktiv. Auf dem sechsten Platz landen Informatiker. In dieser Gruppe gibt es unter anderem wegen dem Megatrend Digitalisierung einen großen Engpass auf dem Arbeitsmarkt. Die Berufsgruppe ist mit einem Durchschnittsalter von 40,7 Jahren die jüngste. Korrigiert man diesen Altersrückstand, dann liegen sie auch bei den Spitzenverdienern.

Andere MINT-Berufe, darunter z.B. Biologen landen bloß im Mittelfeld. Das liegt unter anderem daran, dass es dort ein sehr hohes Arbeitskräfteangebot auf weniger offene Stellen gibt.

Im Mittelfeld landen mit einem Median von 4.597 Euro auch Lehrberufe, also nicht verbeamtete Angestellte an Schulen und Hochschulen. Ähnlich viel verdienen Geisteswissenschaftler, darunter auch Journalisten. Die Berufsgruppe ist mit einem Durchschnittsalter von 46,3 Jahren die älteste, das verzerrt den Wert nach oben.

Soziale Berufe sind gefragt, verdienen aber wenig

Im unteren Mittelfeld liegen Gesundheitsberufe, künstlerische und soziale Berufe. "Ein für mich frappierendes Phänomen sind die sozialen Akademikerberufe", sagt Koppel. Bei sozialen Berufen ist die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt sehr hoch, der Medianverdienst von 3.748 Euro spiegelt das aber nur unzureichend wieder.

Gehälter im öffentlichen Dienst

Die Schlusslichter sind Sprach- und Gesellschaftswissenschaftler mit etwas weniger als 3.400 Euro. Vor allem bei Sprachwissenschaftlern konkurrieren besonders viele Bewerber um sehr wenige Stellen.

Der Anteil von Frauen und Männern in den Gutverdienerberufen ist allerdings höchst unterschiedlich. Bei Ärzten gibt es ein nahezu ausgeglichenes Geschlechterverhältnis, bei Ingenieuren bloß einen Frauenanteil von weniger als zehn Prozent. In den drei untersten Kategorien – gesellschaftswissenschaftliche, sprachwissenschaftliche und soziale Berufe – liegt der Frauenanteil jeweils bei mehr als 50 Prozent.

Männer in den lukrativen Berufen

Laut der Studie würde sich der Gehaltunterschied zwischen Männern und Frauen stark verkleinern, wenn Frauen häufiger industrie- und techniknahe Berufe wählten. Bei der Verteilung in den Arzt- und Juristenberufen zeigt sich, dass es Frauen auch gelingt sehr gut bezahlte Stellen zu erreichen.

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Kommentar (1)

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  1. Joachim Kuebart

    Der fatale Missstand der prekären Unterbezahlung im gesellschaftlich so wertvollen sozialen Bereich wird immerhin erwähnt und wie zum Hohn auch noch als »frappierend« bezeichnet. Danach geht die ZEIT zur Tagesordnung, also zu den »Gutverdienern« über – klare Sache, hier befindet sich die wirtschaftlich interessante Klientel. Dass in einem Land, in dem »Journalismus« das Hinterfragen und die kritische Analyse zugunsten möglichst direkter Ansprache der wervollsten Werbekundschaft praktisch aufgegeben hat, keine solzial heilsamen Prozesse zu mehr Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Gleichberechtigung in Gang kommen, ist nur folgerichtig. Die widerliche Selbstbepinselung selbsternannter Oberschicht-Medien wie der ZEIT, F.A.Z, Süddeutsche und Konsorten wird daran bestimmt nichts ändern.

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