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Physikerin bei der Arbeit

Physikerin bei der Arbeit

Maschinenbau-Studenten kennen das Problem: Sie sitzen in der Vorlesung und sehen weit und breit nur Männer. Die meisten Frauen machen um technisch-naturwissenschaftliche Fächer noch immer einen großen Bogen und studieren lieber Pädagogik oder Geisteswissenschaften. Woran liegt das? Angeborene Interessenunterschiede oder antrainierte Rollenmuster? Und wie sieht die Situation im internationalen Vergleich aus?
 
 Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich im Jahr 2002 eine kleine Sensation ereignet: Erstmals schrieben sich mehr Frauen als Männer an Deutschlands Hochschulen ein. 50, 4 Prozent der 357.907 Studienanfänger waren weiblich. Der Gesamtanteil der Frauen an den Studierenden lag damit bei rund 47 Prozent. Setzt sich diese Entwicklung fort, dürften Frauen in wenigen Jahren den größten Teil der Studentenschaft ausmachen.
 

Frauen und die schönen Künste
 Trotz dieses beharrlichen weiblichen Vormarschs auf dem ehemals männerdominierten Campus hat sich an den herkömmlichen Studienmustern wenig geändert. Nach wie vor entscheiden sich Schulabgängerinnen überdurchschnittlich häufig für Sprach- und Geisteswissenschaften, Pädagogik und Kunstwissenschaften. Naturwissenschaftliche und technische Studienfächer stoßen dagegen auf wenig Begeisterung.
 

Wo bleiben die Elektrotechnikerinnen?
 So waren unter den rund 10.000 Romanistikstudierenden im Wintersemester 2001/02 mehr als 7.500 Frauen. Etwa 14.000 Studenten der Erziehungswissenschaften standen fast 39.000 Studentinnen gegenüber. Im klassischen "Frauenfach" Germanistik waren im Wintersemester 2001/02 rund ein Viertel Männer und drei Viertel Frauen immatrikuliert. Demgegenüber verloren sich die rund 4.400 Elektrotechnik-Studentinnen in der Masse der fast 60.000 männlichen Kommilitonen. Auch die etwa sieben Prozent weiblichen Maschinenbau-Studierenden dürften sich in ihrem Fach wie die Vertreterinnen einer seltenen Spezies vorgekommen sein.

Die Erziehung verdirbt'
 Sind die naturwissenschaftlichen Fächer schlicht uninteressant für Frauen? Sind ihre Begabungen grundsätzlich anders gelagert? Nein, sagt Dr. Ilse Costas, Soziologin mit Schwerpunkt Geschlechterforschung an der Uni Göttingen. Mädchen bekommen im Elternhaus, in den peer groups (Freundeskreisen), in der Schule und der Berufsberatung vermittelt, welche Themen zu ihnen passen. "Diese zugeschriebenen Geschlechtscharaktere der Fächer haben historische Traditionen, aber vor allem basieren sie auf Interessen der Fachvertreter und der mit ihnen verbundenen Professionen." Verstärkend wirken sich die mangelnden weiblichen Vorbilder in Männerdisziplinen aus.
 

Früher war alles besser!
 Während der Weimarer Republik studierten prozentual erstaunlich viele Frauen Mathematik und Naturwissenschaften. Im Wintersemester 1919 stand die Studienfachwahl Mathematik bei Frauen an dritter Stelle nach Philologie und Medizin. Im Jahr 1925 waren 19 Prozent aller Studienanfänger in der Mathematik weiblich. Während der gesamten zwanziger Jahre lag der Anteil der Naturwissenschaft- und Mathematikstudentinnen sogar höher als der durchschnittliche Frauenanteil an den Studierenden insgesamt. Dabei machten die Akademikerinnen auch vor höheren Qualifikationen nicht Halt: Fast 50 Prozent aller Promotionen bei den Frauen wurden in mathematischen oder naturwissenschaftlichen Fächern abgelegt.
 

Deutschland im schwachen Mittelmaß
 Auch im internationalen Vergleich schneidet Deutschland dagegen heute vergleichsweise mager ab. "In Ländern wie Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Schweden liegt der Anteil der Hochschulabsolventinnen insgesamt höher als in Deutschland", sagt Christina Haaf vom Kompetenzzentrum Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie. Das treffe auch auf die Ingenieurstudiengänge zu: Nach Daten der OECD aus dem Jahr 2001 lag Deutschland beim Anteil der Absolventinnen in ingenieurwissenschaftlichen Fächern mit 18 Prozent im Jahr 1999 klar unter dem OECD-Durchschnitt von 22 Prozent.
 

Die Spanierinnen machen es vor
 Im Detail tun sich noch größere Unterschiede auf. So betrug der Frauenanteil an den Absolventen in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und ähnlichen Fächern im Jahr 1999 in Deutschland nur 6,3 Prozent. In Schweden dagegen machte er 19,7 Prozent aus, in Spanien gar 22,6 Prozent. Die Beispiele aus anderen Ländern zeigen: Es geht auch anders. Ein stärkerer Praxisbezug und die zeitweise Trennung von Mädchen und Jungen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Schulunterricht tragen offensichtlich dazu bei, dass Mädchen ein größeres Interesse für die "Männerfächer" entwickeln. Hinzu kommt ein anderes Frauenbild. Die Berufstätigkeit von Frauen ist in Deutschland weit mehr von Familienpausen geprägt als in anderen westeuropäischen Ländern. Und dieses konservative Familienmodell beeinflusst auch die Vorstellungen davon, welchem Beruf eine Frau nachzugehen hat.

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