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Mehr Freizeit und trotzdem nicht weniger Erfolg

Paradies (Quelle: freeimages.com, Autor: pale)

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Gerade in Deutschland erwarten Unternehmen von ihren Mitarbeitern höchste Flexibilität und definieren Leistung noch immer über Präsenzzeiten. Dabei übersehen sie, dass sich die Bedürfnisse der Mitarbeiter fundamental verändern: Die streben nicht mehr vorrangig nach Macht und Geld, sondern nach der persönlichen Erfüllung. Eine Entwicklung, die Arbeitnehmer und Angestellte vor Herausforderungen stellt.

Selbstverwirklichung wurde lange Zeit vor allem mit Künstlern und Intellektuellen in Verbindung gebracht. Deren Tun - nie so recht greifbar und manchmal brotlos - schien mit der Realwirtschaft wenig gemein zu haben. Wer hingegen Karriere machen wollte, der suchte nicht nach dem Sinn des Lebens - er strebte nach Macht und Geld. Und er war bereit Opfer zu bringen. Disziplin, harte Arbeit und Verzicht auf Privatleben waren Teil des Geschäfts.

Karriereorientierung gibt es natürlich auch heute noch. Allerdings haben sich die Gewichte verschoben. Gerade junge, gut ausgebildete Menschen wollen Beruf und Privatleben vereinbaren. Sie suchen nach einer sinnstiftenden Tätigkeit, bemühen sich um Nachhaltigkeit und sind bereit, für persönliche Freiheit Kompromisse einzugehen. Downshifting nennt sich das Phänomen.

Downshifting hat nichts mit mangelnder Leistungsfähigkeit zu tun

Im Kern geht es darum, selbstbestimmt zu leben und zu arbeiten. Das kann bedeuten, dass ein Mitarbeiter eine gut bezahlte Stelle aufgibt, um sich neu zu orientieren; es kann auch heißen, dass er weniger arbeitet, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen oder sich einem Hobby zuzuwenden. Dabei hat das bewusste Herunterschalten, die Priorisierung des Persönlichen, nichts mit mangelnder Leistungsfähigkeit oder einer Abkehr vom Arbeitgeber zu tun. "Man darf Downshifting nicht mit einer inneren Kündigung gleichsetzen", sagt Dr. Julia Hapkemeyer, Expertin für Arbeitspsychologie und Geschäftsführerin der Organisationsberatung StatEval in Berlin. "Menschen, die sich entscheiden weniger Zeit im Büro zu verbringen, können mit ihrem Arbeitgeber trotzdem emotional verbunden sein und einen wertvollen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten."

Persönliche Wünsche entdecken und konsequent verfolgen

Downshifter als Drückeberger oder Weicheier abzutun, die dem Druck der Berufswelt nicht standhalten, wäre falsch. Vielmehr sind es Menschen, deren Freizeitorientierung stärker ausgeprägt ist - die machen, wovon sie sich die maximale Zufriedenheit versprechen. Doch wie erreicht man das? "Man sollte herausfinden, was einem wichtig ist und dann schauen, wie man die persönlichen Wünsche erfüllen kann", sagt Hapkemeyer. "Viele nehmen sich beispielsweise jahrelang vor, eine Fremdsprache zu lernen. Dann ist die Frage 'Was steht einem im Weg?'. Oftmals hilft es schon, keine Überstunden mehr zu machen und die freigewordene Zeit für das Hobby aufzuwenden."

Wer mehr Freizeit möchte, riskiert einen Karriereknick

Wer mehr Zeit für Privates aufbringen möchte, braucht also nicht gleich eine Auszeit zu nehmen - und er muss seinen Vorsatz gegenüber dem Chef nicht sofort kommunizieren. Oftmals gelingt es durch ein gutes Zeitmanagement alle Aufgaben zu erledigen und trotzdem früher aus dem Büro zu kommen. Schwierig kann es werden, wenn Überstunden im Unternehmen Normalität sind. Dann nämlich könnte es bei Kollegen und Vorgesetzten auf Unverständnis stoßen, wenn man abends pünktlich nach Hause geht - unabhängig davon, dass man sein Arbeitspensum geschafft hat. "In einem solchen Fall ist es besonders wichtig, Leistungsfähigkeit zu demonstrieren. Es muss deutlich werden, dass die Arbeit nicht darunter leidet, dass man keine Überstunden macht", erklärt Hapkemeyer. "Spätestens wenn es Unstimmigkeiten gibt, sollte man die Führungskräfte einbeziehen und gemeinsam eine Lösung suchen. Auf dieses Gespräch muss man als Mitarbeiter vorbereitet sein, indem man seine Erfolge klar benennen kann."

Unternehmen müssen sich auf Downshifter einstellen

Wie gut die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gelingt, ist nicht zuletzt eine Frage der Firmenkultur. Tendenziell ist es im öffentlichen Dienst einfacher die Arbeitszeit zu reduzieren als in der Privatwirtschaft. Hier sind Gleichstellungsmodelle und Flexibilisierung schon recht gut etabliert. In Wirtschaftsunternehmen herrscht in dieser Hinsicht oft Nachholbedarf. Allerdings wird sich nach Meinung von Experten auch hier etwas verändern. "Unternehmen müssen damit rechnen, dass eine Generation von Downshiftern kommt", sagt Hapkemeyer, die Firmen unter anderem zu den Themen gesunde Führung und Teamentwicklung berät. "Deshalb werden sie Arbeitszeitmodelle entwickeln, die den Bedürfnissen der Mitarbeiter Rechnung tragen."

Dass flexible Arbeitszeiten für Mitarbeiter und Unternehmen positiv sein können, zeigt ein Blick nach Schweden. Auf Druck der Gewerkschaften wurden bereits in den 1960er-Jahren Modelle zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben eingeführt. Heute gestalten mehr als die Hälfte der Beschäftigten ihre Arbeitszeit flexibel. Davon profitieren auch die Unternehmen: Die Produktivität der Mitarbeiter hat sich durch den höheren Grad an Selbstbestimmung nämlich erhöht.

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