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Arbeitsalltag im Investment Banking

Quelle: freeimages.com, svilen001

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Geschafft. Das Unternehmen hat Ja gesagt, der Vertrag ist unterschrieben, der Alltag beginnt. Zwei Arbeitsstränge strukturieren diesen Alltag in einer Investment-Bank: Erstens entwickelt die Bank neue Ideen und stellt sie ihren Kunden vor (Pitching); zweitens führen die Banker Arbeiten im Rahmen bereits gewonnener Mandate aus (Deal Execution).

Neue Ideen entwickeln und erhaltene Mandate ausführen? Das soll die vielgerühmte Welt des Investment Bankings sein, der elektrisierenden und faszinierenden Krone des Bankgeschäftes? Klingt so spannend wie die Teilnahme am Jahrestreffen der Versicherungsaktuare.

Nicht nur spektakuläre Transaktionen

Höchste Zeit, mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen und abstrakte Begriffe mit Leben zu füllen. Investment Banking ist eben keine atemberaubende Abfolge spektakulärer Transaktionen, wie oft kolportiert wird.
 
Investment Banking ist vor allem der behutsame Aufbau und die akribische Pflege von Kundenbeziehungen. Vertrauen ist die Grundlage, die langjährige präzise Arbeit für den Kunden der Katalysator für die ganz großen Mandate etwa bei Mergers & Acquisitions.

Jahrelange Kleinarbeit

Kein Vorstandsvorsitzender, kein Finanzvorstand wird eine Investmentbank mit einer Transaktion betrauen, die über das Wohl und Wehe seines Unternehmens entscheidet und bei der Milliardensummen im Spiel sind, wenn diese Investmentbank nicht in jahrelanger Kleinarbeit und in der Beratung unter Beweis gestellt hat, dass das Vertrauen des Unternehmens in sie in jeder Hinsicht und jederzeit gerechtfertigt ist. Und dabei – ein weiteres Vorurteil – zählt eben nicht allein der Kontakt des Kunden zu den sogenannten "Regenmachern", den Managing Directors der Investmentbank.

Teamarbeit entscheidet im Investment Banking über den Erfolg

Im Gegenteil: Für die Betreuung jedes Projektes, jedes Kunden wird ein Team von Bankern unterschiedlicher Senioritätsstufen zusammengestellt (zu den Karrierestufen im Investment Banking siehe Abbildung). Wie das Team aussieht, hängt von vielen Variablen ab: dem Arbeitsaufwand, dem notwendigen Produkt- und Industrie-Know-how, der Kenntnis über die Gegebenheiten eines Landes oder einer Region. Teamarbeit entscheidet über den Erfolg und Misserfolg beim Pitch und über die Qualität der Deal Execution. Ganz früh tragen deshalb schon Einsteiger – für Praktikanten gilt das natürlich nur eingeschränkt – große Verantwortung für den Erfolg des Teams

Quelle: e-fellows.net

Der Analyst ist für die Koordination zuständig und deshalb an allen Schritten eines Projekts beteiligt. Das Arbeitsfeld ist so weitläufig wie die Anzahl der Produkte im Investment Banking groß ist. Dazu gehört die Beratung des Kunden zu strategischen Fragen sowie zu den unterschiedlichen Kapitalmarktprodukten wie Aktien, Anleihen, Derivaten und Kreditprodukten, um nur einige zu nennen. Der Analyst erstellt die Kundenpräsentationen, er recherchiert und analysiert den Markt, im dem der Kunde sich bewegt. Das ist eine große Aufgabe, schließlich entscheidet die Qualität der Marktanalyse über die Qualität der Beratung, und die ist eine Grundlage für den Gewinn eines M&A-Mandats.

Das M&A-Geschäft

Zur strategischen Analyse des Industriesektors oder der Unternehmenspositionierung kommt im M&A-Geschäft die Bewertung von Unternehmen. Der Analyst "baut" je nach Situation unterschiedliche Bewertungsmodelle (Discounted-Cashflow-Modell, Leveraged-Buy-Out-Modell, Merger-Modell) und errechnet mithilfe anderer Bewertungsmethoden (Unternehmens- und Transaktionsmultiplikatoren, Prämienanalyse) einen Preis für ein Unternehmen oder Teile eines Unternehmens.

Due Diligence

Berät die Bank einen Kunden bei einem Unternehmenskauf oder einer Fusion, ist die Due Diligence ebenfalls Aufgabe des Analysten. Due Diligence meint die genaue Prüfung der Wirtschaftskraft und der Finanzen eines Unternehmens. Der Analyst wertet die Daten aus, die das Unternehmen potenziellen Käufern in einem geschützten Datenraum bereitstellt; er koordiniert die Q&A-Sitzungen, nimmt an Management-Präsentationen und Werksbesuchen teil, trifft Führungskräfte bis hin zum CEO. Kurz: Er sammelt und bewertet jene Informationen, die Grundlage der Kaufentscheidung sind. Schon früh bekommen Einsteiger damit tiefe Einblicke in das "Allerheiligste" von Unternehmen.

Tombstones - die Fifa-Trophäen der Banker

Analysten, die in einem Team ein Unternehmen über mehrere Jahre beraten, erwerben sich neben Kenntnissen über die Branche großes Wissen zu volkswirtschaftlichen Themen. Idealerweise ist der Analyst unmittelbar bei der Transformation eines ganzen Marktes oder einer Industrie dabei. Der Höhepunkt einer solchen Transaktion ist dann ein Plexiglas-Standbild mit den Daten des Deals und dem Logo der beteiligten Unternehmen. Diese sogenannten Tombstones sind begehrte Trophäen, die zeigen, an welchen Transaktionen ihr Besitzer beteiligt war. Kein Spitzenfußballer könnte stolzer auf gewonnene Fifa-Trophäen sein als ein Investmentbanker auf die Tombstones, die seinen Schreibtisch zieren.
 
Last but not least ist der Analyst Co-Autor von Internal Committee Memoranda, Prospekten für Börsengänge oder sogenannten Fairness Opinions bei öffentlichen Übernahmen. Er beobachtet die Berichte in den Medien, erarbeitet Dokumentationen wie Insider- und Arbeitsgruppenlisten und ist Anlaufstation für beteiligte Juristen oder Wirtschaftsprüfer.

Die Arbeitstage im Investment Banking sind lang und intensiv

Das alles macht ein Berufseinsteiger? Wann und Wie? Richtig: Die Arbeitszeiten im Investment Banking sind lang und die Arbeitstage höchst intensiv. Dafür winken ungemein spannende Aufgaben, große Verantwortung sowie Gehälter und Boni, die immer noch – trotz andauernder publikumswirksamer Gegenkampagnen – weit über dem Durchschnitt liegen.

Einstiegstrainings sorgen für fachlichen Schliff

Für den fachlichen Schliff sorgt ein ausführliches Einstiegstraining, das jede Analysten-Klasse in den ersten sechs bis acht Arbeitswochen durchläuft. Das Training, modular aufgebaut, vermittelt die wichtigsten Grundkenntnisse oder frischt sie auf:

  • Buchhaltung, Finanzwirtschaft und Kapitalmarkt
  • Financial Modelling
  • Recht und Regularien rund um die Arbeit in einer Investment-Bank
  • PowerPoint, Excel und Datenbanken

Zum Training kommen Orientierungsveranstaltungen der einzelnen Produkt-, Industrie- und Ländergruppen hinzu. Die Gruppen konkurrieren intern darum, wer die besten neuen Mitarbeiter für sich begeistert. Die Ländergruppen etwa sind häufig an jungen Bankern mit besonderen Fremdsprachenkenntnissen interessiert. Auf den Orientierungsveranstaltungen treffen die Einsteiger einerseits die Top-Führungskräfte der Bank, hier ist andererseits aber auch Raum für ein bisschen Spaß und Gruppendynamik in Form von Wettbewerben in freier Natur oder feiner Gesellschaft im Ballsaal.

Fortbildungen und Schulungen für Investment Banker

Fortbildung würzt auch die weitere Karriere. Für Banker aller Hierarchiestufen werden sogenannte Continuing-Education-Programme aufgelegt, für Analysten sind sie meist technischer Natur. Mit zunehmender Seniorität gibt es dann Schulungen für die Soft Skills (Ein- oder Mehrtagesprogramme mit so wohlklingenden Namen wie "Managing Up- and Downwards", "Diffcult Conversations", "Negotiation Skills" etc.). Weil sich das Wissen zu Fachthemen oder Industriesektoren rasant fortentwickelt, bilden auch die Abteilungen und einzelnen Teams einer Investment-Bank ihre Mitarbeiter ständig weiter.

Job-Rotation für die Weiterentwicklung

Ein unerlässliches Werkzeug für die persönliche Karriere sind schließlich Job-Rotation-Programme. Für die Dauer meist eines Jahres wechselt dabei ein Banker in eine andere Produkt- oder Industriegruppe oder geht in eine andere Region. Das Ergebnis ist nicht allein ein Austausch zwischen unterschiedlichen Teams. Vielmehr erwirbt der Einzelne neues Know-how und es fällt ihm leichter, sich langfristig auf ein bestimmtes Fachgebiet zu spezialisieren.
Das soll’s gewesen sein? Oder gibt es ein Leben nach dem Investment Banking?

Und was kommt nach dem Investment Banking?

Einmal Investmentbanker, immer Investmentbanker, heißt es. Richtig ist: Für die allermeisten kommt ein Ausstieg in der aktiven Zeit nicht infrage, zu groß ist die Faszination der Branche. Wie lange ein Banker dem Investment Banking treu bleibt, ist letztlich aber immer eine individuelle Entscheidung. Lange Arbeitszeiten, hoher Erfolgsdruck, ausgefallene Wochenenden oder Urlaube sind der Preis, den manch einer vielleicht nicht sein ganzes Arbeitsleben lang zahlen will oder kann.

Das Leben danach

Richtig ist auch: Viele Investmentbanker verdienen im Laufe ihrer Karriere so gut, dass sie sich früher zur Ruhe setzen können als andere. Sie widmen sich dann Interessen, die im Laufe des dichten Arbeitslebens zu kurz gekommen sind. Wer sich umorientieren möchte, dem steht eine große Bandbreite von Berufs- und Arbeitsfeldern offen. Eine Auswahl:

  • Private Equity
  • Hedge-Fonds
  • Corporate-Finance-Boutiquen
  • höhere Verwaltungsaufgaben innerhalb der Investmentbank
  • "verwandte" Bereiche in anderen Unternehmen: Finanzplanung, Investor Relations, Business Development
  • Beratung
  • Selbstständigkeit

Das Wissen und Können, das jemand im Laufe einer Investment-Banking-Karriere erwirbt, macht ihn in der Wirtschaft zum heiß begehrten Manager. Wer dem Investment Banking also irgendwann doch einmal den Rücken kehren möchte, wird keine Schwierigkeiten haben, in eine andere Branche zu wechseln – trotz immer noch starkem Beschuss der Branche als Auslöser einer weltweiten Wirtschaftskrise.

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