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Das E-Book als Statussymbol?

Tablet Smartphone Buch e-book e-reader (© frank peters - Fotolia)

© frank peters - Fotolia

Wie muss ein E-Book aussehen, damit es sich gut verkauft? Kaum zu glauben: Wie sein analoger Vorgänger. Beim 'E-Book Day' erfuhren die Stipendiaten, warum das 'alte Buch' immer noch Vorbild ist. Und ob man auch E-Books als Statussymbol kaufen kann.

"Elvis Presley hat schon immer viele Leute angezogen", meint Dr. Nico Rose von Bertelsmann, als er die e-fellows im Saal "Elvis Presley" der Münchener Random-House-Niederlassung zum E-Book Day begrüßt. Nun, diesmal ist es aber nicht der King of Rock 'n Roll, der die Teilnehmer angelockt hat, sondern die Aussicht, neue Trends auf dem E-Book-Markt kennenzulernen und mit Experten zu diskutieren.

Nobelpreisverdächtig

In der kurzen Filmvorstellung von Bertelsmann erfuhren die Teilnehmer, dass bei Random House die meisten lebenden Literatur-Nobelpreisträger unter Vertrag stehen, dass Bertelsmann auf allen Kontinenten vertreten ist und dass die meisten Bertelsmänner, nämlich 60.000 Leute, für die Divison arvato arbeiten.

Edutainment bei arvato

Dann ging's direkt zum Thema E-Books - den Anfang machte Dr. Volker Hoyer, Senior Manager Product & Innovation bei arvato. Zunächst erklärte er, was arvato eigentlich macht: Die Bertelsmann-Division verkauft Dienstleistungen für Unternehmen, von Call Centern, Handy-Reparaturen und Distribution bis zu Supply-Chain-Management und Customer Relationship Management. Was das mit E-Books zu tun hat? arvato bietet zum Beispiel zusammen mit Microsoft Edutainment-Bücher digital an. Schon die Erstellung der Inhalte erfolgt dabei digital - freie Autoren stellen den Content über eine Plattform von arvato selbst ein.

Über die Plattform werden die Bücher online zum Lesen und Lernen angeboten. Das Praktische dabei: Wie bei E-Books üblich kann man sich Anmerkungen zu den Texten machen, aber über die Plattform auch die Kommentare der anderen Nutzer lesen. Und daüber kann man auch mit den anderen Lesern über ein Buch diskutieren.

E-Books nach analogem Vorbild

Der nächste Referent startete mit einem Rätsel: Christian Damke wollte von den e-fellows wissen, warum sein Start-up wohl "skoobe" heißt? Wer rückwärts liest, ist klar im Vorteil ... Skoobe wurde im August 2010 gegründet und ist ein gemeinsames Unternehmen von arvato, Random House und der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Das Start-up ist eine mobile Bibliothek samt Lese-App für iPhone und iPad.

Wichtig ist Christian Damke, dass die Anwendung möglichst buchnah ist. Zu diesem Zweck gibt es zum Beispiel einen 3D-Blättereffekt - eine Ansicht, bei der man das E-Book wie ein "richtiges Buch" durchsehen und Seiten umblättern kann. Christian Damke führt die App natürlich auch vor und berichtet, wie viele Gedanken sich das Team zu 3D-Blättereffekt, Typografie, Abständen rechts und links etc. gemacht hat. Warum das E-Book so aussehen soll wie sein analoges Pendant? Viele potenzielle Kunden haben noch "Berührungsängste" mit dem E-Book - dewegen möchte Skoobe sie mit dem abholen, was sie kennen.

Wer kauft eigentlich E-Books?

Damke und sein Team haben natürlich den Buchmarkt analysiert, um herauszufinden, wer die - potenziellen - Käufer von E-Books sind. Da gibt es zum Beispiel die Zielgruppe der sogenannten "Regalsteller", die sich den neuesten Roman von Martin Walser nur kaufen, um ihn ihrem Buchregal zu präsentieren, nicht aber, um ihn zu lesen. Unwahrscheinlich, dass die auf E-Books umschwenken. Aussichtsreicher sind da schon die "kauffreudigen Leseratten", die 8 Prozent der Bevölkerung ausmachen, und auch die "ausleihenden Leseratten" (40 Prozent). Laut einer GfK-Studie haben 19 Millionen Käufer in Deutschland Interesse an E-Books.

Das E-Book als Statussymbol?

Ein e-fellow wirft ein, dass sich auch Smartphone-Nutzer E-Books als Statussymbol kaufen, wenn sie sie auf einem digitalen Bücherregal präsentieren können. Christian Damke stimmt zu: Auch E-Books können ein Statussymbol sein, wenn man zum Beispiel auf Facebook mitteilt, welches Buch man gerade liest oder in Bücher-Communitys ausstellt, was man schon alles durchstöbert hat. Die Regalstell-Logik existiert also weiter, verändert und erweitert sich aber mit den digitalen Möglichkeiten.

Skoobe konzentriert sich mit seiner Anwendung auf Smartphones und nicht auf E-Reader, weil die prognostizierten Verkäufe von iPhone und Co. in den nächsten zwei Jahren am stärksten steigen. Smartphone-Besitzer nutzen ihr Telefon die Hälfte der Zeit für andere Dinge als Telefonieren - beim U-Bahnfahren oder Warten wird eben auch viel gelesen, eine Chance für Skoobe.

Deutschland hinkt den USA und Südkorea hinterher

Auch die Verlagsgruppe Random House ist natürlich im E-Book-Markt sehr aktiv. Anne Stirnweis, Director E-Books bei Random House, und Matthias Aichele, Director Business Development, stellen vor, welche E-Book-Projekte es im Verlag gibt. Bei ihren Projekten stellen sie immer wieder fest, dass der Durchdringungsgrad mit E-Books in Deutschland noch nicht hoch ist - die USA und Südkorea etwa sind weiter - sich aber sehr dynamisch entwickelt. Derzeit sind bei der Verlagsgruppe Random House über 5.000 deutschsprachige E-Books lieferbar. Geplant ist, zu jedem Printbuch auch immer eine E-Book-Ausgabe liefern zu können - momentan ist das aber noch nicht für alle Titel möglich.

Marketing mit E-Books

Die Buchpreisbindung gilt auch für E-Books - bei der Verlagsgruppe Random House sieht das Pricing so aus, dass die E-Book-Preise in der Regel 10 bis 20 Prozent unter dem Preis für die günstigste lieferbare Print-Ausgabe liegen. Daneben gibt es aber auch sogenannte E-onlys, das sind meist kürzere Texte, die nur als E-Books erscheinen. Ein Beispiel dafür ist eine Kurzgeschichte von Stephen King, die die Wartezeit bis zum nächsten Print-Buch verkürzen und die Leser an das E-Book heranführen soll.

Wie kann man Stephen King digital vermarkten?

Am Nachmittag wurden die Teilnehmer dann selbst aktiv. Sie sollten sich ein Vermarktungskonzept für die Einführung eines neuen E-Books von Stephen King überlegen. Passend zur Story des E-Books schlug ein Team folgenden Slogan  für eine Online-Kampagne vor: "Bevor Sie über Leichen gehen, um den neuen King zu lesen, gehen Sie lieber online." Ein anderes Team wollte Autowracks an ungewöhnlichen Orten platzieren samt Schauspielern, die eine Szene aus dem Buch nachspielen. Die Zuschauer sollten diese Inszenierung per Video festhalten und den Film anschließend im Internet verbreiten - virales Marketing zum Gruseln.

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Kommentare (3)

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  1. Anonym

    E-Books sind heutzutage noch immer zu teuer, dafür, dass man das E-Book anders als ein Buch nicht einfach weiterverkaufen darf. Und die Buchpreisbindung (die hier absolut unsinnig ist) ist eher Kulturbehinderung als Kulturförderung. Es gibt nur wenige Verlage wie Berlin Story, die E-Books zu spürbar günstigeren Preisen verkaufen. Hoffentlich springen bald mehr auf den Zug auf. Ansonsten sehe ich es nicht ein, warum ich für eine DRM-geschützte Buchkopie fast genauso viel zahlen muss wie für das gedruckte Buch, das man aus England (= keine Buchpreisbindung!) bei den einschlägigen Onlineshops 5-25% billiger kaufen kann.

  2. Anonym

    Hallo, da ist mir die Musikgeschichte wohl über die ganzen E-Books etwas verloren gegangen :-) Du hast natürlich völlig recht, ich habe es im Text geändert. Danke für den Hinweis. Viele Grüße Carolin von e-fellows.net

  3. Dodo

    Elvis

    Elvis war der King of Rock 'n' Roll, nicht der King of Pop.

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