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Zutritt nur für Frauen

Schülerinnen beim Schnupperstudium

Schülerinnen beim Schnupperstudium

Der Studentinnenmangel in Fächern wie Informatik und Ingenieurwesen soll bald der Vergangenheit angehören: Mit aufwändigen Programmen und Förderinitiativen werben Hochschulen und Bildungseinrichtungen um die Gunst der Frauen. Sogar eigene Frauenstudiengänge sind mittlerweile im Angebot. Das geschieht nicht allein aus emanzipatorischen Gründen. Es geht auch darum, den allgemeinen Schwund an Technikern und Naturwissenschaftlern aufzuhalten.
 

Schnuppern ist angesagt
 Um weiblichen Nachwuchs zu rekrutieren, haben sich Deutschlands Unis und Fachhochschulen einiges einfallen lassen. Für Schülerinnen aller Altersgruppen bieten die Hochschulen von Kiel bis Konstanz Schnupperkurse, Praktika und Sommeruniversitäten in naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen an. So findet an der Uni Bochum seit sieben Jahren eine Schülerinnen-Projektwoche statt, in der die Ruhr-Universität über ihre ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten informiert. An der Berliner TFH können Mädchen ab der 10. Klasse ein Schnupperstudium in den Bereichen Maschinenbau, Physikalische Technik, Elektrotechnik, Verfahrenstechnik sowie Versorgungs- und Energietechnik absolvieren. Die TU Cottbus führt in Kooperation mit der Fachhochschule Lausitz spezielle Mädchen-Kurse mit Workshops und Experimenten an beiden Hochschulen durch.
 

Schwellenangst überwinden
 Umfassender angelegt sind die so genannten Sommeruniversitäten, die beispielsweise die Hochschulen in Duisburg und Furtwangen anbieten. In Workshops, Vorlesungen und Demonstrationsversuchen lernen junge Frauen die verschiedenen Studienrichtungen in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern kennen. Vorteil: die Mädchen sind unter sich, lang gehegte Schwellenangst vor den typischen Männerfächern Physik und Co. wird durch gemeinsames Experimentieren abgebaut. Die Hochschulen fördern jedoch nicht nur Schulabgängerinnen und Studienanfängerinnen. Auch schon eingeschriebenen Studentinnen technisch-naturwissenschaftlicher Fächer wird einiges geboten. Eines der vielen Projekte ist die "Informatica Feminale" der Universität Bremen. Renommierte Wissenschaftlerinnen aus der ganzen Welt kommen einmal jährlich zusammen, um Informatikworkshops auf verschiedenen Niveaus abzuhalten und Erfahrungen auszutauschen.
 

Big mother is watching you
 Sowohl an Studierende als auch an Schülerinnen richten sich die seit einigen Jahren erfolgreichen Mentoring-Programme der Hochschulen und Großunternehmen. Um Studentinnen naturwissenschaftlich-technischer Fächer den Berufseinstieg zu erleichtern und beim Aufstieg in Führungspositionen zu unterstützen, stehen ihnen erfahrene Expert(inn)en aus Forschung und Praxis zur Seite. So begleitet Siemens mit dem Programm Yolante seit dem Wintersemester 2002 jährlich 100 junge Frauen durch ein technisch-naturwissenschaftliches Studium. Für Schülerinnen übernehmen an den Unis die Studentinnen ihrerseits diese Aufgabe. Sie informieren nicht nur über ihre Studienerfahrungen und unterschiedliche Berufsfelder, sondern vermitteln auch spezifische Skills.
 

Was sie kann, kann ich auch!
 Wichtiger Hintergedanke der Mentoren-Programme: Weibliche Vorbilder motivieren junge Frauen auf diese Weise für die Karriere in einer bisherigen Männerdomäne. Christina Haaf vom Kompetenzzentrum Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie in Bielefeld: "Mit dem Einsatz von Rollenvorbildern und Sommerhochschulen haben wir gute Erfahrungen gemacht. Sie zeigen, ähnlich wie verstärkte Werbekampagnen mit neuen attraktiven Berufsfeldern, dass durchaus höhere Studierendenanteile von Frauen zu erreichen sind."
 

Stören die Männer?
 Eine Idee, die sich hierzulande erst langsam durchzusetzen beginnt, stammt aus den USA. Dort existieren für Studentinnen schon seit Jahrzehnten reine Frauenstudiengänge. Zahlreiche Studien haben bewiesen, dass Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern bessere Leistungen erbringen, mehr Selbstvertrauen haben und ihr Potential eher verwirklichen können, wenn sie in speziellen Frauengruppen lernen. Ohne Männer schätzen sie ihre Fähigkeiten realistischer ein und befreien sich von der Vorstellung, technisch minderbegabt zu sein. Die Jade Hochschule in Wilhelmshaven war 1997 die erste, die mit einem frauenspezifischen Studiengang für Wirtschaftsingenieurwesen an den Start ging. Mittlerweile sind fünf weitere Hochschulen gefolgt – und der Erfolg scheint ihnen recht zu geben. Rund 40 Prozent der Studentinnen hätten sich ohne die spezifischen Angebote nicht für ein technisches Studium entschieden.
 

Kein Schonwaschgang
 Regine Komoss führt die wissenschaftliche Begleitforschung zum Frauenstudiengang Informatik an der Hochschule Bremen durch. Ihr Zwischenfazit: "Die Anzahl der Bewerberinnen ist wesentlich höher als die Anzahl an angebotenen Plätzen. Die Abbrecherinnenquote ist relativ niedrig, die Studienzufriedenheit dagegen hoch. Die Studentinnen schätzen vor allem das Lernklima im Frauenstudiengang." Kritikern, die eine fehlende Realitätsnähe bemängeln und von einem Schonraum für Frauen sprechen, entgegnet Komoss: "Ab dem vierten Semester werden die Nebenfächer koedukativ angeboten, das Auslandssemester findet überwiegend an koedukativen Partnerhochschulen statt. Und im Praxis- und Projektsemester sind die Studentinnen in Unternehmen eingebunden". Kontakt zu den männlichen Kollegen ist also vorhanden. Außerdem, so Komoss, sei die Studien- und Prüfungsordnung für den Studiengang allen zugänglich, die Qualität also dokumentierbar.

Bloße Lückenbüßer?
 Zweifelsohne tun die Bildungseinrichtungen recht daran, sich verstärkt um weiblichen Nachwuchs zu bemühen. Denn die Studentenzahlen in etlichen ingenieurwissenschaftlichen Fächern sind rückläufig – und die Wirtschaft hat Schwierigkeiten, freie Stellen zu besetzen. Im Studienjahr 2002 begannen zwei Prozent weniger Studierende ein Maschinenbau- und Verfahrenstechnikstudium. Für Informatik entschieden sich ganze 17 Prozent weniger Studienanfänger als im Jahr zuvor. Frauen, so die Überlegung, könnten diesen Mangel auffangen. Wählen sie in Zukunft häufiger ein naturwissenschaftlich-technisches Fach, steigt auch die absolute Zahl der Absolventen dieser Studiengänge. Die Wirtschaft hätte einen größeren Bewerberpool. Der wachsende Bedarf an IT-Kräften und Ingenieuren könnte so leichter gedeckt werden.

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