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Durchblick im Stipendienwald

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Begabtenförderungswerke locken mit einem monatlichen Stipendium, Seminaren, Akademien oder Exkursionen. Dazu bekommst du nützliche Kontakte zu Unternehmen, Parteien, kirchlichen Einrichtungen und anderen Stipendiaten. Doch wer fördert wen? Und wie behältst du bei all den Angeboten den Überblick?

Rund ein Prozent der Studenten und Promovierenden in Deutschland wird derzeit von einem der zwölf Begabtenförderungswerken gefördert. Das macht gut 25.000 Stipendiaten. Je nach Einkommen der Eltern erhalten sie von ihrer Stiftung bis zu 597 Euro pro Monat. Dazu gibt es – unabhängig von der finanziellen Lage der Eltern – 300 Euro monatliches Büchergeld.

Doktoranden und Eltern bekommen mehr

Doktoranden bekommen pauschal 1.050 Euro pro Monat und je nach Förderwerk zusätzlich eine Forschungskostenpauschale von 100 Euro. Hast du bereits eine eigene Familie, bekommst du noch mal einen Zuschlag von 155 Euro sowie einen Zuschuss zur Kinderbetreuung, der zwischen 155 und 255 Euro monatlich liegt. Der Vorteil gegenüber BAföG oder einem Studienkredit liegt auf der Hand: Vom Stipendium zahlst du keinen Cent zurück.

Gefördert werden in der Regel...

  • Erststudiengänge an staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen und Fachhochschulen
  • Aufbau- und Masterstudiengänge
  • Doktoranden, die zur Promotion an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule zugelassen sind

Nicht gefördert werden in der Regel...

  • Ausschließliche Auslandsstudiengänge außerhalb der EU
  • Zweitstudiengänge
  • Studienabschlussphasen
  • Promotionen im Fach Medizin

Wie lange wirst du gefördert?

Die Förderungshöchstdauer entspricht wie beim BAföG der Regelstudienzeit deines Fachs und kann nur bei schwerwiegenden Gründen verlängert werden. Doktoranden erhalten zunächst ein Stipendium für zwei Jahre, das auf maximal vier Jahre verlängert werden kann.

Praktika und Sprachkurse - ausdrücklich erwünscht

Der Studienaufenthalt, das Praktikum, die Famulatur (ein vorgeschriebenes Praktikum für werdende Ärzte und Apotheker) oder der Sprachkurs im Ausland (sofern er für dein Studium sinnvoll ist) werden ebenfalls finanziell unterstützt und von den Begabtenförderwerken sogar ausdrücklich erwünscht. Die Höhe deines Zuschusses zu Reisekosten, Studiengebühren oder monatlichen Ausgaben, hängt ab vom Land, der Aufenthaltsdauer und der Höhe deines Inlandsstipendiums.

Ab ins Ausland. Doch welche Kosten übernimmt deine Stiftung?

Die Begabtenförderungswerke unterstützen Auslandsaufenthalte ihrer Stipendiaten in der Regel mit

  • einer Reisekostenpauschale
  • einem Zuschuss zum Lebensunterhalt
  • einem Zuschuss zu den ausländischen Studiengebühren

Einige Begabtenförderungswerke unterstützen zusätzlich die Teilnahme an einem Sprachkurs.

Von Anthropologie bis Zahnmedizin

Die 13 Förderwerke decken ein breites Spektrum ab: Größtes und ältestes Begabtenförderungswerk ist mit aktuell mehr als 11.000 Stipendiaten die 1925 gegründete Studienstiftung des deutschen Volkes. Der Gründungsgedanke von damals ist auch heute noch aktuell. Er gilt für alle Begabtenförderungswerke: Sie wollen engagierten und leistungsstarken Studierenden die Möglichkeit bieten, sich auch über ihr Fach hinaus weiterzubilden. Gerade auch denjenigen, die sich ein Studium sonst nicht leisten könnten, soll das Studieren durch ein monatliches Stipendium ermöglicht werden.

Partei oder Kirche, Wirtschaft oder Gewerkschaft?

Zu den großen Förderwerken zählen auch die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung, die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung und die dem Arbeitgeberverband nahe Stiftung der Deutschen Wirtschaft. Das Cusanuswerk ist die Studienförderung der katholischen Kirche; das Studienförderwerk Villigst e.V. das evangelische Pendant. 2009 kam ein jüdisches Förderwerk dazu, das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES). Seit dem Wintersemester 2014/15 werden mit dem neu gegründeten Avicenna-Studienwerk auch begabte muslimische Studenten gefördert. Zu den Begabtenförderungswerken zählen weiterhin die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung, die vom Deutschen Gewerkschaftsbund gegründete Hans-Böckler-Stiftung, die der Linken nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung, die Heinrich-Böll-Stiftung, die den Grünen nahe steht, und die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung.

Platz 1: Jura, WiWis und Sozialwissenschaftler

Nimmt man alle Begabtenförderungswerke zusammen, stellen die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler mit über 30 Prozent den größten Anteil aller Stipendiaten. Auf Platz zwei liegen mit etwas Abstand die Sprach-, Kulturwissenschaftler und Sportstudenten, gefolgt von den Mathematikern und Naturwissenschaftlern.

Bitte früh bewerben

Für die Bewerbung gilt: je früher, desto besser. Denn die Begabtenförderungswerke möchten ihre Stipendiaten möglichst lange begleiten. Doch die Bewerbungsfrist variiert je nach Förderwerk. Bei vielen gilt, dass Diplom-, Staatsexamens- und Magister-Studenten sich bis zum Ende des vierten Fachsemesters bewerben können. Die Frist für Bachelor-Studenten läuft meist schon nach dem zweiten Semester ab - außer ein anschließender Master ist bereits fest eingeplant. Angehende Doktoranden und Studenten, die sich erst zum Master für ein Stipendium interessieren, bewerben sich in der Regel vor Beginn ihrer Promotion oder ihres Master-Studiums.

Checkliste: Das brauchst du zur Bewerbung

Die genauen Anforderungen an die schriftliche Bewerbung unterscheiden sich je nach Begabtenförderungswerk. In der Regel brauchst du folgende Unterlagen:

  • Anschreiben mit Begründung deiner Bewerbung
  • Lebenslauf mit gesellschaftspolitischem Engagement
  • Motivationsschreiben
  • Abiturzeugnis
  • Leistungsnachweise oder aktuelle Notenspiegel
  • Hochschullehrergutachten, als Abiturient: Fachlehrergutachten
  • Bei einer Promotion: zusätzlich ein Exposé

Netzwerk über die Stipendiaten-Zeit hinaus

Wenn du möchtest, profitierst du auch nach deinem Studium oder der Promotion weiterhin von den Angeboten der Begabtenförderungswerke. In Alumni-Netzwerken organisieren sich die ehemaligen Stipendiaten, planen Seminare und Exkursionen und nutzen ihr Netzwerk auch, um berufliche Kontakte zu knüpfen. Häufig unterstützen sie die Stiftung freiwillig bei der Auswahl der neuen Stipendiaten oder stehen als Mentoren zur Verfügung.

Joseph, welche Vorteile hast du durch dein Stipendium?

Neben dem nun erneut erhöhten Büchergeld und der rein finanziellen Unterstützung für Auslandsstudien und -praktika ist das Netzwerk an interessanten, engagierten Leuten natürlich sehr wertvoll. Man tauscht sich aus über Probleme, die einen als Studenten und jungen Menschen betreffen, aber auch Wirtschaft, Politik und dergleichen. Aus KAS-Bekanntschaften sind gute Freunde geworden, mit denen ich noch immer in Kontakt stehe und die meine eigene Entwicklung geprägt haben. Darüber hinaus ist das Seminarprogramm immens. Hier gibt es sowohl Kompaktseminare aus den verschiedensten Bereichen, sogar im Ausland, als auch solche zur Berufsförderung und zum Ausbau persönlicher Fähigkeiten. Die KAS bietet auch die in ihrem Umfang einmalige Möglichkeit zur eigenständigen Organisation sogenannter Initiativseminare - was eine tolle persönliche Erfahrung ist.

Welche Pflichten hast du als Stipendiat?

Pro Semester treffen wir uns zehn bis zwölf Mal mit unserer Hochschulgruppe. Die Aktivitäten reichen vom Stammtisch oder einem Abendessen mit unserem Vertrauensdozenten über Opernbesuche bis hin zu Exkursionen. Neulich waren wir in Dresden und vor ein paar Wochen in Budapest. Alle Stipendiaten schreiben außerdem pro Jahr einen Bericht über ihre Studienentwicklung und ihr ehrenamtliches Engagement. Einmal pro Jahr hat man auch ein Gespräch mit seinem zuständigen Referenten der Stiftung. Zusätzlich müssen wir während unserer Förderzeit einmal an einem Grundlagenseminar teilnehmen. Es gibt viele weitere freiwillige Seminare.

Das klingt, als würdest du viel Zeit mit der Stiftung verbringen.

Ohne die Wochenendfahrten und Seminare verbringe ich etwa sechs Stunden pro Monat mit der KAS. Das ist vollkommen in Ordnung, denn es macht Spaß, Zeit mit den anderen Stipendiaten zu verbringen. Sie interessieren sich über ihr Studium hinaus für viele Dinge.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung steht der CDU nah. Haben Bewerber, die sich parteipolitisch engagieren, einen Vorteil?

Der Anteil derjenigen, die Mitglied in der Jungen Union, im Ring Christlich-Demokratischer Studenten oder in der CDU sind, ist auf jeden Fall höher als bei anderen Studentengruppen. Gesellschaftliches Engagement zählt bei der Bewerbung sehr stark, es muss aber auf keinen Fall parteipolitisch sein. Ich bin beispielsweise in keiner Partei aktiv.

Wieso hast du dich für die KAS entschieden?

Ich habe mich direkt nach dem Abitur beworben. Von meiner Schule gab es zu Stipendien leider sehr wenige Informationen, also habe ich mich selbst im Internet informiert. Das Seminarprogramm der KAS hat mir gut gefallen und es gibt Partnerschaften mit Universitäten in den USA. Kurzum: Ich kann mich mit dem Profil der Stiftung identifizieren. Themen wie soziale Marktwirtschaft oder Globalisierung sollten einem als KAS-Stipendiat auch am Herzen liegen.

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