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Punkten mit der digitalen Identität

Post-It (Quelle: freeimages.com, Autor: jaylopez)

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Jeder zweite Personaler googelt Bewerber. Das hat das Hamburger Marktforschungsinstitut Aris ermittelt. Für Jobsuchende liegt darin eine große Chance: Wer seinen Google-Lebenslauf perfektioniert, kann den potenziellen Arbeitgeber schon lange vor dem ersten Gespräch für sich einnehmen. Stellt man Informationen und Fotos unbedacht ins Netz, wird es gefährlich - denn das Internet vergisst nichts.

Es ist ein schmaler Grat, auf den sich Bewerber heutzutage begeben müssen. Kunden bewegen sich im Internet, neue Geschäftsmodelle entwickeln sich online und Unternehmen finden immer mehr ihren Platz in der digitalen Welt. Schon deshalb kommen Arbeitgeber nicht umhin, sich mit den neuen Technologien zu befassen. Wie man damit umgeht, welche Chancen und Gefahren das Internet birgt und was man tun kann, um die Kontrolle über die eigene Person im digitalen Kosmos zu behalten - all das haben wir aber nicht gelernt. Wer im Internet unterwegs ist, muss sich zwei Dinge bewusst machen: Erstens: Er hinterlässt Spuren. Und zweitens: Diese Spuren zu löschen ist nahezu unmöglich. Das Einzige, was hilft, ist Umsicht und ein gehöriges Maß an Gelassenheit. Dann lässt sich der Google-Lebenslauf peu à peu optimieren. 

Profile vor unerwünschten Blicken schützen

"Zu spät kommen ist eine Lebensphilosophie", "Strafzettel sind billiger als Parkscheine" und "Mein Lieblingsbier ist das nächste" - wer in solchen Gruppen Mitglied ist, sollte sein Profil in sozialen Netzwerken tunlichst vor ungewünschten Blicken verbergen. Denn: Der Personaler liest mit. Was als Scherz gemeint ist, kann da schnell zum K.O.-Kriterium werden.

Deshalb ist es ratsam, seine Privatsphäre-Einstellungen beispielsweise bei Facebook zu überprüfen und genau festzulegen, wer welche Inhalte zu sehen bekommt. Das gilt auch für Verlinkungen auf Fotos und das Kommentieren von Ereignissen. Als Handlungsempfehlung kann eine Formel gelten, die die Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und Hanne Detel in dem Buch "Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter" formuliert haben: "Handle stets so, dass dir die öffentlichen Effekte deines Handelns langfristig vertretbar erscheinen. Aber rechne damit, dass dies nichts nützt."

Professionelle und authentische Selbstdarstellung

Im Kern geht es also darum, eine Form der Selbstpräsentation zu wählen, die gleichermaßen professionell und authentisch ist. Immer mehr Menschen unterhalten deshalb zwei Facebook-Profile - eines, von fremden Blicken abgeschirmt, für den privaten Bereich; ein anderes, öffentlich zugänglich und suchmaschinenoptimiert, für die geschäftliche Präsentation. Durch diese Trennung lässt sich steuern, was der Personaler sehen soll und was nicht, welche Facetten der Person ins rechte Licht gerückt werden und welche (weitgehend) im Verborgenen bleiben.

Aktivität in Blogs und Optimierung für die Suchmaschine

Wer sich profilieren und für Vertreter seines Fachs interessant sein möchte, kann auch in Blogs aktiv werden. Je länger er sich mit einem Thema befasst, zu einem Thema blogt und twittert, desto eher wird er als Experte auf seinem Gebiet wahrgenommen. Das bleibt auch Personalern nicht verborgen. Genauso wichtig ist es, die eigenen Profile so zu pflegen, dass sie von der Suchmaschine gefunden werden.

Wissen, wo sich die Zielgruppe aufhält

Neben der bewussten Selbstpräsentation ist es entscheidend, die richtige Bühne der Darstellung zu wählen. Die Frage lautet: Wo sitzt das Publikum; wo bewegt sich meine Zielgruppe. Die Online-Plattform Xing wird beispielsweise überwiegend für geschäftliche Kontakte genutzt. Der Umgang ist formeller als auf Facebook. Das zeigt sich bei der Auswahl des Profilbildes ebenso wie bei der Darstellung des Profils. Auch die Nutzungserwartungen sind verschieden: Wer auf Xing ist, möchte sich vernetzten, möchte seine Ware, seine Dienstleistung verkaufen. Facebook hingegen bedient den Wunsch nach Entspannung und Teilhabe. Die Menschen wollen sich in erster Linie locker austauschen und gleichsam erfahren, was Bekannte tun, was in der (Nah-)Welt passiert. Eben diese Unterschiede sollte man auch bei der Selbstpräsentation beachten. Dem Personaler des Wunschunternehmens eine Freundschaftsanfrage bei Facebook zu senden mag verstörend wirken; eine freundliche Nachricht bei Xing hingegen kann der Beginn eines verheißungsvollen Kontakts sein.

Unerwünschte Effekte einkalkulieren und souverän bewältigen

Wie auch die Experten im Expertenforum "Networking & Reputation Management" festgestellt haben, wird die überlegte Aktivität in sozialen Netzwerken immer wichtiger. Bei aller Vorsicht lässt sich jedoch nicht vollständig ausschließen, dass unerwünschte Bilder und Nachrichten über die eigene Person den Weg ins Netz finden - im Extremfall millionenfach gelesen, geteilt, kommentiert oder bearbeitet werden. Solche Effekte muss man einkalkulieren, weil heute jeder in der Lage ist, mit dem Smartphone Bilder und Videos aufzunehmen und sie in Sekundenschnelle online zu publizieren.

All das klingt erschreckend, ist aber letztlich eine unabwendbare Tatsache. Deshalb sollten wir tun, was die Personaler tun: den eigenen Namen in Google eingeben. Haben wir unsere Profile professionell gepflegt, wird unter den ersten Treffern in der Suchmaschine das zu finden sein, was wir von uns zeigen möchten. Werden unerwünschte Inhalte oder missglückte Fotos angezeigt, kann man diese - wenn auch mit großer Mühe - entfernen oder zumindest in den Hintergrund drängen lassen. Manchmal genügt dazu eine kurze Nachricht an einen Blogbetreiber, eine Meldung an Facebook oder Google. In anderen Fällen ist es empfehlenswert, eine professionelle Agentur für Online Reputation Management einzuschalten, die den Fleck von der virtuellen weißen Weste entfernt. Und wenn auch das nichts hilft, bleibt zumindest die Gewissheit, dass es irgendwann einmal kaum noch jemanden geben wird, über den keine Daten im Netz verfügbar sind. Spätestens dann verlieren die Verfehlungen der digitalen Identität an Skandalisierungspotenzial und werden zunehmend als normale Ausrutscher wahrgenommen werden - nicht mehr und nicht weniger.

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