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Suche nach dem Morgen

Zukunftstrends erforschen [© Jürgen Fälchle - Fotolia.com]

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Die digitale Welt der Konsumenten wird dominiert von US-Konzernen wie Google und Amazon. Jetzt geht es um "Industrie 4.0". Und hier geht die deutsche Wirtschaft ihren eigenen Erfolgsweg: langsamer, aber nachhaltiger als die internationale Konkurrenz.

Er präsentiert sich mal wieder in Bestform. Locker und souverän bewegt sich Jack Ma über die Bühne des Congress Centrums in Hannover. Sein Englisch ist fast akzentfrei. Und der Gründer und Chef des chinesischen Internetunternehmens Alibaba hat eine Botschaft für die Gäste der Eröffnungsfeier der Computermesse Cebit.

Es ist seine Vision der neuen digitalen Welt. Das Messemotto "d!conomy", sagt er, müsse nicht mit "Digital Economy" übersetzt werden, sondern mit "Data Economy". Denn: "Die Maschinen der Zukunft laufen nicht mit Öl, sie laufen mit Daten. Es ist nicht die Technologie, die die Welt verändert, es sind die Träume hinter der Technologie."

Sätze, die sitzen. Sätze eines Träumers. Sind sie noch zu steigern?

Das Publikum wartet gespannt auf Angela Merkel, die Bundeskanzlerin mit Wortwitz. Bei Cebit-Premieren hat sie in den vergangenen Jahren immer wieder schlagfertig die Aussagen ihrer Vorredner aufgegriffen und für Stimmung gesorgt. Vor einem Jahr brillierte sie mit der nüchternen Erkenntnis, es sei ja ganz nett, dass der Kühlschrank sich die Milch selber bestelle. "Ich frage mich aber, wer dann die Tür aufmacht?"

Doch an diesem Sonntag ist alles anders. Die Regierungschefin, die sich die Förderung der digitalen Industrie vorgenommen hat, hält eine nüchterne Rede mit bekannten Fakten und Folgerungen. Und mit staatstragenden Sätzen: "Der deutsche Föderalismus, so gut er insgesamt ist, ist nicht immer ein Geschwindigkeitstreiber, wie ich sagen würde." Oder: "Auch bei der Verfügbarkeit von WLAN im öffentlichen Raum wollen wir aufholen. Wir haben im Vergleich zu anderen Ländern im Augenblick noch einen Rückstand."

Digitale Visionen klingen anders. Deutschland, ein digitaler Notfall? Rückstand? Alarm? Wer in den vergangenen Tagen die Computermesse Cebit besuchte, kann diesen Eindruck gewinnen. Niemals zuvor diskutierten Experten so intensiv über die digitale Zukunft der deutschen Wirtschaft wie auf dem Messegelände in Hannover. Und niemals zuvor wurden zu diesem Thema so viele Studien präsentiert.

Egal, ob der IT-Branchenverband Bitkom oder die Beratungsgesellschaften Accenture und Ernst & Young – sie alle kommen zum ähnlichen Ergebnis: Die digitale Geschäftswelt wird dominiert von US-Konzernen wie Google, Amazon, Apple und Facebook. Sie beherrschen das Konsumentengeschäft. Nun aber drohen angeblich auch Deutschlands Unternehmen, vor allem jene im Mittelstand, den Anschluss zu verpassen, wenn es um die Digitalisierung der Geschäftsbeziehungen untereinander geht.

Das Thema firmiert unter dem Begriff "Industrie 4.0". Gemeint sind total vernetzte Maschinen und Fabriken, vor allem aber neue Dienstleistungen auf Basis der Daten, die in der Produktion entstehen. Glaubt man Beratern und IT-Unternehmen, sind deutsche Unternehmen hier zu langsam. "Entweder wir übernehmen die Nutzung dieser Daten und machen die Smart Services oder aber andere machen es", warnt etwa Frank Riemensperger, Deutschland- Chef von Accenture.

Doch stimmt das? Ist die deutsche Wirtschaft in puncto Digitalisierung zu lahm? Die Bestandsaufnahme ist komplex. Sie gibt einerseits Anlass zu Warnungen, macht andererseits auch Mut.

So widmen sich nicht nur Konzerne wie Siemens der "Industrie 4.0". Industrie-Ikonen wie Bosch erschließen sich und anderen auch neue Geschäftsfelder wie das vernetzte Haus, die in Zukunft für Umsatz sorgen sollen. Und die großen drei Autokonzerne VW/Audi, BMW und Daimler sowie Zulieferer wie Continental sind ganz vorne dabei, wenn es um neue digitale Dienste im Fahrer- Cockpit geht und um selbstfahrende Autos. Sie kooperieren zudem mit Google, Apple & Co. und vergessen dabei nicht, die eigene Unabhängigkeit zu wahren. Daneben gibt es eine Vielzahl von Start-ups in Deutschland, die die digitale Revolution begleiten; und es gibt Beteiligungsfirmen wie Rocket Internet, die an der Börse notiert sind und weiter investieren.

Erste Erkenntnis: Die Rahmenbedingungen der deutschen Wirtschaft für die Digitalisierung sind ordentlich, wenn auch noch nicht optimal.

Zweite Erkenntnis: Die deutsche Wirtschaft beschäftigt sich so intensiv wie niemals zuvor mit ihrer digitalen Zukunft.

Dritte Erkenntnis: Die deutschen Firmen mögen bei ihrer digitalen Ertüchtigung langsamer voranschreiten als die internationale Konkurrenz, aber sie sind gründlicher.

Es ist der deutsche Weg der digitalen Revolution. Nicht mit Turbo-Kraft, dafür nachhaltig. Nicht hektisch, sondern wohlüberlegt. Das Motto: Der Fortschritt ist eine Schnecke, aber auch die Schnecke kommt an.

Dieser deutsche Weg findet Anerkennung, gerade im Ausland. "Als starke Industrienation und Land der Denker finden Deutschlands Strategien breite Aufmerksamkeit und liefern auch China ein sehr gutes Beispiel", lobt Chinas Regierungschef Li Keqiang. Und der Buchautor Jeremy Rifkin drängt, dass sich Europa und China im „Internet der Dinge“ zusammentun und eine "digitale Seidenstraße" ermöglichen. Seine Prognose: Europa könne das Spiel gegen die USA – sogar – gewinnen.

Fakt ist freilich aber auch: Die Konkurrenz aus den USA und Asien gibt bei der Digitalisierung der Industrie ein enormes Tempo und damit den Takt vor. Konzerne wie General Electric treiben das Thema und finanzstarke Risikokapitalgeber spendieren Milliarde auf Milliarde. Die Begeisterung für das Thema "Industrie 4.0" überrascht nicht. Ray Wang, Gründer der Analyse-Firma Constellation Research, prognostiziert, dass die IT-Wirtschaft mit dem digitalen Wandel bis 2020 mehr als 100 Milliarden Dollar umsetzen wird.

Dass Deutschland an diesem Geschäft partizipiert, wird in der US-Internetszene bezweifelt. Der US-Journalist Jeff Jarvis diagnostiziert sogar eine "Eurotechnopanik". Deutsche seien weniger offen für radikale Ideen und weniger risikobereit als die Amerikaner.

Doch Deutschland hat in der digitalen Revolution viel zu bieten. Das wichtigste: die Industrie selbst. In den USA boomte über Jahre hinweg vor allem der Dienstleistungs-Sektor; 2014 steuerte er 80 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die Industrie erreichte nur 19 Prozent. In Deutschland dagegen stammen 26 Prozent der Wirtschaftsleistung aus der Industrie.

Und für diese Industrie ist Digitalisierung kein neues Thema. Längst haben Halbleiter und Software die Maschinen erobert. Je nach Branche entfallen schon heute 50 Prozent der Wertschöpfung auf Software. "Es gibt keinen Standort auf der Welt, der bessere intelligente Autos und Maschinen baut", lobt selbst Riemensperger von Accenture. Aber man dürfe sich nicht ausruhen: Es reiche nicht, schlaue Maschinen zu bauen, die autistisch sind, weil sie nicht mit der Umwelt kommunizieren. Es gehe darum, Betriebsdaten einzusammeln und neue Services zu schaffen. Manchmal fehle es auch nur an forschem Marketing und Verkäufergeist.

Telekom-Chef Timotheus Höttges glaubt, die Voraussetzungen für die digitale Revolution in Deutschland seien ideal. "Wir müssen jetzt daran arbeiten. Ich würde noch nicht sagen, dass wir zurückgefallen sind", sagte er jüngst der "Wirtschaftswoche". "Digitalisierungspakete" made by Telekom sollen Firmen helfen, den nötigen Umbruch ohne größeres Investment umzusetzen. So gibt es ein "Industrie 4.0"-Paket für den Mittelstand: mit Sim-Karte plus Datentarif, Hardware und Cloud-Zugang. Die Telekom lockt auch mit kostenlosen Entwicklerpaketen, mit denen Unternehmen die Vernetzung ihrer Maschinen erst einmal ausprobieren können.

Während viele Mittelständler bei der Digitalisierung tatsächlich Nachholbedarf haben, sind Konzerne weiter. So ist Siemens Weltmarktführer bei Industriesoftware und in der Fabrikautomatisierung. Was alles möglich ist, zeigt der Konzern in seiner digitalen Musterfabrik im oberpfälzischen Amberg. Die Fertigungslinien für die Simatic-Anlagen wurden vor Errichtung komplett am Rechner geplant und simuliert. In der laufenden Produktion erfassen weit über 1000 Scanner jeden Tag rund eine Million Ereignisse und liefern 50 Millionen Daten. So weiß die Steuerzentrale stets, wer gerade was macht und wo sich welches Teil befindet. „Viele reden über Industrie 4.0, wir machen es“, sagt Siemens-Chef Joe Kaeser – und präsentierte die neuen Errungenschaften neulich selbstbewusst Kanzlerin Merkel.

Auch Thyssen-Krupp hat das Thema für sich entdeckt. Auf der Cebit zeigte der Konzern die Miniaturausführung des intelligenten Aufzugs, den die Essener mit Microsoft für das One World Trade Center in New York entwickelten. Die Fahrstühle wissen selbst, wie es ihnen geht, und melden Inventuren rechtzeitig an. Und sie analysieren das Fahrverhalten ihrer Gäste, optimieren so Verfügbarkeit und Energieverbrauch. Das Wartungsgeschäft sorgt nicht nur für reibungslose Abläufe, sondern auch für zusätzlichen Umsatz.

Bosch wiederum hat das Potenzial der digitalen Revolution schon deshalb früh erkannt, weil der Konzern nicht nur Zündkerzen, Kühlschränke und Elektrowerkzeuge herstellt, sondern auch Halbleiter und Sensoren. Die Stuttgarter sind bei der Entstehung von Daten mit dabei. Zudem hat Bosch zwei Firmen übernommen und daraus ein eigenes Softwarehaus gegründet, das sich mit Hunderten Entwicklern mit den Algorithmen der vernetzten Industrie beschäftigt. Und damit nicht genug: Bosch zählt zu den Pionieren bei Robotern, die Hand in Hand mit Menschen arbeiten können. Das ist die neue Generation „Automatischer Produktionsassistenten“ (Apas). So ein Roboter spürt etwa dank einer speziellen Sensorhaut, wenn sich jemand nähert, und bremst sanft ab.

"Insbesondere die vernetzte Produktion bietet für den Industriestandort Deutschland eine historische Chance", sagt Bosch-Chef Volkmar Denner. Gleichzeitig warnt Werner Struth, einer seiner Geschäftsführer: "Viele Aspekte der vernetzten Industrie wurden in Deutschland zwar vorgedacht. Aber es besteht die Gefahr, dass andere diese Ideen schneller umsetzen."

Die Digitalisierung erfordert ein Denken, das etablierte Firmen zudem stark herausfordert. "Wir arbeiten seit 50 Jahren mit dem gleichen Geschäftsmodell. Innovativ zu sein bedeutete bei uns bislang niemals die Auseinandersetzung mit Geschäftsmodellen", gesteht Peter Leibinger, Vize-Chef des Anlagenbauers Trumpf: "Das Ausbrechen aus diesem Denken fällt uns unheimlich schwer."

Fieberhaft suchen Manager und Unternehmer nach Lösungen. Gefordert ist Kreativität. So stattet der Stahlhändler Klöckner in diesem Jahr die Venture-Capital-Tochter kloeckner.v mit einem zweistelligen Millionenbetrag aus. Sie soll gezielt Start-ups fördern, die laufend das gängige Geschäftsmodell des Duisburger Konzerns attackieren. Sinn der Übung: Große Internetkonzerne sollen den Duisburgern nicht plötzlich das Geschäft abnehmen können.

Vor zwei Jahren war Vorstandschef Gisbert Rühl ins Silicon Valley gereist, auf der Suche nach dem Morgen. Dabei traf er zufällig einen Teenager, der gerade eine Softwarefirma gegründet hatte. Was er denn so mache, fragte ihn der Jugendliche. Der Deutsche erzählte von seinem 1906 gegründeten Unternehmen, das Stahlprodukte aller Größen und Güte an Endkunden liefere, darunter auch an die wetterabhängige Bauindustrie. "Werten Sie dafür auch Wetterdaten aus?", fragte ihn der Jungunternehmer – und Rühl musste zugeben, dass er darauf noch gar nicht gekommen sei.

Inzwischen hat Klöckner eine eigene Digitaltochter mit Sitz in Berlin gegründet. Bis Jahresende will der Konzern dort 20 Leute beschäftigen. Langfristig will Rühl die gesamte Liefer- und Leistungskette im Stahlhandel via Internet abwickeln. Bis 2019 soll mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes (zuletzt 6,5 Milliarden Euro) online erzielt werden.

Lernen von Start-ups – für viele Unternehmen ist das eine Chance, sich neu aufzuladen. Doch im Vergleich mit den USA ist die deutsche Start-up-Szene fast bedeutungslos. In den Vereinigten Staaten verzeichnete die Venture-Capital- Branche 2014 eines der besten Jahre. Insgesamt investierten die Risikokapitalgeber 48,3 Milliarden Dollar in über 4.000 Unternehmen. Der Betrag liegt um 61 Prozent höher als noch ein Jahr zuvor, wie eine Studie von Pricewaterhouse- Coopers (PwC) zeigt.

In Deutschland dagegen sanken 2014 die Investitionen der Risikokapitalgeber. Nach Rechnungen des Bundesverbands Deutscher Kapitalgesellschaften (BVK) wurden nur magere 650 Millionen Euro für Neugründungen ausgegeben – 60 Millionen weniger als 2013.

Gibt es einfach viel zu wenig Wagniskapital in Deutschland? Heinz-Paul Bonn, langjähriger Bitkom-Vizepräsident und Beirat im Bundesverband Deutsche Start-ups, bestätigt die Analyse zwar. Dennoch findet er die ewigen Vergleiche mit Kalifornien enervierend: "Immer messen wir uns mit dem Silicon Valley. Dabei sind wir alle ein bisschen Silicon Valley, wenn man uns lässt." Das gelte vor allem, wenn es um Themen wie Industrie 4.0 gehe. Experte Bonn will hier den Mittelstand stärker mit Start-ups zusammenbringen: "Dann lösen wir sowohl die Probleme des Mittelstands als auch die der Start-ups." Deshalb hat er ein Mentorenprogramm ins Leben gerufen. "Wenn wir Industrie 4.0 machen wollen, dann müssen wir lernen, die Kräfte in unserem Land zu bündeln."

Einfach mal loslegen, das können nicht nur Amerikaner. Das geht auch im Schwäbischen Oberkochen bei Carl Zeiss. Wichtig sei, dass man erste Projekte habe, die zeigen würden, was Digitalisierung bedeute, erklärt Finanzchef Thomas Spitzenpfeil: "Digitalisierung ist sehr dynamisch." Sind die Projekte einmal da, sei es einfacher, im Personal die grundsätzliche Einstellung zum Thema Digitalisierung zu verändern.

Die Strategie des Learning by Doing zeigt erste Erfolge. So hat Zeiss vor kurzem mit dem "VR One" ein besonderes Headset für Smartphones auf den Markt gebracht. Es handelt sich um eine Virtual- Reality-Brille, in die ein Handy hineingeschoben und als Display genutzt werden kann. Die Idee dazu hatten junge Kollegen. "Die standen plötzlich bei mir im Büro und haben nach Geld und Zeit gefragt", erzählt Spitzenpfeil. "Die Idee fanden wir im Vorstand smart, vor allem auch, um bewusst neue Erfahrungen bei Entwicklung und Vermarktung zu sammeln." Digitalisierung ist experimentell. Man probiert, man lernt.

US-Internetexperte Jarvis mahnt, das Scheitern zu lernen: "Zugegeben, die Amerikaner treiben es manchmal zu weit. Scheitern ist bei uns schon fast zum Fetisch geworden. Aber beim Unternehmertum und in der Welt des Risikokapitals geht es nun mal vor allem um die Möglichkeit des Scheiterns."

Die deutschen Industrieunternehmen kämpfen in Sachen Digitalisierung oft mit Grundsatzproblemen. Es prallen zwei Welten aufeinander, die wohlgeordnete, durchrationalisierte Fabrikwelt und der sprunghafte Kreativkosmos der Nerds. "Unsere Innovationszyklen sind völlig anders, sind auf fünf bis sieben Jahre ausgelegt", sagt Trumpf-Geschäftsführer Peter Leibinger und fügt hinzu: "Die Schlagzahl der Softwareindustrie ist uns fremd."

Sie darf aber nicht fremd bleiben. Industriefirmen müssen sich dem Tempo der IT-Industrie annähern. Das zeigt sich bei den Autobauern. Die Vorstöße von Google und seit kurzem Apple haben die PS-Branche in Unruhe versetzt. Keiner kann abschätzen, wie schnell die IT-Konzerne mit ihren Plänen vorankommen. Aber dass man ihre elektronischen Landkarten und die Datenverarbeitungssysteme braucht, könnte Tatsache sein. Die Sorge, rechts überholt zu werden, ist spürbar. "Die Frage ist: Wer ist schneller unterwegs in die neue Zeit, die II-Firmen wie Google oder Apple oder wir als klassische Industrie?", resümiert Manager Leibinger.

Ein Wettlauf also. Doch deutsche Politik, Verbände und Firmen verheddern sich in Initiativen und Plattformen für die Industrie 4.0. Alle wollen versuchen, Standards zu setzen. Denn nur wenn die IT-Systeme in den Maschinen dieselbe Sprache sprechen, können sie vernetzt werden.

Die Institutionen in den USA sind schlagkräftiger. Erst vor einem Jahr wurde in den USA das Industrial Internet Consortium (IIC) gegründet. Es war eigentlich eine späte Antwort von Konzernen wie Cisco, IBM und General Electric auf die deutsche 4.0-Initiative. Doch der US-Pakt entwickelte umgehend eine enorme Sogkraft. Inzwischen zählt der IIC 143 Mitglieder, darunter mit Siemens, SAP und Bosch auch deutsche Unternehmen.

Zwischen den Mitgliedern laufen bereits Kooperationen und Feldversuche. Die Bundesregierung fürchtet, dass die Standards nun in den USA gesetzt werden. IIC-Chef Richard Mark Soley wiegelt ab: "Es geht in der ersten Phase des Industrial Internets nicht um einen Wettbewerb der Standards. Vielfalt und Offenheit sind wichtig."

Einen Unternehmer wie Peter Leibinger kann diese Ansage nicht wirklich beruhigen: "Wir wissen nicht, wie weit die ICC wirklich ist. Ich glaube aber, dass das die Konkurrenz für uns ist, die wir am meisten ernst nehmen sollten."

Die deutschen Unternehmen wissen, dass sie sich beeilen müssen. Sonst ist ihr digitaler Vorsprung dahin, gehen lukrative Zusatzgeschäfte verloren. Das hat Clemens Oertel, Berater bei Accenture, genau berechnet: Wenn sich die deutsche Wirtschaft bis 2020 bei der Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen nur um zehn Prozentpunkte steigern könnte, würde sie 75 Milliarden Euro an Wert schaffen. Das wäre ein zusätzliches Wachstum von einem bis drei Prozentpunkten.

Die Suche nach dem Morgen wäre damit erfolgreich gewesen.

Industrie 4.0 in Deutschland [Quelle: Handelsblatt]

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Mitarbeit: Martin-Werner Buchenau, Astrid Dörner, Axel Höpner, Ina Karabasz, Martin Wocher

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