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"Ein Nerd passt nicht zu uns"

Unternehmensberater Anzug Consulting (© LoloStock - fotolia.com)

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Stellen als Unternehmensberater sind begehrt. Doch der Einstieg ist schwer. Worauf Absolventen achten sollten.

Bei der Jobsuche

In Deutschland gibt es mehr als 15.000 Beratungsfirmen – Tendenz steigend. Als Hochschulabgänger lohnt es sich, nicht nur Bewerbungen an McKinsey, Roland Berger oder BCG zu schicken. Die großen Namen der Branche versprechen zwar internationale Aufträge, ein hohes Gehalt und gute Chancen auf einen Anschlussvertrag in einem Konzern. Bei kleinen und mittelgroßen Beratungen ist der Einstieg aber leichter.

Auch die Firmenkultur ist dort meist eine andere: Während es bei den Großen sehr harschen Wettbewerb gibt und die Hierarchien streng sind, geht es bei den Kleinen manchmal sogar familiär zu. Oft bekommt man auch schneller ein eigenes Projekt. Kleinere Beratungen sind in der Regel nicht international tätig. Wer nicht jede Woche in einem anderen Hotel schlafen möchte, könnte hier besser aufgehoben sein.

Wie eine Beratung tickt, erfährt man am besten bei Recruiting-Events und Workshops. Dabei geht es etwa für ein Wochenende nach Stockholm, um eine Fallstudie aus dem Medizinsektor zu bearbeiten, oder nach München, um Geschäftsideen zu mobilen Fitnessanwendungen zu entwickeln. So lernt man Berater kennen und bekommt durch Vorträge und Rollenspiele ein Bild davon, wie deren Arbeit konkret aussieht.

Im Lebenslauf

Besonders die großen Beratungen werden mit Bewerbungen bombardiert. Bevor sie Absolventen einladen, sieben die Personalverantwortlichen nach strengen Kriterien aus. "Die Qualität der Bewerbungen ist enorm hoch, trotzdem schafft es nur ein kleiner Prozentsatz durch diesen sogenannten Paper Screen", sagt Christine Rupp, Partnerin und Recruiting-Verantwortliche bei Strategy &. Exzellente akademische Leistungen seien wichtig: Ein Abitur mit Einser-Schnitt sei ein Muss, und auch der Uni-Abschluss sollte zu den besten fünf bis zehn Prozent gehören.

Das Studienfach ist zweitrangig: In der Beratung ist alles erlaubt – ob Germanistik, Stadtplanung oder BWL. "Heute hat nur noch knapp die Hälfte der Berater eine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung", sagt Kai Haake vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. Gefragt seien technische und naturwissenschaftliche Fächer.

Ob Bachelor, Master oder Doktor – das ist nicht entscheidend. "Bei kleinen und mittelgroßen Beratungen ist es durchaus möglich, direkt nach dem Bachelor einzusteigen", sagt Haake. Weiterbilden kann man sich auch im Beruf: Beratungen wie McKinsey geben etwa bis zu 10 Prozent ihrer Gewinne aus, um ihre Mitarbeiter weiterzubilden. Bachelorabsolventen, müssen meist den Master nachholen, um in der Hierarchie aufzusteigen. Auslandserfahrung und sehr gute Englischkenntnisse sind überall Pflicht. Besonders gerne sehen die Personaler Auslandssemester oder Praktika in internationalen Unternehmen. Am besten zwei bis drei, entweder in der Industrie oder schon bei einer Beratung. An vielen Universitäten gibt es studentische Unternehmensberatungen. Auch dort kann man erste Projekterfahrung sammeln.

In der Freizeit

Neben der Uni ein Unternehmen gründen? Allein um die Welt segeln? Das Studium aussetzen, um für ein Entwicklungshilfeprojekt zu arbeiten? All das kann den Einstieg in die Beratung erleichtern. "Mit einer interessanten Persönlichkeit kann man bei uns in gewissem Rahmen akademische Leistungen ausgleichen", sagt Christine Rupp von Strategy&.

Auch von seinen Hobbys kann man erzählen, um sich von anderen Bewerbern abzuheben. Wer zum Beispiel in seiner Freizeit Mandarin lernt oder Leistungssport betreibt, der zeigt, dass er belastbar und motiviert ist.

Beim Assessment-Center

Wer in der ersten Bewerbungsphase gut genug abgeschnitten hat, bekommt eine Einladung zu einem Auswahltag mit Assessment-Center. Das besteht meist aus einem Vorstellungsgespräch, Konzentrations- und Logiktests, Präsentationen und Teamaufgaben. Um dort zu bestehen, bieten Beratungen und auch Unis Vorbereitungskurse an.

Wer zum Assessment-Center eingeladen wird, sollte zumindest Dreisatz und Prozentrechnung beherrschen. Außerdem sollte man wissen, wie Berater normalerweise an Fallstudien herangehen. Wichtig ist dabei vor allem, dass man Probleme in kurzer Zeit systematisch lösen kann. "Analytische Fähigkeiten sind für unseren Beruf noch wichtiger, als das fachliche Wissen", sagt Carsten Baumgärtner, Managing Director bei der Boston Consulting Group. Auch junge Unternehmensberater seien vom ersten Tag an beim Kunden. Technischer Problemlöser zu sein reiche nicht: "Ein Nerd, der nur die Analyse beherrscht, passt deshalb nicht zu uns", sagt Baumgärtner. Ein Berater müsse auch einfühlsam sein, um auf Kunden und Mitarbeiter eingehen zu können.

© ZEIT Online (Zur Original-Version des Artikels)

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