Partner von:

Live aus...: Begegnungen am See

Live vom See [Quelle: freeimages, Autor: danist07]

Quelle: freeimages, danist07

Sechs bis sieben Mal im Jahr kommen sie zu verschiedenen Veranstaltungen zusammen: Herausragende Förderpraktikanten aus dem 'Keep In Touch'- Programm der Allianz. Das Konzept wurde ins Leben gerufen, damit ehemalige Praktikanten mit der Allianz als potenziellem Arbeitgeber in Verbindung bleiben. Vom 22. bis 24. August war es wieder soweit: 20 Förderpraktikanten der Allianz und fünf Förderstudenten der Dresdner Bank trafen sich am Starnberger See. Dort hatten sie Gelegenheit zu netzwerken und mehr über die interkulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschen, Osteuropäern und Asiaten zu erfahren.

Die Allianz Group (dazu zählen unter anderem die Allianz SE und die Dreba) sorgt gut für ihren potenziellen Nachwuchs. Als Tagungsort für das dreitägige Seminar wurde das Allianz Management Institut mit Blick auf den Starnberger See gewählt. Das Haupthaus der restaurierten Jugendstilvilla ist umgeben von einem idyllischen Park, kleine Gästehäuschen gruppieren sich um das Hauptgebäude. Bei meiner Ankunft machen sich die 25 Teilnehmer grade fertig für eine Outdoor-Übung in der warmen Morgensonne. Auch Ralf Hilscher und sein Kollege Stephan Steiger aus dem Bereich Personalentwicklung/ Personalmarketing der Allianz sind mit vor Ort.

Wo ist eigentlich links?

Zwei vollgepackte Tage zur interkulturellen Kommunikation liegen bereits hinter den Teilnehmern. Auch heute ist die Stimmung ausgezeichnet und alle sind gespannt auf weitere Einblicke in die Welt der Kommunikation. Eine Übung aus der Erlebnispädagogik soll dabei helfen. Um die Sinne zu schärfen, werden den Teilnehmern die Augen verbunden. Zu sechst versuchen sie dann, eine Kugel mit Hilfe eines Transportgerätes zu balancieren und an ein bestimmtes Ziel zu bringen. Dabei tun sich unerwartete Hürden auf: Die Aussage "Geh mal ein Stückchen nach links" ist nicht so leicht zu befolgen, wenn in der Gruppe niemand etwas sehen kann. Was ist ein Stückchen? Ein Schritt? Ein paar Zentimeter? Und wo ist eigentlich links?

Gerald, der an der Uni Augsburg Diplompädagogik und Erlebnispädagogik studiert, beschreibt den Effekt der Übung so: "Auch wenn ich aufgrund meines Studiums mit den 'Ergebnissen' dieser Übungen vertraut bin, fasziniert es mich doch immer wieder aufs Neue, was man durch Erfahrung lernen kann. Diese Art der Zusammenarbeit sensibilisiert uns für die Wichtigkeit, aber auch die Hürden der Kommunikation. Man merkt sehr schnell, dass der Hinweis 'ein Stück nach links' in dieser Situation einfach nicht ausreicht."

Kommunikation ohne Kontext

Diese Erfahrung lässt sich auch in den interkulturellen Kontext übertragen. "Wenn man sich nicht der unterschiedlichen Kommunikationskontexte bewusst ist, gerät man schnell in unbekannte Fahrwasser. Missverständnisse sind vorprogrammiert", fasst Gerald das Gelernte zusammen. "Für diese kulturellen Unterschiede sensibilisiert zu werden, hat mir an der Uni bisher gefehlt. Daher war für mich auch von Anfang an klar, dass ich bei diesem Seminar dabei sein möchte."

Von anderen Kulturen lernen

Nach der Outdoor-Übung gehen wir zurück in den Seminarraum, wo uns ein weiterer Programmpunkt erwartet. Peter Majercik, Trainer aus dem interdisziplinären Team der ICUnet.AG, greift das Kommunikationsthema auf. Er macht deutlich, warum es im beruflichen Kontext sehr hilfreich ist, sich der kulturellen Unterschiede bewusst zu sein. Sein Thema an diesem Vormittag ist die Projektorganisation in Russland und Osteuropa, bei der die Firmen stellenweise andere Schwerpunkte setzen als in Deutschland. Der Trainer möchte dabei vor allem zwei Bereiche erläutern: Zum einen die unterschiedliche Zeitauffassung und zum anderen die starke Beziehungsorientierung in Osteuropa im Gegensatz zu der vorherrschenden Sachorientierung in Deutschland.

Einfach mal Interesse zeigen

Diese Unterschiede zeigen sich in verschiedenen Situationen und dabei kristallisiert sich heraus: In Russland sollte man nicht mit der Tür ins Haus fallen - es ist wichtig, erst einmal eine Beziehung zu den Vertragspartnern, Kollegen oder Mitarbeitern aufzubauen. Diese muss dabei nicht langwährend und tiefgreifend sein – auch das Gespräch eines Werksleiters mit einem Mitarbeiter gilt als Beziehungsaufbau. Schon die Frage, wie es dem Sohn bei der Aufnahmeprüfung für die Uni ergeht, zeugt von Interesse für das Gegenüber und erzeugt eine persönliche Bindung zwischen den Gesprächspartnern.

Zeit ist relativ

"Deutsche neigen dazu, alles sorgfältig, nacheinander und pünktlich zu erledigen", verdeutlicht Peter Majercik. Das ist auf die eher lineare Zeitauffassung, wie der niederländische Anthropologe und Sozialpsychologe Geert Hofstede sie getauft hat, zurückzuführen. Viele Kulturen, und dazu gehören die russische und die chinesische, gehen aber eher 'parallel' an Aufgaben heran. Pünktlichkeit und die Einhaltung von Zeitvorgaben stehen nicht an oberster Stelle. Wichtiger ist die gute Beziehung zu den Kollegen oder Vorgesetzten. Um diese aufzubauen und zu erhalten, sollten sich Projektleiter beispielsweise regelmäßig nach dem Fortschritt der Arbeit erkundigen, persönlich beim Team vorbeischauen und Interesse zeigen. Dadurch verdeutlichen sie die Wichtigkeit des Projekts, was bewirkt, dass es in der Prioritätenliste des ausländischen Geschäftspartners nach oben rutscht und rechtzeitig fertig wird.

Eine interkulturelle Gratwanderung

Eine interkulturelle Zusammenarbeit gleicht einer Gratwanderung zwischen Respekt gegenüber dem Fremden und dem Versuch, man selbst zu bleiben, nehme ich als Fazit aus dem Seminar mit. Auch Gerald ist überzeugt: "Wer in einem globalen Unternehmen wie der Allianz arbeitet, wird regelmäßig mit interkulturellen Projektteams konfrontiert sein. Und bei diesem Seminar wird sehr deutlich, dass man kulturelle Unterschiede nicht unterschätzen darf. Man muss sich ihrer sehr bewusst sein, wenn man beruflich – aber auch privat – in anderen Kulturen unterwegs ist."

Ist diese Sensibilisierung denn wirklich nötig?

Frau Warzelhan, warum ist es so wichtig, die chinesische Kultur kennen zu lernen, wenn man in diesem Land geschäftlich erfolgreich sein möchte?

China und auch Russland gehören zu strategisch wichtigen Märkten. Viele Firmen möchten dort Fuß fassen. Intensive Kontakte sind also vorprogrammiert und damit ebenso die Missverständnisse. In Asien gibt es einige Spielregeln, die man beherrschen sollte, da ein sich-daneben-Benehmen wesentlich gravierendere Auswirkungen haben kann als dies beispielsweise in Deutschland der Fall ist. Da können auch schon mal Verträge platzen.

Aber interkulturelle Kompetenzen braucht man doch nur vor Ort, oder?

Nein, das ist eine große Fehlannahme. Heutzutage bestehen zahlreiche Kontakte mit anderen Kulturen - und das täglich. Es wird per E-Mail kommuniziert, aber auch per Telefon oder Videokonferenz. Und da ist es einfach wichtig, für kulturelle Unterschiede sensibilisiert zu sein. Das fängt bei verschiedenen Kritik- und Feedbackformen an und hört bei der Projektorganisation auf. Wer sich da ein bisschen auskennt, hat große Vorteile seinen Mitbewerbern gegenüber. Denn letztendlich hängt das Gelingen der Projekte von den Menschen und nicht von den technischen Faktoren ab, auch wenn die Deutschen dies gerne manchmal glauben!

Abschied vom See

Auf ein kleines Quiz zur Landeskunde Chinas folgt gegen 12.30 Uhr das Mittagessen – und auch dort lässt uns das Thema Kultur nicht los. Bei gebackenem Fisch und asiatischen Nudeln diskutieren wir noch eifrig weiter über kulturelle Unterschiede und berichten von unseren eigenen Erfahrungen im Ausland und den Fettnäpfchen, in die wir getreten sind. Nach Kaffee und Kuchen mache ich mich auf den Rückweg: Als ich das Grundstück am See verlasse, werfe ich noch einen letzten Blick auf den Ort meiner interkulturellen Begegnung.

Seite zwei: Interview mit Ralf Hilscher und zwei Teilnehmern.

nach oben
Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren